Nachdem wir die inwendigen Au’s verlassen haben, zielen wir wieder zu solchen (W)Orten, die sich gleich vorne mit dem Au schmücken. Zuvor aber müssen wir uns an anderen Freuden gütlich tun und da wir uns in der Bächle-Stadt befinden, speisen wir Badisches Dreierlei: Brägele, Bibeleskäs und – oh, da hat die alemannische Lautverschiebung stattgefunden – nicht Burst-, sondern Wurstsalat. Damit sind wir gestärkt genug, um das endlich baustellenbefreite Augustinermuseum anzusteuern. Die Sanierung des geschichtsträchtigen Museums hatte eine fast Stuttgart21-hafte Entwicklung genommen, aber nun ist es endlich wieder frei, vollständig und mit neuen „Highlights“ zugänglich. Wir wollen heute nicht das gesamte Museum durchlaufen, sondern wenige Dinge in Augenschein nehmen. Als erstes den mittelalterlichen Kreuzgang. Der Stille ausstrahlt, obwohl sich in seinem Umgang auf einer Seite die Schließfächer befinden und auf zwei anderen kleine Tische des Museumscafés, das nun in einem Seitenraum ansässig ist. Über den Spitzbogenfenstern rankt Blattgrün und die Waben der Butzenscheiben gewähren Durchsicht in den rechteckigen Innenhof. In dessen Mitte schickt ein in den Boden eingelassener Brunnen seine bescheidene Fontäne Richtung Himmel, während er aus diesem am Regentag lauter muntere Tropfen empfängt. Wir gehen weiter in die „Kirche“, ein Raum, der auch in den letzten Jahren immer geöffnet war und den wir kennen. Wir wollen also seine Exponate wiedersehen, wir hören, wie andere Besucher beim Eintreten beeindruckt sind von der Raumhöhe und den übermannsgroßen, teils grimmig schauenden Sandsteinfiguren der Propheten, die früher einmal am Münsterturm ihren Platz hatten, genau wie die Scheinwasserspeier, die nun hier von weit oben auf uns zum Glück nicht speien, nur blicken. Wir richten unser Augenmerk auf eine oberrheinische Pappelholzskulptur aus dem 14.Jahrhundert: Christus auf dem Esel oder „Palmesel“. Der ursprünglich zur Figur gehörende Wagen ist nicht mehr vorhanden und auch sonst ist die Figur stark beschädigt. Überall hat sie Löcher oder gar Amputationen, die Bemalung ist verblasst. Gerade deswegen beeindruckt uns die Holzskulptur so. Es ist, als ob bereits der Augenblick der Hosanna-Rufe, von dem alle vier Evangelisten erzählen, das kommende Kreuzweg– und Kreuzestodgeschehen in sich trägt. Und im Gesicht des Pappelholzjesus aus Oberrotweil ist das auch zu lesen.
(Fortsetzung folgt)
(zum Augustinermuseum siehe auch Blogeintrag vom 2 September 2025)










