Erster Sonntag nach Ostern – Quasimodogeniti

Mit dem heutigen Sonntag endet die Osteroktav, der Name geht auf 1.Petrus 2,2 zurück: „seid wie neugeborene Kinder“.

Der im Herrnhuter Losungsbüchlein ausgeloste Tagesvers ist Vers 7 aus Psalm 116 :

Kehre zurück, meine Seele, zu deiner Ruhe! Denn der HERR hat dir Gutes erwiesen.

Ich zitiere noch die Verse 1 bis 6:

Ich liebe den HERRN, denn er hörte meine Stimme, mein Flehen. Ja, er hat zu mir geneigt sein Ohr, und an allen meinen Tagen werde ich ihn anrufen. Es umfingen mich die Fesseln des Todes, die Ängste des Scheols erreichten mich. Ich geriet in Not und Kummer. Da rief ich den Namen des HERRN an. „Bitte, HERR, rette meine Seele!“ Gnädig ist der HERR und gerecht, und unser Gott ist barmherzig. Der HERR behütet die Einfältigen. Ich war schwach, doch er hat mich gerettet.

Und die Verse 8 und 9:

Denn du hast meine Seele vom Tod gerettet, meine Augen von Tränen, meinen Fuß vom Sturz. Ich werde wandeln vor dem HERRN in den Landen der Lebendigen.

(nach der Elberfelder Übersetzung 2006)

Mixed Pickles oder Frühlingsfreuden 8

Eher etwas Winterliches sind in hiesiger Region die Mixed Pickles, gelten sie doch als gefragte Beilage zum Raclette, allerdings werden sie oft verschmäht, wenn sie auf dem Tisch stehen, dabei ist sauer Eingelegtes doch sehr schmackhaft – vielleicht sollte man sie besser selbst einmachen?

Ich verschmähe meine Lektüren-Mixed-Pickles jedenfalls nicht, sondern esse, äh lese mit Genuss erstmals oder wiederholt. Und das bei den derzeit günstigen Frühlingstemperaturen (vor neuerlichem Kälteeinbruch) bevorzugt auf der Terrasse.

Calanda oder Alvas Antwort ist der dritte Band von Angelika Overaths Istanbul-Trilogie (der zweite Unschärfen der Liebe war 2023 für den Deutschen Buchpreis nominiert), er ist am 18.März erschienen und führt zurück ins Engadin. Ich habe das Buch inzwischen mit großer Lesefreude inkorporiert. Im Klappentext heißt es: „Ganz unsentimental und doch tief berührend erzählt Angelika Overath von einer einsamen Gratwanderung im hohen Gebirge – und der Frage, was das Leben eigentlich trägt und wertvoll macht.“ Ich habe Angelika Overath von meinem Leseglück geschrieben: die präzise, knappe, schöne Sprache, jedes Wort treffgenau, die wundervollen Natur–‚Aufnahmen‘ und sprachlichen Wendungen, die Tiefe dessen, was in und hinter der Sprache steht, die verbindenden Motive (Quittenbaum, Quitten). Meine Vorfreude auf neuerliche  Kursteilnahme in der Schreibschule Sent bei Angelika Overath und Manfred Koch hat durch die Lektüre nochmals eine Steigerung erfahren, Gedichte lesen, Gedichte schreiben steht an bei einem sommerlichen Zusatztermin im Juli, und Goethes Lyrik wird Anfang Oktober bei den Senter Lektüren eine Rolle spielen.

Im 2023 erschienenen Die Klause der Illusionen. Aufzeichnungen aus drei Grashütten der beiden japanischen Dichter Matsuo Bashô (1644-1694) und Kamo No Chômei (1153-1216) sowie des chinesischen Dichters Bai Juyi (772-846) lese ich immer einmal wieder. Der sehr schön ausgestattete Band mit passenden Zeichnungen und ergänzenden Hinweisen zu Autoren und Texten bietet außer dem Lese-  auch noch haptischen Genuss.

Berge und Hütten treten in beiden Büchern auf.

(Angelika Overath: Calanda oder Alvas Antwort. Luchterhand, München 2026)

(Matsuo Bashô, Kamo No Chômei, Bai Juyi: Die Klause der Illusionen. DVB, Mainz 2023)

«Ich sammle Figuren aus dem Leben» | Engadiner Post/Posta Ladina https://share.google/rtL1aDIFaGTYgRKlk

NEU: „Calanda oder Alvas Antwort“ von Angelika Overath – Buch – 2026 https://share.google/o6XLZHKe0juL72wA0

Schwarzwaldmarie hoch zwei

(siehe auch Blogeinträge vom 20.Aug., 30.Okt. und 28.Nov.2025)

Man erinnere sich: das Bollenhut-Mädle war so begehrt, dass es trotz 70 000-facher Vervielfältigung im ersten Anlauf nicht mehr zu haben war. Es berühre ein Herzensthema, verlautbarte die Sprecherin der Schwarzwald-Tourismus Gesellschaft und stünde für die Liebe zum Schwarzwald und seinen Traditionen. Am 30.Oktober 2025 erreichte mich dann die Meldung, dass die Playmobil-Sonderfigur eine Renaissance erfahren habe – und tatsächlich konnte ich meine Schwarzwaldmarie mit ihrem roten Bollenhut bald in die Arme bzw. Finger schließen. Und gönnte ihr dann einen Platz in der illustren Gesellschaft der Herren Goethe und Bach, auch Wolfgang Amadeus hat sich inzwischen dort eingefunden (ich liebe ungewöhnliche Kombinationen) – und als ich irgendwann einmal zufällig an der Schwarzwaldmädel-Postkarte vorbeilief, musste die natürlich das Ensemble ergänzen (auf dem Regal, das meine Bücher etc. zu Schreiben und Schrift versammelt).

Ende März wurde ich in mehreren Medien gewahr, dass die rührige Tourismus Gesellschaft keine Ruhe gegeben und sich einen neuen Coup ausgedacht hatte. Die „Unterm Strich“- Kolumne der Badischen Zeitung titelte am 27.März „Wo die Liebe hinfällt“ und malte in den ersten Sätzen ein Schwarzwaldidyll: „Es war einmal im Schwarzwald, irgendwo bei Baiersbronn. Da sitzt ein junges Mädchen in hübscher Tracht an einem sprudelnden Bach, eine lauschige Lichtung inmitten grünen Tanns, das Eichhörnchen huscht vorbei, der Buchfink trällert seine Kaskaden, die Buschwindröschen recken sich der Frühlingssonne entgegen. Da kommt ein junger Mann daher,…“ (Artikel von Dominik Bloedner). Auch auf Instagram überschlugen sich die Meldungen, der offizielle Account der Baiersbronn-Touristik hatte unter der glasklaren Frage „Marie me?“ den perfekten Partner für das Bollenhut-Mädle gesucht und eine Abstimmung gestartet. Drei Kandidaten wurden in die Auswahl geschickt und mit entsprechenden Playmobil-Sonderfiguren hinterlegt: 1. Valentin, ein blonder charmanter Sunnyboy mit Brille (aber schwarzwaldmäßig angepasst), 2. Jakob, lässig mit braunem Schopf (ebenfalls in Schwarzwald-Outfit) und 3. Hannes, der klassische Schwarzwaldjunge. Die Abstimmung der Community habe ich leider komplett verpasst, mit deren Ergebnis bin ich aber sehr zufrieden, denn the winner is: Hannes, der klassische, bodenständige Schwarzwaldjunge. Baiersbronn Touristik erläuterte zum Geschehen:  „Für maximale Authentizität wurden die Trachten der Figuren gemeinsam mit Trachtenexperten aus dem Kinzigtal entwickelt: Marie trägt künftig den traditionellen schwarzen Bollenhut der verheirateten Frauen, Hannes‘ Tracht ist ebenfalls originalgetreu gestaltet.“  Ab Mitte 2026 soll das neue Set „Marie & Hannes“ erhältlich sein bei Baiersbronn Touristik und an anderen ausgewählten Orten im Schwarzwald. Da bin ich ja nun gespannt, ob der Run auf die verheiratete Marie in anderem Gewand und mit schwarzem Bollenhut, ohne Schwarzwälder Kirschtorte, dafür aber mit ihrem Hannes, genau so groß sein wird wie auf das Mädle mit den roten Bollen! Und: werde ich endlich einmal wieder nach Baiersbronn fahren und dort meine Großeltern besuchen, die mir zuletzt so schön von ihrem Balkon zuwinkten? (oh, ich muss, glaube ich, noch an meinen Zeitformen arbeiten! ) Mein Buchkalender meint jedenfalls „vielversprechend“, denn er wollte sich für dieses Jahr partout nicht im gewohnten schwarzen Outfit finden lassen, sondern kleidete sich in „NatureLine“- Grün mit Waldsilhouette (naja, auf den Bären kann ich verzichten).

Whispering Things oder Frühlingsfreuden 7

Whispering Things lautet der Titel der aktuellen Ausstellung im Vitra Design Museum, eine Retrospektive des Schaffens der niederländischen Designerin Hella Jongerius. Geboren 1963 und noch sehr lebendig, haderte sie erst mit dem Vorhaben einer Retrospektive, aber inzwischen gab sie ihr Placet und liebt es, „all diese Jahrzehnte zu sehen“. Das Programmheft des Museums beschwört den „forschungsbasierten Gestaltungsansatz“ von Hella Jongerius, „ihr vielschichtiges Denken, ihre Leidenschaft für handwerkliche Prozesse und ihre intensive Auseinandersetzung mit Materialität und der Symbolik der Dinge“. Ich habe die Ausstellung, die noch bis zum 6.September zu sehen ist, gestern besucht, gegenüber den sommerwarmen Außentemperaturen schien das Klima der Räume kühl. Nicht so das Gezeigte! Bei den Exponaten blühten nicht allein die Farben, sondern auch Fantasie, Ideen, Materialien, Techniken, Diskurse. „Die Dinge des Alltags erzählen Geschichten. Sie spiegeln unsere Sicht auf die Welt“ heißt es in einem Saaltext, und man bestaunt Jongerius‘ virtuosen Umgang mit unterschiedlichsten Formen und Materialien in ihren Arbeiten für Vitra, Ikea, KLM, Camper, Maharam. Da ruhen glasierte Keramiktiere auf Porzellanschalen und betrachten still die Umgebung, da ziert Hohlnadelstickerei einen Paravent aus Filz, da versammeln sich Handmodelle verschiedenster Materialien in einem Rahmen oder hängen als eine Art Mobile von der Decke, da bilden 282 unterschiedlich gefärbte Vasen (Coloured Vases, Third Series, 2010) in zehn kreisrund angeordneten Etagen einen großen Kegel. Hella Jongerius liebt nicht nur Farben, mit denen sie sich intensiv praktisch und wissenschaftlich auseinandersetzt, sondern auch Archive, die sie immer wieder aufsucht und denen sie Ideen und Materialien entnimmt. Ihr eigenes Designstudio – Archiv hat sie 2024 dem Vitra Design Museum übergeben. Inzwischen arbeitet Jongerius nicht mehr als Auftrags-Designerin, sondern als freie Künstlerin, davon zeugen im Obergeschoss auch Tiergestalten aus Keramik, die zum Teil als wasserspeiende Skulpturen im neuen Teich fungieren sollen, der derzeit gerade neben dem Museum angelegt wird, die Erdarbeiten sind hinter dem weißen Bauzaun in Gange. Im Obergeschoss findet sich auch eine Reminiszenz an den Froschkönig (würde ich sagen), ein großer Frosch (mit ebensolchem Hinterteil) ist untrennbar und gewaltig verbunden mit einem Walnussholztisch, sein linker Schwimmfuß liegt dem Tisch auf, der rechte verharrt noch neben dem Tischbein auf dem Boden. Jongerius stelle sich vor, dass ein riesiger Frosch „höflich darum bittet, an unserem Gespräch teilzunehmen“, heißt es im Erläuterungstext.

Vor dem gegenüberliegenden Vitra-Haus mit Café ergehen sich nicht nur die bunten, eingehegten Elefanten in der milden Frühlingsluft, es haben sich allerlei Menschen auf den bereitgestellten Sitzmöglichkeiten bei den Kirschbäumen eingefunden, manche lesen.

Welch Farbüberfluss!

Keusches Weiß kitzelt die Stirn

beim Kirschblütenfest.

„Die Hände sind klüger als der Kopf“ – Designerin Hella Jongerius https://share.google/mtN1Nyv7VtgfQC7Vs

(Hella Jongerius  – Whispering Things. Vitra Design Museum, Weil am Rhein, noch bis 06.09.2026)

Sursum corda!

Am See las ich Martin Walser (1927-2023), die Novelle Ein fliehendes Pferd und die Wort- und Bildmeditationen in Heimatlob, Ein Bodensee-Buch von André Ficus und Martin Walser. André Ficus (1919-1999) aquarellierte seine See- und Seh-Eindrücke auf Japan-Papier, kurze lyrische Prosatexte von Walser korrespondieren mit den zarten Gemälden, zur Bildmeditation Lied im April zum Beispiel eine klingende Naturnotiz. Einen Text widmet Walser im Subtitel dem IX.Kapitel von Seuses Leben, die Überschrift lautet Von den Worten Sursum corda. Und der Text folgt der Ausrichtung, dem Hinauf der Herzen zu Gott im Verein mit aller Schönheit der Schöpfung.

Heinrich Seuse (1295-1366), der Dominikaner und Mystiker, wirkte in Konstanz und Ulm, in der Schweiz und am Oberrhein. Nach mehrjährigem Studium der Philosophie und Theologie wurde er zum Studium Generale seines Ordens nach Köln geschickt und gehörte dort zum engen Schülerkreis von Meister Eckhart (1260-1328). Seuse wurde bereits zu seinen Lebzeiten wie ein Heiliger verehrt und 1831 von Papst Gregor XVI. per viam cultus selig gesprochen. Bis zu seinem Tod war Seuse vielfältig literarisch tätig, wobei er auf unterschiedlichste Quellen zurückgriff und die verschiedensten Stilmittel und Erzählformen benutzte. Wikipedia verrät mir auch, dass Seuse auf eine breite Leserschaft zielte, dass er durch zahlreiche Wortneuschöpfungen die deutsche Sprache bereicherte und dass er immer wieder sein Schreiben selbst reflektierte – zum Beispiel auch in einer häufig zitierten Stelle über das Grundproblem, wie mit bildlicher Sprechweise das Bildlose zur Sprache kommen könne.

Weder kommentiert noch illustriert seien die Meditationen in Heimatlob, heißt es im Klappentext des Inseltaschenbuchs Nr.645. Das ist so – und dennoch oder gerade deswegen führen sie einen intensiven Dialog.

In mein IT-Buch hatte ich einen Artikel der Badischen Zeitung (von Bettina Schulte) zu Martin Walsers Tod eingelegt, vom Samstag, den 29.Juli 2023, die Überschrift lautet: „Der schreibende Mann“.

Der liturgische Ruf Sursum corda! wurde von verschiedenen Komponisten vertont. Und wie lautet die Antwort? – Habemus ad Dominum, wir haben sie beim Herrn.

(Martin Walser: Ein fliehendes Pferd. Novelle. Suhrkamp Taschenbuch 1.Aufl.1980)

(Heimatlob. Ein Bodensee-Buch von André Ficus und Martin Walser. Insel Taschenbuch 645, 1.Aufl.1982)

Osterlob am Hügel

Ein Konzert des Kammerchores Markgräflerland brachte zum Ausklang des Osterfestes am gestrigen Montagabend fein ausgewählte, großteils selten zu hörende a cappella- Stücke in die Stadtkirche Schopfheim, beginnend mit Victimae paschali laudes von Sethus Calvisius (1551-1615). Bei Christ lag in Todesbanden sowie beim hochaktuellen Verleih uns Frieden gnädiglich von Johann Sebastian Bach (1685-1750) und dem abschließenden Jauchzet dem Herrn alle Welt Op.69 von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) war auf deutschen Text zu intonieren, ansonsten hatten KomponistInnen der unterschiedlichsten Jahrhunderte ihrer Musik lateinischen Text zugrunde gelegt: Domine, ad adjuvandum me festina (Gottfried August Homilius 1714-1785), Angelus Domini descendit de coelo (Valentin Rathgeber 1682-1750), Cantate Dominum canticum novum (Vytautas Miškinis, geb.1954), O salutaris hostia (Eriks Ešenvalds, geb.1977), O nata lux de lumine (Anna Lapwood, geb.1995), Laudate Dominum omnes gentes (Knut Nystedt, 1915-2014) und Pater noster, qui es in coelis (Simon Waver,geb.1979).  Während des Konzerts wanderte das durch die Farben der Glasfenster gefilterte, noch immer kräftige Sonnenlicht so, dass es schließlich die aus dem Jahr 1687 stammende Christusfigur ausleuchtete, die inzwischen nicht an Holzbalken, sondern an kreuzförmigen Metallbändern im hohen Chorraum hängt. Auch diese (in einem kleinen Park stehende) Kirche musste innen gänzlich renoviert werden, nachdem 1996 der Chor, beide Orgeln, ein Seitenschiff und die Kanzel durch Brandstiftung stark beschädigt worden waren. Zwei Orgeln, eine im Chorraum, eine auf der Empore, stimmten gestern ein ins Osterlob.

Ist es am Hügel die Lyra – das Metallophon oder Glockenspiel der Marschkapellen – mit der Traubenhyazinthen am Osterlob teilnehmen? Oder was hört man da?

Milder Frühlingswind.

Leis schwingen blaue Glöckchen.

Vogelsang von fern.

Ein Ostermorgen

Der See ist eine ebene Fläche, die sich an den Horizont verliert. Keine Grenze zwischen Himmel und Erde. Das Grab ist offen. Strahlend über dem Dunst das Gewand des Engels, der Firn der Alpengipfel. Der Stein ist weggerollt, zerbrochen in ferne Felsbrocken auf dem Wasser. Sie erheben sich, steigen auf, kommen näher, kreisen über der Ruhe. Flügelschlag, ein Ruf. Fürchtet euch nicht! Von gegenüber antworten die Glocken. Seid gegrüßt! Zurückgekehrt nistet der Klang im Schilf. Bis er die Tautropfen liegen lässt, leinene Tücher, auf Kieselsteinen getrocknet wie die Tränen der Frauen. Kein Weinen mehr, kein Suchen. Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Durch grüne Auen spricht ein Bach vom Wasser des Lebens, kristallen fließt Glanz in die Stille des Sees, am Ufer ahnen noch kahle Bäume kommendes Übermaß und der frische Morgen salbt die Luft mit Wohlgeruch.

Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Osterfest

SURREXIT DOMINUS VERE – ALLELUIA

Vers 18 aus dem ersten Kapitel der Offenbarung wird im Herrnhuter Losungsbüchlein dem heutigen Ostersonntag zugeordnet. Nach der Elberfelder Übersetzung lautet er so:

Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige, und ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und des Hades.

Marie Luise Kaschnitz (1901-1974) schrieb das Gedicht Auferstehung:

Manchmal stehen wir auf / Stehen zur Auferstehung auf/ Mitten am Tage / Mit unserem lebendigen Haar / Mit unserer atmenden Haut.

Nur das Gewohnte ist um uns./ Keine Fata Morgana von Palmen / Mit weidenden Löwen / Und sanften Wölfen.

Die Weckuhren hören nicht auf zu ticken / Ihre Leuchtzeiger löschen nicht aus.

Und dennoch leicht / Und dennoch unverwundbar / Geordnet in geheimnisvolle Ordnung / Vorweggenommen in ein Haus aus Licht.

(Marie Luise Kaschnitz: Überallnie. Ausgewählte Gedichte 1928-1965. dtv München 3.Aufl.1999)

Karfreitag

Vers 16 aus dem dritten Kapitel des Johannesevangeliums ist im Herrnhuter Losungsbüchlein dem heutigen Karfreitag zugeordnet. Ich zitiere nach der Elberfelder Übersetzung:

Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.

Unter dem vorgeschlagenen Lied Nummer 85 O Haupt voll Blut und Wunden, voll Schmerz und voller Hohn, o Haupt, zum Spott gebunden mit einer Dornenkron, o Haupt, sonst schön gezieret mit höchster Ehr und Zier, jetzt aber hoch schimpfieret: gegrüßest seist du mir! ist in meiner Ausgabe des Evangelischen Kirchengesangbuchs ein Wort von Bernhard von Clairvaux (1090-1153) abgedruckt:

Das Kreuz Christi ist eine Last von der Art, wie es die Flügel für die Vögel sind. Sie tragen aufwärts.