„Wer jodelt, der singt ohne Text und Worte“ erklärt Bzetti allen, die es wissen wollen, vorzugsweise den Kindern, und dass das Jodeln gut dafür war, sich von Berggipfel zu Berggipfel oder von Weide zu Weide zu verständigen. Zu dumm aber auch, dass eine Wespe unseren rechten Fuß küsste und wir daher nicht als BesucherIn Nr.200.001 zu den 12.000 Jodlern, Alphornbläsern und Fahnenschwingern (soll ich das jetzt noch in gendergerechte Sprache setzen? – stellvertretend nenne ich die „Bärner Jodufroue“) auflaufen können. Wir hätten sie so gerne gesehen in ihren varianten- und detailreichen Dirndln und Trachten, mit oder ohne weiße Hauben auf dem Kopf (dürfen nur verheiratete Frauen tragen) – und vor allem hätten wir sie gerne gehört, die über die ganze Stadt ausgestreuten Solo-SängerInnen, die Klein- und Großgruppen und Jodlervereine. 102 Jahre nach seiner Gründung war das alle drei Jahre stattfindende Eidgenössische Jodlerfest zum zweiten Mal wieder in Basel. Gut, wir begnügen uns also mit Bild- und Ton-Schnipseln, die auf dem kleinen Smartphone-Monitor aufploppen. Fast 40 Grad im Schatten sorgen dafür, dass neben Plätzen, Straßen, Konzertsälen und Kirchen auch Rhein- und Brunnenwasser als Austragungsorte mitspielen dürfen – juiii, wir sehen und hören also, dass Singen und Jodeln auch ganz ohne prototypische Kostüme hervorragend funktioniert! Wobei die Juroren dann doch nicht mit allen Wassern gewaschen bzw. in diesen dabei sind, sondern auf ihren Thronen bzw. Emporen verbleiben. Denn das Jodler- ist kein Oktoberfest, sondern ein ernster Bewerb, wo Tongebung, Aussprache, Rhythmik, Dynamik und harmonische Reinheit bewertet werden, je drei Juroren mit spezifischen Aufgaben schauen nach Dissonanzen, Tonstabilität, Reinheit der Töne etc. und vergeben Punkte – und wer in Klasse I der JodlerInnen aufsteigen will, muss eine bestimmte Punktzahl erreichen. Erinnert uns das an etwas? Da war doch auch ein anderer Bewerb am Wochenende? Einer, bei dem es Texte für Alpenvölker gab (Zitat!)? Bei dem auch nicht wenig und das gar nicht mal schlecht und in verschiedenen Genres gesungen wurde (selbst Litaneien und Gebete)? Den wir – wespengeküsst – ausführlich verfolgen konnten an größeren Monitoren? Bei dem wir einen richtig lieb gewannen, der hier weder mit Hemdkragen noch anderen Zu- , Um- und Personen-Ständen haderte (das Kabbeln mit dem Chef-Juror war unterhaltsam)? Sich nicht aufspielte, sondern einfach nur seine Arbeit machte? Dennoch nicht verlegen war, Zuspiel unprätentiös zu parieren (Stichwort Salz, Max Frisch u.a.)? Wir haben viel gelernt, auch die präzise Arbeit von Jurorin Schw.-H. geliebt, wir wurden zudem gut unterhalten und dürfen noch nacharbeiten, indem wir nicht alle, aber viele Texte ausdrucken, lesen und nochmals lesen, und dann vielleicht auch die Jury-Diskussionen dazu noch einmal hören – das jedenfalls haben wir uns vorgenommen. Und guten Vorsätzen soll man ja schließlich folgen, sonst werden sie zu Hohlsätzen, von denen keine guten Nachsätze bleiben, sondern lediglich schaler Nachgeschmack. Also, auf zum musikalischen Spaß! (Den hatten wir beim Selbigen von Wolfgang Amadé Mozart – Amadé , so stands geschrieben im Programmheft – ein wenig Sofapause musste sein, und wir „genossen“ bei einem Sommerkonzert u.a. die vier Gänge, äh Sätze von KV 522)
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