Paraphrasen

Das Kunstmuseum Basel zeigt noch bis 23.August 2026 eine Ausstellung mit Werken der wegweisenden amerikanischen Malerin Helen Frankenthaler (1928-2011). Im achten von neun Ausstellungssälen im zweiten Stock des Neubaus finden sich die sogenannten Paraphrasen der 1980er Jahre. Helen Frankenthaler interagiert in dieser Zeit erneut stark mit verschiedensten Werken der Kunstgeschichte, z.B. mit japanischen Holzschnitten (For Hiroshige 1981, Sammlung Reinhard Ernst, Wiesbaden), aber auch mit Gemälden von Gustave Corbet, Édouard Manet und Claude Monet (Claude’s Message 1976). Sie kopiert die Vorlagen nicht, sondern transformiert sie in ihre eigene Bildsprache, sie knüpft an Vorbilder an, sucht und findet in der Auseinandersetzung den eigenen Ausdruck. Bereits ab 1956 hatte Frankenthaler Arbeiten geschaffen, die auf Begegnungen mit Werken aus unterschiedlichsten Zeiten, verschiedensten Stilen und Techniken reagierten, z.B. solchen von Tizian (Portrait of a Lady in White 1979) oder von Marie Laurencin; in Saal 3 (Hommage an die Malerei) zu sehen auch das 1960 entstandene Fabritius Bird (Helen Frankenthaler Foundation New York) samt der Vorlage in Form einer Postkarte: Der Distelfink des niederländischen Malers Carel Fabritius (1622-1654). Dabei erhält Frankenthaler Inspiration häufig durch Museumsbesuche, Reproduktionen von Gemälden pinnt sie an ihre Atelierwand, oft sind es Postkarten. Prägende Einflüsse haben über viele Jahre auch Reisen durch Europa, wo sie ebenfalls durch die Museen streift (durchs Kunstmuseum Basel 1974); in Vitrinen liegen Frankenthalers Museumsführer, in die sie Anmerkungen geschrieben hat (z.B. Louvre 1956). Schon mit Anfang zwanzig arbeitet Helen Frankenthaler im eigenen Atelier in Manhattan, mit dem Kunstkritiker Clement Greenberg, ihrem damaligen Lebenspartner, teilt sie die Passion, Galerien und Museen zu besuchen, und so startet auch die Ausstellung des Kunstmuseums Basel mit dem 1951 geschaffenen The Sightseers, deutscher Titel Die Ausstellungsbesuchenden, in das Frankenthaler mittenhinein schwarz ihren Vornamen gepinselt hat: Helen. Am 26.Oktober 1952 geschieht das, was in der Malerei wegweisend wurde: Frankenthaler erarbeitet mit vollkommen neuer Technik ihr Schlüsselwerk Mountain and Sea: sie schüttet stark verdünnte Farbe auf eine große, auf dem Boden ausgebreitete, ungrundierte Leinwand und bearbeitet diese von allen Seiten mit Pinseln, Bürsten, Schwämmen und anderem Werkzeug, die sogenannte Soak-Stain-Technik, bei der die Farbe ins Gewebe einzieht. Damit hat Frankenthaler ihren ganz eigenen Weg, ihre eigene Sprache gefunden. Im Basler Museum ist das Schlüsselwerk nur als kleine Reproduktion zu sehen, andere großformatige Werke aber lassen einen dem fließenden Leuchten der Farbflächen folgen.

Helen Frankenthaler: Porträt einer Pionierin der abstrakten Kunst https://share.google/Mo0oHuXOlhAZQciHT

Helen Frankenthaler: So ist die Ausstellung in Basel https://share.google/aedZwGFVq5Znqn759