Den Baum des Lebens kennen wir aus biblischen Zusammenhängen, in der Genesis taucht er auf: Und Gott der HERR pflanzte einen Garten in Eden im Osten, und er setzte dorthin den Menschen, den er gebildet hatte. Und Gott, der HERR, ließ aus dem Erdboden allerlei Bäume wachsen, begehrenswert anzusehen und gut zur Nahrung, und den Baum des Lebens in der Mitte des Gartens, und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen (Gen.2,8-10) und – nachdem in Genesis 3 die Schwierigkeiten mit dem Baum des Lebens ihren langen Lauf nehmen – schreibt der Johannes der Offenbarung, was ihm zu hören gegeben wurde: Wer überwindet, dem werde ich zu essen geben von dem Baum des Lebens, welcher in dem Paradies Gottes ist (Off.2,7).
„Vom Baum des Lebens“ ist der Titel des Insel-Bücherei-Bandes 454, der ausgewählte Hesse-Gedichte versammelt, auf Seite 10 einer alten Ausgabe findet sich das Gedicht Die Zypressen von San Clemente aus dem Jahr 1901, Hermann Hesse lässt als lyrisches Ich die Zypressen selbst sprechen, die viel sehen an Werden und Vergehen „Wir biegen flammend schlanke Wipfel im Wind,/ Wir schauen Gärten, welche voll Frauen sind/ Und voll Spiel und Gelächter…“, „Wir sehen Täler und sehen silberne Weiten,/ Wo Menschen sich freuen, müde werden und leiden, …“ Am Ende warten die Zypressen selbst und leise, „…Ob der Tod uns erreiche oder vorüberreise.“
Ein Saaltext in der Ausstellung der Kunsthalle Messmer in Riegel ist dem „Baum bei Hermann Hesse“ gewidmet, Themen wie Selbstfindung und Selbstwerdung sieht Hesse im Baum verkörpert, u.a. deswegen, weil der Baum Erde und Himmel verbindet, mit festen Wurzeln in der Erde streckt er seine Äste dem Himmel entgegen, ein „Individuum…, das danach strebt, sich möglichst vollständig zu entwickeln und seine Potentiale gemäß seinem inneren Gesetz zu entfalten.“ Die eindringlichsten Prediger seien Bäume für ihn immer gewesen, schreibt Hermman Hesse in einem Text.
Auf sehr vielen der Aquarelle und Federzeichnungen, die zumeist aus der Kunststiftung der Sparkasse Pforzheim Calw stammen, sind denn auch Bäume ein Motiv oder Begleiter des Motivs. Einen Brief im Jahr 1958 an Carl Schnoeckel beginnt Hesse mit einer wunderschön einfachen aquarellierten Zeichnung, die einen einzelstehenden Baum vor einer See- und Bergkulisse zeigt (Baum im Tessin), der Brieftext gibt „sonderbar gemischten Gefühlen“ Ausdruck über das Angebot des Empfängers, Hesse „mit Papier zu beschenken“. Einen „Papier-Mäzen“ habe er sich früher hundertmal gewünscht. „Aber, wie es bei Goethe steht, erfüllen die glühendsten Jugendwünsche sich dann im Alter, zu spät.“ Denn die vorhandenen Papiervorräte sieht Hesse als über sein Lebensende hinaus reichend an. Seinem (ablehnenden) Dank fügt Hesse aber doch noch seine Präferenzen an: „Aquarelliert habe ich früher am liebsten auf italienisches Ingres, und das schönste zum Malen wie zum Schreiben gleich gute war ein starkes, eher glattes Whatman.“

Hesse-Sammlung Martin Pfeifer / Hermann Hesse https://share.google/parHd4tSpzxxlSqlQ











