
Die Fondation Beyeler scheut sich nicht, ihr Areal immer wieder bespielen zu lassen, und das nicht nur am Familientag, auf dem Erzählteppich oder beim sommerlichen Sound Garden. „Leichter, freier und mit einem Hauch von Humor“ wünscht sie sich eine „neue Art des Sehens“ . Der 1. Mai scheint geeignet für den „spielerischen Geist von Maurizio Cattelan“: Cezannes Badende sollen aus Rahmen und Zeiten heraustreten und die BesucherInnen in sie hinein oder so ähnlich, jedenfalls sollen sich Grenzen zwischen Exponaten und Betrachtenden verflüssigen.
Das muss ich doch unbedingt erleben, in der Rolle einer stillen Beobachterin, mein Museumspass gewährt mir ja nicht nur das erfreute Willkommen des Kontrolleurs (lilagetönte Brillengläser mustern und lächeln), sondern auch ohnehin und in jedem Outfit den ausgelobten freien Eintritt. Den nämlich sollen zudem jene erhalten, die die Ausstellung an diesem Tag in Badekleidung betreten. Was bedeutet, dass dem vollständigen Ineinanderfließen der Badeszenen doch Grenzen gesetzt sind, denn bar jeglicher Kleidung soll man nicht durch Räume und unter Bäumen flanieren. Petrus oder die Wettergötter sind von der Idee offenbar begeistert und unterstützen das Vorhaben kräftig. Und so gehen, sitzen, liegen, stehen tatsächlich Badeanzüge, Bikinis und Badeshorts, Adiletten, Strohhüte, Sonnenbrillen, Handtücher und Bademäntel (figur- und altersvariiert) zwischen Gemälden und Vollkleidungs-Gewändern (sportiv bis hochelegant) oder in den Grünrotbraunsymphonien des Parks, bewegen sich entspannt oder üben sich als Statuen.
Im Park füge ich mich sitzend und lesend in die Szenerie ein, der Teich wirft sein Lichtspiel auf den Porphyr der Gebäudesäulen, europäischer Sprachenmix rieselt dezent als Hintergrundmusik, nur kurz fällt ein Bimmeln der Tram hinein, offenbar gibt es noch eine Welt da draußen, nah und – mag sein – auch fern, denn durchs nicht nachlassende Himmelsblau ziehen unaufhörlich lange weiße Streifen, von winzigen silbrig glänzenden Punkten angeführt. Aber dort hinten, im Gartenpavillon, im Gegenlicht, mit wohlgefälligem Blick, ist das nicht Monsieur Cezanne? Inkognito?

(Cezanne. Fondation Beyeler, CH-Riehen, noch bis 25.Mai 2026)
