Ich hab‘s mal wieder geschafft. – Was haben Sie geschafft, liebe Frau A.? – Die italienischen Farben zu komponieren. Das habe ich geschafft. Wenn ich auch sonst nicht so viel schaffe, das wenigstens klappt. – Ich verstehe nicht, liebe Frau A., was wollen Sie denn schaffen? Muss man denn immer was schaffen ? Irgendwelche Projekte haben? – Naja, lieber Herr Spürnase, das ist schon hilfreich. Schließlich leitet sich das Wort ab vom lateinischen „nach vorne werfen“. Das gefällt mir, nach vorne werfen. Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für …. – wenn Sie wissen, was ich meine. – Hm, liebe Frau A., ich bemühe mich, stimmt, da war mal sowas, hab ich irgendwo gelesen, wo war das nochmal, Ihre Kocharomen verwirren mich manchmal, dabei hab ich doch ein Elefanten- Gedächtnis. – Ich weiß, ich weiß, lieber Herr Spürnase, dieses ewige Kochen rührt auch mich manchmal durcheinander, dabei bin ich eigentlich mindestens so sortiert wie die Tassen im Küchenschrank. – Die Tassen im Küchenschrank? Das erinnert mich an was, gab’s da nicht so ein Sprichwort? – Genau, lieber Herr Spürnase, ein gut sortierter Küchenschrank signalisierte Wohlstand und Ordnung, deshalb war‘s schlecht, nicht alle Tassen im Schrank zu haben. – So, aha, da haben Sie also Wohlstand und Ordnung mit ihren gut sortierten weißen Tassen im Schrank, liebe Frau A. – Wie kommen Sie denn auf Weiß? Haben Sie etwa schon in meine Schränke gespitzt? Also, ehrlich gesagt, muss ich selbst grad nachschauen, ob nur weiß und sortiert und wie beim Basler Tattoo in Reih und Glied. Machen wir mal den Schrank da auf, Vorsicht Kochdunst! – Jajaja, liebe Frau A., ich pass‘ schon auf, also ich muss schon sagen, das klingt nicht nach Tattoo-Formation, da gibt’s ja ein Sammelsurium von Bechern und bei den Tassen fehlt die ein oder andere. – Jooaaa, lieber Herr Spürnase, ich gebe Ihnen recht, aber um mit einem Frage und Antwort- Spiel aus Kindertagen zu antworten: „das bringt das Leben so mit sich!“ Hübsche Kärtchen waren das, Bielefelder Spielkarten „Du lachst dich schief- Lustige Fragen und Antworten für Kinder“, zum Beispiel eine Frage: „Liest du gern Zeitschriften?“ und Mitspielende antworteten dann von ihrem Kärtchen „Mancher lernt es nie!“ oder „Dafür bin ich noch zu jung!“ Funktioniert auch heute noch, mit dem Kärtchenspiel Kinder zum Lachen zu bringen, hab‘ ich neulich selbst ausprobiert, auch wenn die Zeiten inzwischen bei manchen Antworten erweiterten Erklärungsbedarf mit sich bringen: „Der Mann muss hinaus ins feindliche Leben.“ – Frau A., Sie schweifen mal wieder ab! – Morning Sunshine! – Wie bitte, wir haben doch schon Mittag! – Na, das ist mein Lieblingskaffeebecher, begrüßt mich morgens ordnungsgemäß mit Sonnenschein in Großbuchstaben. So gehört sich das, da kann man sich doch nach vorne werfen, so richtig hinein jumpen in den Tag! – Wenn Sie meinen. Ich greife da lieber zu anderen Mitteln. – „Bist Du ein Feinschmecker?“ – Wie bitte? Was ist los? Wir sind doch nicht beim Du! – Neeneenee, Herr Spürnase, die Kärtchen, die Kärtchen, und die richtige Antwort auf dem Kärtchen lautet: „Du bist ein Schmecklecker!“ Aber die richtige kommt ja nicht, sondern sowas wie „Das sieht man doch.“ oder „Zum Kummer aller.“ – Liebe Frau A., ich darf doch bitten! Jetzt packen Sie mal die Fremdtexte wieder ein und lassen mich endlich schmecken, was in ihren Töpfen und Pfannen die Tricolore komponiert hat. – Sie wissen schon, lieber Herr Spürnase, dass schmecken im Schweizerdeutschen, im Alemannischen und im Schwäbischen riechen bedeutet, ja? – Natürlich, Frau A., darüber bin ich mir vollkommen im Klaren, aber wir wollen ja hier mit allen Sprachen, äh Sinnen … – Schwäbische Knöpfle haben sich da reingemogelt in die Italianità, „Alb-Gold“ Hartweizengrieß und 10% Landeier, kleine Reminiszenz ans Ländle, wir können alles außer…. Sie wissen schon. Fürs Grün feine Buschbohnen, bissfest (aber wegen des giftigen Phasin lang genug) in kochendem Wasser gegart, dann kriegen sie aber nach dem Abgießen einen internationalen Touch, Weltoffenheit, indem wir sie marokkanisch finiert haben, in Olivenöl mit Mini-Würfelchen von frischem Knoblauch und – sorry!- Tomatenstückchen, da haben wir dann gleich das Rot und eine Prise Weiß, das haben wir vor Jahren mal in einem Kochbuch gelesen „Die Küche des Kalifen“, der Titel hatte es uns alleine schon wegen der Alliteration angetan, dazu noch der Duft von Maghreb und Orient und auf dem Cover Granatäpfel in goldener Schale. – Frau A.! Bitte jetzt nicht in den Orient reisen! Mir fehlt noch was und zwar ein bisschen Weiß. – Gut, gut, bin ja hier: nicht strahlend weiß, aber doch schön hell sind die Scaloppine, die hauchdünnen Kalbsschnitzel, die wir nicht mal in Mehl gewendet, sondern nur mit unseren üblichen Verdächtigen gewürzt, wenige Minütchen in Olivenöl-/Buttermischung auf jeder Seite sanft angebraten und dann den Satz mit dem Saft einer frischen Zitrone und Weißwein abgelöscht haben. Mmmmh! – Schmeckleckerin! – Cosa? Was sagen Sie da? – Ich sage: buon appetito! – Ach so, ja, ich bin ganz bei Ihnen: buon appetito!





















