Ich breite vor mir den kommenden Gesang des Jahres aus – Grund zur Freude!

Das erste Jubiläumskonzert zum 100-jährigen Bestehen des Motettenchores Lörrach, Bachs Johannespassion am Palmsonntag in der Bonifatiuskirche ist mit Nachhall verklungen. Die Proben beginnen für das zweite Jubiläumskonzert, das am 18.Oktober im Burghof Lörrach stattfinden wird. Die junge Komponistin Elisabeth Fußeder (geb. 2000) erarbeitet dafür eine Auftragskomposition, daneben kommen das Schicksalslied von Brahms, Die erste Walpurgisnacht von Mendelssohn und die Fantasie für Klavier, Chor und Orchester von Beethoven zur Aufführung.
Den Klavierauszug des Schicksalslied habe ich bereits 1984 und 2024 in Händen gehalten und mich in Brahms‘ musikalische Gedankenwelt zu Hölderlins Gedichttext begeben (im Italienisch-Kurs lasen wir heute den schönen Satz: Io ascolto i pezzi di musica e li riscostruisco nella mia testa). Als die Walpurgisnacht schon einmal Teil eines Projekts war, war ich nicht dabei, und die Beethoven-Fantasie habe ich auch noch nie gesungen, so sind die vom Chorleiter empfohlenen Carusausgaben mit ihrem schönen, tiefen Blau nun ganz frisch.
Die Carus-Noten sind jeweils mit aufschlussreichen Vorworten versehen und ich erfahre, dass das Wunderkind Felix Mendelssohn-Bartholdy erst zwölf Jahre alt war, als es seinen Lehrer Carl Friedrich Zelter 1821 nach Weimar begleitete, um dort den schon über 70-jährigen Johann Wolfgang von Goethe zu treffen. Es entstand eine zehn Jahre andauernde musikalisch-literarische Freundschaft zwischen den Beiden. In der Walpurgisnacht setzte sich Mendelssohn (1809-1847) am intensivsten mit Versen Goethes auseinander, die Kompositionsaufgabe zur 1799 verfassten Ballade hatte er von seinem Lehrer Zelter übernommen und das Werk 1832 kurz vor Zelters und Goethes Tod vollendet. Nach der Uraufführung 1833 legte er die Walpurgisnacht aber für zehn Jahre zur Seite und überarbeitete sie 1842 umfassend, was er selbst als Mixtur aus Rekomposition und feinerer „Schneiderarbeit“ beschrieb.
Die Chorfantasie von Ludwig van Beethoven (1770-1827) sei als ein Variationenwerk zu verstehen, heißt es im Carus-Vorwort, und sie verkörpere wie die 5.Sinfonie das „per aspera ad astra“. Ich schlage den Text auf und lese : „Schmeichelnd hold und lieblich klingen unsers Lebens Harmonien, und dem Schönheitssinn entschwingen Blumen sich, die ewig blühn…“ , „ Wenn der Töne Zauber walten und des Wortes Weihe spricht…“ und „Doch der Künste Frühlingssonne lässt aus Leiden Licht entstehn. Großes, das ins Herz gedrungen, blüht dann neu und schön empor,…“, wobei ursprünglich wohl „beiden“ anstelle von „Leiden“ geschrieben stand (gemeint sind Nacht und Stürme). Lange Zeit war umstritten, wer den Text der Chorfantasie Op 80 verfasst hatte, verrät Wikipedia, die Erstausgabe erschien ohne Angabe des Textdichters, jedoch nannte Beethovens Schüler Carl Czerny den Wiener Konzipist und Redakteur Christoph Kuffner als Verfasser.
Die Messa a 4 voci con orchestra (Messa di Gloria) von Giacomo Puccini (1858-1924) werde ich auch das erste Mal singen, jedoch nicht mit dem Motettenchor, sondern mit einem Projektchor für Benefizkonzerte, dem Süddeutschen Ärztechor (Leitung Marius Popp) – und das im Heimatland des Komponisten. Pfingstmontag findet man sich zu den Proben in Rom zusammen, am 29.Mai wird in der Basilica Sant’ Andrea della Valle (die Kirche hat die drittgrößte Kuppel Roms) und am 30.Mai in der Nationalkirche der Portugiesen, in Sant’ Antonio dei Portoghesi konzertiert. Neben der Uraufführung eines Magnificat durch den Solisten Hyon Kook soll noch eine Psalmvertonung von Mendelssohn erklingen, die des 43.: „Richte mich, Gott“ (aus op.78 Drei Psalmen für gemischten Chor und Solostimmen), die Chorpartitur wiederum hielt ich schon 1986 in Händen und im September 2024 bei meiner ersten Italienreise (Verona, Venedig, Mantua) mit dem Süddeutschen Ärztechor.
Felix Mendelssohn Bartholdy: „Die erste Walpurgisnacht“ | Klassik entdecken | BR-KLASSIK | Bayerischer Rundfunk https://share.google/Xjy7gJWFWus4XkYLI


















