
Zerlegen – der Begriff wird in einem Artikel über die von Peter Zumthor verwirklichten neuen Gebäude der Fondation Beyeler benutzt: „… ein Museumsgebäude in Einzelteile zerlegen, dann ergäbe das…“. Ich meine eher, Peter Zumthor (geb. 1943 in Basel) fügt zusammen. Und zwar das, was zusammengehört: Landschaft, Licht, Baumbestand, Materialien, Museumsgebäude.
„Ich liebe Museen“, sagt der Architekt und „I strive to build structures that will be loved”. Sie sind zu spüren, die Liebe und das Bemühen. Und so ist man am 26.September 2026 bei der Öffnung des Ensembles berührt. Und denkt, ja, dieses Werk wird ein beloved one sein. Der Tag feiert mit, spätsommerlich leuchtet er Park und Gebäude vollendet aus. Maurizio Cattelans Drummer Boy lässt unter wolkenlosem Blau seine Beine vom Dach des Wyss-Baus baumeln, und der das Gebäude überragende Gingko demütigt seinen Schatten auf die Helle gestampften Jurakalksteins aus dem Laufental. Sofort will man es dem Schatten gleichtun und die Wand berühren, sie heißt die Berührung willkommen, mit langen Bänken zum Verweilen lädt sie dazu ein. Die großen, während der Bauphase geschlossenen Tore zum ehemals privaten Iselin-Weber-Park stehen nun weit offen, auch ohne Museumseintritt ist er jetzt öffentlich zugänglich wie der bestehende Berower-Park beim Renzo Piano-Bau auch. Es ist fast nicht zu glauben, aber am Nachmittag des Eröffnungstages empfängt einen das Gelände mit einer Ruhe, die man nicht anders als andächtig nennen kann. Auf verstreut stehenden Stühlen sitzen Lesende, Zeichnende, Schauende. Andere flanieren auf sonnengefleckten Wegen zum Seerosenteich, in der Obhut alter Baumgesellen. Sie sind die Ureinwohner des Parks, die Besucher begegnen ihnen mit Ehrfurcht. Auch Louise Bourgeois‘ riesige Spinne (Maman,1999) fügt sich da ein, als sei sie nichts anderes als eine große Luftwurzel, die eine Lichtung behütet. Und dann kann man sogar hinein in den Wyss-Bau. Es ist nur logisch, dass einen dort Wolfgang Tillmans‘ tree filling window (2002) empfängt. Denn in den hellen, hallenartigen Räumen (je einer in den drei Stockwerken) bannen einen nicht nur die behutsam gewählten Kunstwerke, sondern die bodentiefen und wandhohen Seitenfenster, durch die man sozusagen in die Umgebung fällt. Und aufgefangen wird vom Grün der Bäume, vom Braun der Ackerfurchen, von Hausfassaden und Dächern, von den Kühen, die ungerührt grasen hinter dem neuen, japanisch anmutenden Ammann-Pavillon, in dem ein Steinway-Flügel für künftige Konzerte bereit steht. Im dritten Stock tritt man auf die Dachterrasse, bestaunt das Muster, das bereitgestellte Stühle auf die hellen Fliesen werfen und die Holz-Glas-Fassade des Erlen-Torhauses gegenüber, das als drittes Gebäude das Ensemble komplettiert und Anlieferungsort für Kunstwerke, Büro- und sonstige Nutzflächen bereithält. Cattelans Drummer Boy kommt man dabei ganz nah, und ab und an schlägt er auch tatsächlich seine Trommel. Ein lichter Außentreppenschacht führt einen wieder hinunter in den Park, der einem bereits in dreieckigen Wanddurchlässen entgegenkommt.
Ja, denke ich, nichts ist zerlegt, es ist zusammengefügt – so, als habe es nicht anders sein können und so, als sei es nie anders gewesen.

(Die Öffnung der Gebäude erfolgt schrittweise, es gelten derzeit insgesamt geänderte Öffnungszeiten, auch für den Renzo Piano-Bau; Informationen unter https://www.fondationbeyeler.ch)











