…ist der Titel eines sehr schön ausgestatteten Buches, das ich im Januar für wenige Euro in einer Buchhandlung noch original eingeschweißt mitgenommen habe, offenbar hatte sich niemand sonst dafür interessiert. Ein Handbuch über Vogelpflege aus dem 17.Jahrhundert lautet der Untertitel, auf kartonfestem Papier finden sich maßstabsangepasste Illustrationen auf Basis jener originalen kolorierten Vogelzeichnungen, die der bedeutende italienische Kunstmäzen Cassiano dal Pozzo (1588-1657) im 17.Jahrhundert für sein Papiermuseum hatte fertigen lassen.
Über vierzig Jahre lang hatte Dal Pozzo für das Papiermuseum (Museo Cartaceo) Zeichner beschäftigt, die römische Antiken, frühchristliche Relikte, naturkundliche Gegenstände, Drucke zu Tagesereignissen etc. festhielten, es ging um Realien, um Sachkultur. Teile der Sammlung sind heute in der Royal Library in Windsor Castle und im British Museum of London zu finden, die Originalausgabe des Buches erschien 2018 unter dem Titel Pasta for Nightingales bei Royal Collection Trust, London.
Cassiano dal Pozzo war seit 1622 Mitglied der Accademia Nazionale dei Lincei, also der Akademie der Luchsartigen (im Sinne von Scharfsichtigen), einer ersten privaten Institution zur Förderung der Naturwissenschaften in Europa. Zudem pflegte er einen umfangreichen Briefwechsel mit Korrespondenten in fast ganz Europa, etwa vierzig Bände des Briefwechsels sind erhalten.
Die Texte zu den in Pasta für Nachtigallen abgebildeten Vögeln stammen aus L’Uccelliera, ovvero discorso della natura e proprietà di diversi uccelli von Giovanni Pietro Olina (Roma 1622). Giovanni Pietro Olina (1585- ca.1645) war ein italienischer Naturforscher, Jurist und Theologe, vor allem bekannt durch die genannte L’Uccelliera (Voliere), ein Werk über das Fangen und Halten von Singvögeln.
Lesen wir die Texte heutzutage, mag der ein oder andere befremdet sein über damalige Gepflogenheiten. Akribisch wird nicht nur der jeweilige Vogel beschrieben, sondern auch wie mit ihm am besten zu verfahren und umzugehen ist.
Schauen wir mal nach der Lörracher Lerche, gibt es sie? Ja, da ist sie ja: „Über unsere heimische Lerche“ ist der Text überschrieben und man bekommt geraten, dass man sie bei der Aufzucht wie die Nachtigall mit zerkleinertem Herz füttern soll. Sobald sie aber ausgewachsen ist, empfiehlt sich zur Kostenersparnis auch geschälter Weizen, Dinkel, Hafer, Mischkost und Hirse. Und dann folgt eine Beschreibung des Lerchengesangs, der mit seinen Trillern, Rouladen (Trällern) und Diminuendi entzückt.
Dass Nachtigallen auch mit zerkleinertem (Ochsen-) Herz gefüttert werden sollen, wissen wir jetzt ja schon, aber was hat es mit dem Titel des Buches auf sich? Aha, hier steht es: kleine Pastakörner sollen die Ernährung der älteren Exemplare ergänzen, und auf einer ganzen Seite findet sich die Anleitung zur Herstellung von Pasta als Futter für die Nachtigall, komplettiert auf der korrespondierenden Seite durch die Wiedergabe eines Stiches aus Olinas Uccelliera: Das Abwiegen, Sieben und Kochen von Pasta, um Nachtigallen damit zu füttern.
Auf den nächsten Seiten folgt die ausführliche Beratung, „Wie man die Nachtigall zum Singen ermuntert“ und das gelingt nicht allein durch Nahrungsergänzung um gemahlene Pinienkerne und Safranfäden, sondern unter aktiver Beteiligung der Vogelhalter und Vogelhalterinnen: „Veranstaltet man in dem Raum, in dem die Nachtigall gehalten wird, ein liebliches Konzert aus Klängen oder Stimmen, regt sie Selbiges ganz wundervoll zum Singen an.“
Tja, was würde wohl Denis Scheck dazu sagen, der gerade in ‚druckfrisch‘ (13.09.2026) Das Buch der Vögel (von Robert Macfarlane, Illustrationen Jackie Morris, Übersetzung Daniela Seel) empfohlen hat?
(Pasta für Nachtigallen. Ein Handbuch über Vogelpflege aus dem 17.Jahrhundert. Vorwort von Helen Macdonald. Deutsche Ausgabe Gerstenberg-Verlag, Hildesheim 2018, 133 S.)











