Zwischen Schauern oder Spaziergang 9

(Spaziergang 8 siehe Blogeintrag vom 25.September 2026)

Was gibt’s denn da Interessantes, fragt ein entfernter Nachbar, der im Begriff ist, mich hügelan zu überholen, während ich mit gezücktem Smartphone über eine Böschung gebeugt stehe. Lauter kleine Schnecken, schauen Sie mal, hier und hier und hier. Ich weiß nicht wie sie heißen, dafür schicke ich gleich Google Lens auf die Suche, meist antwortet da jetzt rasch die KI und in diesen Fällen lasse ich sie auch. – Ach ja, der Nachbar lacht ein wenig unsicher, er hatte die Schnecklein nicht bemerkt. Ja, Weinbergschnecken sind es nicht, sagt er noch, bevor er seinen Marsch fortsetzt. Ich hingegen verweile und betrachte den Glanz der an Halmen aufgereihten hellen Perlen. Eine der glatten Grasschnecken plumpst prompt herunter, als sich das Smartphone fotografisch nähert – wie hat sie das gemerkt? Der Nachbar kommt mir schon wieder entgegen, als ich meinen Gang hügelan fortsetze. Nun bin ich am Brunnen im Gewann Petris, braunes Herbstlaub schwimmt im Becken und auch der Boden vorm steinernen Trog ist damit gepflastert, dazwischen leuchten Ahornblätter so gelb, als hätte man kräftige Strahlenkränze gestreut. Ahornflügel aber fliegen nicht mehr libellengleich, Regen hat sie zu Boden gebracht, an dem haften sie nun. Wie immer biege ich nach dem Brunnen links auf den Wiesenpfad ein, Wurzelwerk ragt glitschig hervor, zwischen dem Grün, Braun und Gelb gefallener Blätter taucht mit akzelerierendem Rhythmus Rot auf: es hat Hagebutten gehagelt. Unwillkürlich beginnt eine Stimme zu singen: Ein Männlein steht im Walde, ganz still und stumm, es hat von lauter Purpur ein Mäntlein um. Sagt, wer mag das Männlein sein, das da steht im Wald allein mit dem purpurroten Mäntelein? Hab‘ ich jetzt laut gesungen? Ich glaube nicht. Sei’s drum, außer der dichten Efeuhecke links und dem wilden Gestrüpp rechts gäbe es eh keine Zuhörer und nur der Wind würde einstimmen. Plötzlich strahlen mitten im herbstfahlen Einerlei der Streuobstwiese Sterne, Jakobs-Greiskraut behauptet hoch erhoben seine Farbe. Bald bin ich an der Treppe angelangt, die hinauf zum Kirchlein führt, auf feuchtem Grund des Pfads nun keine Hagebutten mehr, der Fuß stößt an größere Ovale, Mini-Melanzane, Auberginen, denke ich, aber natürlich sind das Walnüsse, matschig und schrumplig. Ich nehme die Stufen, wieviele sind es, noch nie habe ich sie gezählt, ein Astauge am Holzgeländer links hat sich einen üppigen Wimpernkranz zugelegt, Nässe war die Mascara.  Auf dem Kies des Kirchenvorplatzes glänzen Kastanien, keine Kinderschar sammelt heute, die alte Holzbank ist verwaist, niemand raucht, und wo Mitte Oktober der Gipfel des Titlis den Horizont krönte, sitzen nun satt die Wolken. Himmelblau im Kies ein einzelner Kronkorken, auf ihm weist ein Pfeil die Richtung, schneeweiß. Ein Pfeil? Ich google das Zeichen, ein Ankersymbol soll es sein, jemand hat hier eine Flasche Elephant Bay Blueberry Ice Tea geöffnet. Ich öffne die Tür des Bergkirchleins, lautes Knarren im Geäst hat mich vom Standort unterm Kastanienbaum vertrieben, kräftiger Wind hatte leichtes Spiel mit müdem Baumlaub, Blätterspreu auch auf dem roten Fußläufer von St.Ottilien, keine bunten Reflexe an der Wand, aber auf dem Altartisch eine Vase mit Dahlien, kraftvoll das Pink und Orange. Im Besucherbuch neue Zeilen, jetzt jedoch bin ich allein und sammle Stille und Texte. Die Frakturschrift der alten Bibel zeigt Ev. Matthäi 9, es geht um den Gichtbrüchigen und das Töchterchen des Jairus, oben auf der Seite handschriftliche Bleistiftnotizen, ärgerlich kann ich lesen, was aber den Ärger entfacht, nicht entziffern. Auf der Sandsteintafel an der Chorwand ist der Prolog des Johannesevangeliums eingemeißelt, Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott…, und ich höre die Worte auf Griechisch, obwohl ich das doch kaum kann, spät erst habe ich ein wenig Koiné gelernt an der Schule der Kinder. Sprich du erneut zu mir und weise mir den Weg! Deinem Wort vertraue ich mich an, auch wenn es ein tiefes Geheimnis bleibt, Aurelius Augustinus manifestiert das 400 nach Christus und im ausliegenden Heft Zum Innehalten und Huub Oosterhuis bittet im zwanzigsten Jahrhundert Leg mein Gesicht frei, mach mich schön. Wer sich entlarvt sieht, wird gefunden und wird ganz neu sich selbst verstehn, wird leben, offen, unumwunden und nirgends hin verloren gehn. Leg mein Gesicht frei, mach mich schön. Mein Gesicht werde ich nun wieder dem Wind entgegenhalten, den Weg kenne ich schon, nicht aber die Eicheln, die auf ihm liegen, zwei Fundstücke lasse ich in der Jackentasche verschwinden. Unter Brombeergestrüpp lugen alte Zaunrauten hervor, sie leben mit Flechten und Moospolstern in Symbiose. Auf der Höhe kommt mir endlich jemand entgegen, ein Ehepaar, wir grüßen, die Frau zerrt das wollweiße Hundeexemplar von etwas weg. Die Dürrbaumskulptur hat ihren Rindenmantel verloren, auf freiem Feld wird mir nun kalt, der Wind greift ungehindert an, Saatkrähen fliegen unter lautem Gekrächze auf und ich beeile mich, hügelabwärts zu kommen. Es beginnt wieder zu regnen, die erblondeten Rebstöcke zur Linken beschirmen mich nicht, nur der helle Regenhut, der mir mit seinem Fleecefutter die Stirn wärmt. Jetzt wende ich mich von der Westrichtung ab, bald wird der Spaziergang ein Ende haben, ein Kleinwagen kommt auf dem Feldweg gefahren, parkt in einer Bucht, die junge Frau eilt zu einem Schuppen, wo die Freundin schon wartet, und der schwarze Hund, vor dem das Schild am Gartentor warnt, bellt seine Freude über den ganzen Hügel.

(Foto: 24.Okt.2026)

Einundzwanzigster Sonntag nach Trinitatis

Für den heutigen Sonntag wurde in Herrnhut der Vers 4 aus Psalm 63 als Tageslosung gezogen:

Denn deine Gnade ist besser als Leben. Meine Lippen werden dich rühmen.

Dazu wurde aus dem Neuen Testament ausgesucht: 1.Kap.Kolosserbrief, Vers 13:

Er hat uns gerettet aus der Macht der Finsternis und versetzt in das Reich des Sohnes seiner Liebe.

(Zitate nach der Elberfelder Übersetzung)

Den sogenannten dritten Text der Herrnhuter Losungen bilden heute zwei Sätze von Ernesto Cardenal/Anneliese Schwarzer de Ruiz:

Wir sind noch nicht im Festsaal angelangt, aber wir sind eingeladen. Wir sehen schon die Lichter und hören die Musik.

Ruth Asawa in der Fondation Beyeler

Im vorletzten Saal sind auf fein kleinkariertem Papier die präzis schwarzgetuscht wiedergegebenen fächerförmigen Blätter dreier Zweige eines Gingko zu sehen, das Motiv weist über den Blattrand hinaus, als wolle es aus dem Renzo Piano-Bau hinüberwachsen zu seinem grünen Bruder, der den Wyss-Bau überragt. Das botanische Prinzip der Variation bringe Ruth Asawa zur Anschauung in den vielgestaltigen Silhouetten der in alle Richtungen wachsenden Blätter, heißt es im Begleitheftchen, gleichzeitig aber würde auch ihre Faszination für Symmetrie in der Pflanzenwelt sichtbar. Aufs Wesentliche beschränkt ist die Darstellung. Reduktion, Konzentration und repetitive Muster charakterisieren fast alle der über 200 ausgestellten Werke aus sämtlichen Phasen der sechs Jahrzehnte dauernden künstlerischen Tätigkeit von Ruth Asawa (1926-2013), ebenso das Arbeiten mit einfachem, alltäglichem Material, aus dem sie Einzigartiges schuf. Staunt man in den ersten Sälen über stark geometrisch-symmetrische dreidimensionale, aus getuschtem Papier gefertigte Skulpturen (als Kind eines in die USA eingewanderten japanischen Ehepaares hatte Asawa sich sowohl mit Kalligraphie als auch mit Origami befasst), so gerät man im dritten Saal mit den luftig-lichten Drahtschlaufenskulpturen in eine schwebende Leichtigkeit. Das Drahtkorbflechten hatte Asawa von Dorfbewohnern in Mexiko gelernt, ihre Technik dann immer weiter ausgefeilt. Es entstanden filigrane Gebilde aus herkömmlichem Eisen-, Messing- und Kupferdraht, die Raum sowohl umschließen wie offen lassen. Ein Schwarzweißfoto der befreundeten Fotografin Imogen Cunningham zeigt Ruth Asawa kniend, im Inneren einer Drahtschlaufenskulptur arbeitend, Oberkörper, Kopf und Hände komplett vom Gebilde umgeben, an der Wand ein Banner mit großen japanischen Schriftzeichen. „An artist is not special. An artist is an ordinary person who can take ordinary things and make them special” hat Ruth Asawa 2006 gesagt, für sie waren Kunst und Leben eins, das Wohnhaus gewährte befreundeten KünstlerInnen und deren Werken genauso Raum wie den sechs Kindern samt deren Arbeiten (seit 1949, nachdem in Kalifornien das Gesetz gegen Mischehen aufgehoben wurde, war Asawa mit dem Architekten Albert Lanier verheiratet). Und wo landet man in Saal 8, in so etwas wie einer Baumschule? Jedenfalls schulte die Künstlerin Auge und Hände an Baum- und Pflanzenstrukturen der Natur und folgte nun mit Drähten und gebündelten Strängen verästelten Grundsätzen pflanzlichen Wachstums. Der eigene Garten geriet der Künstlerin bei fortschreitendem Alter und durch eine Autoimmunerkrankung zwar beeinträchtigt, aber im Schaffensdrang ungebremst, zu einer immer wichtiger werdenden Inspirationsquelle, so trifft man beim Verlassen von Saal 8 auf die getuschten Gingkoblätter und in Saal 9 auf ein aquarelliertes Kirschensemble, das die umgebende Glasschale nur durch seine Zusammenballung erahnen lässt, wie auch auf reduzierte Tuschzeichnungen von Blumen. Bereits während ihrer Ausbildung am Black Mountain College (North Carolina), das seinen StudentInnen viel Freiraum ließ, hatte Asawa ihrem Lehrer Josef Albers (1888-1976) gegenüber geäußert, dass sie gerne Blumen malen wolle. „Gut“, antwortete dieser, „achte darauf, dass es Asawa-Blumen sind.“

(Die Ausstellung ‚Ruth Asawa‘ ist im Renzo-Piano-Bau der Fondation Beyeler, Riehen, noch zu sehen bis 10.01.2027; Foto oben: Untitled, gestempelte Tusche auf Papier, Privatsammlung, Buchstaben BMC für Black Mountain College, BMC Laundry Stamp, um 1948/49 – für mich ist es ein Buchstabenvorhang)

Wie liest wer was von Goethe

(drei Personen lesen Goethe – ad hoc Schreibaufgabe in der Schreibschule Sent am 4.Oktober 2026; der kleine Text enthält nicht nur Goethe-Zitat-Fetzen)

Lilli zu Hans: Komm, Hans, ich zeig dir mein neues Insel-Buch Goethes Elefanten. Ich kannte es bisher nicht und heute hat es mir den Tag erhellt. Also echt, ich esse die Zeilen, es ist ein einziger Genuss, jedes Wort zergeht mir auf der Zunge. Neue Sätze von meinem Goethe – ich könnte sie grad singen!

Hans zu Lilli: Ach du immer mit deiner Schwärmerei, ist doch gar nicht mehr angebracht in deinem Alter, ich kann dir nicht folgen und ihm, dem Herrn Geheimrat, schon gleich gar nicht. Dieses ewige Liebesgetue und die Beschwörung schöner Körper – das war einmal. Und dann die unsäglichen Verschmelzungsgedanken „kanntest jeden Zug in meinem Wesen, konntest mich mit einem Blicke lesen“ – tja, dahin ist’s, dahin.

Gretchen (vor sich hin singend): ich weiß nicht, was soll es bedeuten, dass ich so einsam bin, ein Märchen aus uralten Zeiten, das verwirrt mir Auge und Sinn. Ich lese von sanften Winden, von goldenem Glühn im Laub, doch wo soll ich solch Land finden, man hat es mir geraubt. Es lacht der Mai, der Wald ist frei von Eis- und Reifgehänge, am grünen Ort erschallen Lustgesänge, die Flamme lodre durch den Rauch – ich komme auch, ich komme auch …

(Goethes Elefanten ist in Wahrheit kein Buch von, sondern über Goethe und seine Studien zu Elefanten, die er betrieb, weil er 1784 eine bedeutsame anatomische Entdeckung gemacht hatte. Oliver Matuschek hat das, natürlich garniert mit Goethe-Zitaten, im Insel-Bücherei Band Nr.1489 zusammengestellt und auf dem roséfarbenen Cover marschiert eine ganze Herde Elefanten – wobei, eigentlich ist es der immer gleiche, mal rechts herum, mal links herum geht er wie in Zeilen. Insel-Verlag Berlin 2020)

(Foto: Hauseingang in Sent, 4.Okt.2026)

Gedenktag der Hl.Ursula

Der 21.Oktober gilt als solcher. Wahrscheinlich hat es die Person, an die der Tag erinnert, historisch so nicht gegeben. Die Legende um die aus romanisch-britischem Adelsgeschlecht stammende Königstochter ist aber sehr bekannt, zahlreiche Kirchen und Schulen tragen Ursulas Namen, in vielen Kunstwerken sind Ursula und ihre Geschichte festgehalten. Mich interessieren solche Legendenbildungen sehr, zumal die der Hl.Ursula auch verknüpft ist mit hiesigen Legenden um die Hl.Chrischona, Margaretha und Ottilia.

Auch Bauernregeln ranken sich um den Gedenktag:

Zu Ursula muss das Kraut herein, sonst wird’s noch lange draußen sein.

Oder:

Lacht Ursula mit Sonnenschein, wird wenig Schnee vorm Christfest sein

Oder:

An Ursula muss das Kraut herein, sonst schneien Simon und Judas (28. Oktober) drein.

Oder:

Sankt Ursula will uns sagen, bald könnt das Feld Schnee tragen.

(naja, sieht gerade nicht nach Sonnenschein aus, dann also eher Schnee)

Weiteres zur Ursula-Legende siehe Blogeintrag vom 26.August 2026: Im Augustinermuseum 2

(Foto: St.Ottilien, Obertüllingen am 12.Okt.2026)

Wenn der Töne Zauber walten 4

Wenn der Töne Zauber im wirklich gelungenen und sehr gut besuchten Konzert (dessen Klangwelten noch in einem nachhallen) walten, dann walten sie noch lange nicht bei den RezensentInnen. Wie es vielen in den verschiedenen Künsten Tätigen geschieht, werden ihre Aktivitäten nicht unbedingt angemessen in Presse und sonstigen Medien bedacht. So waren wohl entsprechend Kundige einer regionalen Tageszeitung am Sonntag, 18.Oktober zum (nachgeholten) Konzert von Martha Argerich und Jura Margulis ins Freiburger Konzerthaus beordert und niemand mehr übrig für das zweite Jubiläumskonzert des Motettenchores im Lörracher Burghof. Die zweite regionale Zeitung schickte jemanden, der Artikel begeistert sich über ein triumphales Jubiläum voller Mystik und Dynamik, den geschichtsträchtigen und zugleich zutiefst lebendigen Abend, über den Klangkörper von beachtlicher Reife und künstlerischer Strahlkraft, über den Meilenstein der regionalen Kulturpflege, über den genialen, fast schon kühnen Schachzug der Programmgestaltung, über die kollektive Atemlosigkeit des Publikums. Als Klanggemälde gewürdigt wird das Auftragswerk Walignis der jungen Komponistin Elisabeth Fußeder, die Sicht- und Hörbarkeit des Frühlings im Spiel des Orchesters, die Leistung der SolistInnen, das hochgradig aufmerksame, virtuose, bescheidene Spiel des Pianisten Hansjacob Staemmler (u.a. Dozent an der Musikhochschule Freiburg, Hochschule für Musik Karlsruhe, Musikhochschule Frankfurt a.M.), die rundum herausragende Gesamtleistung aller Beteiligten. In den Artikel haben sich allerdings einige Irrtümer eingeschlichen, schade. Es bleibt dennoch die ungetrübte Eigenfreude am Konzerterlebnis!

Wer mag, kann heute um 18 Uhr zum Rundgang durch die noch bis zum 8.November dauernde Ausstellung 100 Jahre Motettenchor in den Hebelsaal des Dreiländermuseums Lörrach kommen, ich habe ein bisschen etwas zum Erzählen zusammengestellt.

Nebelgedanken

I

Auf meinem Hügel wohnt heute der Nebel, als reiche ihm der Raum des Himmels nicht. Der Herbst hat sich niedergelassen und es ist, als käme er endlich heim. In den Rebstöcken taucht die Erinnerung an gedämpfte Laubtöne auf, noch etwas zögerlich lassen sie vom kräftigen Grün ab. Dabei haben sie ihre Trauben schon längst hergegeben und den Winzern anvertraut. Die vier mächtigen Platanen haben sommerlicher Trockenheit getrotzt und an vielen Blättern festgehalten. Ihr Herzwurzelsystem befähigt sie dazu. Jetzt empfangen sie die fisselige Feuchtigkeit mit jeder Pore und sind besänftigt.

II

Auf den Videos der Wetter-Webcams sehe ich den Himmel bei Scuol: Schleierwolken dämpfen das Blau, aber die Sonne wirkt noch kräftig. Ich erinnere mich an die Ankunft in der Staziun Scuol-Tarasp (die s klingen wie sch) und an die Elfchen zur Ankunft im ersten Kurstag:

Signalrot

in Landquart

die Rhätische Bahn

ohne Zweifel nun weiter

Allegra!

Engadinerblau

in Scuol

empfängt es dich

am Himmel eine Wolke

federleicht

Zwanzigster Sonntag nach Trinitatis

In die 43.Kalenderwoche schickt das Herrnhuter Losungsbüchlein seine Leserinnen und Leser mit einem Vers, der im 6.Kapitel des Buches „Der Prophet Micha“ steht. Micha war ein Zeitgenosse von Jesaja, seine Lebensdaten werden mit 740 v.Chr. bis 670 v.Chr. angegeben:

Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert: nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.

Die Elberfelder Bibelausgabe teilt diesen 8.Vers aus Kap.6 in Aussage und Anfrage:

Man hat dir mitgeteilt, Mensch, was gut ist. Und was fordert der HERR von dir, als Recht zu üben und Güte zu lieben und bescheiden zu gehen mit deinem Gott?

In der Einheitsübersetzung liest sich der Vers so:

Es ist dir gesagt worden, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir erwartet: Nichts anderes als dies: Recht tun, Güte und Treue lieben, in Ehrfurcht den Weg gehen mit deinem Gott.

Wenn der Töne Zauber walten 3

(siehe auch Blogeintrag vom 21.September 2026)

Es ist soweit!

Das zweite Jubiläumskonzert zum 100-jährigen Bestehen des Motettenchores Lörrach steht bevor. Das Zitat aus Beethovens Chorfantasie führe direkt zur allumfassenden und menschenverbindenden Freude an der Musik, schreibt Dr. Georg Müller, der Vorsitzende des Chores, in seinem Grußwort im Programmheft. Und die Landrätin Marion Dammann meint, der Motettenchor könne selbstbewusst auf seine 100-jährige Geschichte zurückblicken und das Dreiländereck sich glücklich schätzen, ein so hochkarätiges Chorensemble zu haben. Von Brücken schlagen zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Tradition und Erneuerung, Musik und Menschen, schreibt Jörg Lutz, der Lörracher Oberbürgermeister. Dann hoffen wir mal, dass wir im Konzert am Sonntag, den 18.Oktober 2026 um 18 Uhr im Burghof Lörrach nicht nur diesen Worten gerecht werden, sondern vor allem den Kompositionen von Johannes Brahms (1833-1897), Ludwig van Beethoven (1770-1827), Elisabeth Fußeder (geb.2000) und Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847). Die Freude an der Musik ist bei den etwa 60 Sängerinnen und Sängern auf jeden Fall da, und nun, wo sich alles zusammenfügt mit Orchester und Solisten, noch einmal gesteigert.

Wie sie sich ihr Klangrepertoire aufbaue, wurde die junge Komponistin Fußeder (die oft für Chöre komponiert und selbst auch Sängerin ist, eine Rarität im deutschen Raum) am Mittwochabend in einem Gespräch mit dem Dirigenten Joss Reinicke gefragt. Die Antwort: manchmal ist der Klang, der sich über den Text legt, schon da, manchmal aber auch noch ganz diffus und unscharf, als sei man gerade aus einem Traum erwacht, noch in der Traumstimmung gefangen, dann müsse man ihn suchen.

Freuen wir uns also darauf, dass morgen der Töne Zauber walten!