(Römische Freuden 1 bis 4 siehe Blogeinträge vom 20., 21., 27. und 30. Januar 2026)
…und auf ihrem Gang zur Vierung hatte sie den bronzenen Petrus passiert, der ihr über alle hinwegzublicken schien, so als sähe er etwas ganz anderes, und sie sah seinen rechten, vorgestellten Fuß blank- und gerundet gewetzt durch Berührungen der Gläubigen, bevor der Blick sie hinauftrug in Michelangelos meisterliche Peterskuppel,
die 551 Stufen würde sie später einmal hinaufsteigen und im schmalen Gang das Innere der Kuppel umrunden, mit schwindelndem Blick hinab in die Basilica den goldenen Mosaiken nahe kommen, den biblischen Figuren und zwei Meter hohen Buchstaben, die Jesu‘ im Matthäusevangelium fixierte Worte auf den Kuppelfries gravieren: Tu es Petrus et super hanc petram aedificabo ecclesiam meam et tibi dabo claves regni caelorum,
am 8.November aber, einem Dienstag, hatte sie die Treppe hinunter in die Krypta genommen und einen steinernen Papst beneidet, der gleichwohl lebendig und dem erlaubt schien, für immer in vollkommener Ruhe an jener Stelle knieen zu dürfen, an der Zeiten und Tode nicht galten und Jesu Jünger und Zeitgenosse ihr nah war, so dass sie lange verharrt hatte,
bevor sie wieder oben in der ersten Kapelle des rechten Seitenschiffs angesichts der unerhörten Schönheit von Michelangelos Pietà fast zu weinen begonnen und später geschrieben hatte, wie tief sich das reine Bild dieses Kunstwerks einprägen würde, weil man die Liebe sähe, mit der der erst 24-Jährige seine Gedanken und Hände an den weißen Stein gelegt hatte,
und sie hatte sich von ihrer Andacht noch nicht lösen können und ganz vorne in der Tribuna einer Messfeier beigewohnt und den ersten Besuch von St.Peter mit dem Wissen beschlossen, dass sie oft wiederkommen würde, hatte sie doch erst einen Bruchteil gesehen, am Abend aber hatte sie mit den Diakonissen die evangelisch-lutherische Christusgemeinde in der Via Sicilia aufgesucht und begonnen, im Kirchenchor mitzusingen,…
(Fortsetzung folgt)

(Foto aus: Vatikan-Führer. 1973 by Monumenti, Musei e Gallerie Pontificie, gedruckt 1976 in der Zincografica Fiorentina, Firenze. Erworben 1977)













