Was summt denn da in Ihren Töpfen und Pfannen, liebe Frau A.? – In meinen Töpfen und Pfannen? Ich summe, lieber Herr Spürnase, ich summe. – Sie? Was summen Sie denn? – Ach, mir sind da so ein paar Melodien zu Ohren gekommen, sogar vor Augen sind sie gekommen, sie dufteten, sie hüpften und tanzten und sprangen und ich war plötzlich wieder in Rom, vielleicht in der Villa Farnesina, vielleicht im Orto Botanico, auf jeden Fall bei Brunnen und Bächlein und Nymphen und Hirten und Schalmeien und…- Frau A.! Hier und jetzt, bitte! Hier duftet es doch auch, also bestimmt haben Sie etwas in Ihren Töpfen und Pfannen! – Tja, wenn Sie meinen, lieber Herr Spürnase, heben wir doch mal die Deckel, vielleicht finden wir was außer dem Kochdunst. Oh Vorsicht, heiß! – Jaja, ich bin auf der Hut, ich gebe schon acht, dass nichts mich verbrennt. (Kurzes Geklapper) Gut, Frau A., das sieht doch schon recht italienisch aus. – Hm, grazie mille, Herr Spürnase, da das Gelato al limon nach den Melodien nicht zu finden war (sämtliche Gelaterie der Stadt hatten schon geschlossen) und der Gusto der Töne sich nicht auf der Zunge fortsetzen konnte, hab ich mein Speisekämmerchen und den Kühlschrank befragt, was sie mir vielleicht bieten können und tatsächlich hab ich wenigstens die Tricolore zustande gekriegt. – Wie ist Ihnen das denn gelungen? – Ach, ein paar gerillte Schmetterlinge gab’s im Kämmerchen, Farfalle rigate, zwar nicht von De Cecco (obwohl sich diese migliori grani italiani e del resto del mondo auch im Kämmerchen finden), aber made in Italy, pasta trafilata al bronzo, grano selezionato decorticato a pietra. – Aha, sehr interessant und weiter? – Der Kühlschrank sprach von Mozzarella, irgendwo brachte sich eine melanzana ins Spiel und pomodori sind auch noch aufgetaucht. – Puuh, immer diese Tomaten, alles begraben sie unter sich! – Was rümpfen Sie denn so die Nase, schließlich brauchte ich doch das Rot! – Gut, sind wir mal nicht so und lassen Sie gewähren. Und das Grün, Basilikum? – Nee, war leider nicht mehr frisch vorhanden, die glatte Petersilie musste herhalten. – Ich verstehe, Sie versuchen sich in der Kunst der Improvisation. – Tja, lieber Herr Spürnase, mehr oder weniger freiwillig, ich habe so wenig Grundlagen. – Was heißt denn das nun wieder, liebe Frau A.? Was für Grundlagen denn? – Grundlagen halt, aber lassen wir das heute, heute summen wir doch sommerleicht. – Ja, eben, endlich kommen wir zum Summen der Ingredienzien, wie animieren wir das denn in Töpfen und Pfannen? – Na, die Farfalle lassen wir ziehen, bis sie al dente zu beißen sind. Die Aubergine halbieren wir, höhlen sie etwas aus und dünsten die beiden Hälften von beiden Seiten in Olivenöl an. Wir geben einen Schluck Wasser (von einer Quellnymphe selbstverständlich) dazu. Die Melanzana-Hälften liegen jetzt auf der bauchigen Seite und wir bedecken die andere mit dünn geschnittenen schmackhaften Tomatenscheiben, wir würzen mit den üblichen Verdächtigen und italienischen Kräutern, dann lassen wir die Tomatenscheiben unter Mozzarella- Scheiben verschwinden. Auf die streuen wir noch etwas, was uns für die Hirten-Melodien hilft. – Soso, klingt spannend, was ist dafür denn hilfreich? – Eine mediterrane Gewürzmischung für Schafskäse, lieber Herr Spürnase, unter anderem enthält sie Bockshornkleesaat, Fenchel, Ingwer, Muskatnuss und Chilis. Hören Sie’s? – Mal sehen, mal sehen, Frau A. Aber jetzt will ich noch was Flüssiges riechen, außer Nymphenquellwasser, meine ich. Konnten Sie da auch noch was auftreiben? – Certo, der frigorifero war so freundlich und hat zwar keine Castelli Romani, aber immerhin eine Flasche sizilianischen Grillo ausgespuckt. – Na dann, auf zum fröhlichen Summer, äh Sommer, äh Summen!









