Ricordi d’infanzia 2

O-Ton Reisetagebuch Osterferien 1975

(eigentlich war ich bereits 16 Jahre alt, der Ton klingt aber noch sehr nach infanzia)

Ich zitiere von Sonntag, den 23.III.’75:

Unser erstes Frühstück in der Küche der Casa Palma war sehr fein. Nachdem wir uns so gestärkt hatten, gingen wir zu Fuß in den bekannten Kurort Gardone Riviera…Wir spazierten durch schöne enge Gässchen, über einen schönen kleinen Platz und dann Lungolago, d.h. die herrliche Promenade am See entlang. Es ist gut, dass noch nicht so ein Betrieb ist wie im Sommer. Dann lernt man die Orte viel besser kennen, finde ich. Die Promenade ist, glaube ich, ganz auf den See gebaut, denn in bestimmten Abständen sind immer wieder Dohlen, durch die man das Wasser sieht. Durch diese Dohlen fischen auch die Einheimischen solch kleine silbrige Fische. Es sieht sich ungeheuer komisch an. Nach diesem Spaziergang gingen wir wieder in eines der kleinen Gässchen in das Ristorante des Hotel Nord. Hier wurden wir von einer Südtirolerin, die gut Deutsch sprach, freundlich bedient. Wir bestellten jeder ein Menu. Es war aber furchtbar viel, und D. und ich konnten nicht alles aufessen. Als Vorspeise aßen D. und ich Spaghetti, Mama und Papa Gemüsesuppe. Als Hauptgericht nahmen Papa, D. und ich Fleisch mit Kartoffeln, während Mama gebackene Forelle (auf Italienisch: trota) mit Kartoffeln aß. Dann folgte als Dessert Caramelpudding bzw. Obstsalat. Natürlich tranken D. und ich, wie immer in Italien, Aranciata. Oh je, waren wir satt nachher, und wir schworen uns, nie mehr ein ganzes Menu zu bestellen. Jetzt wanderten wir gemütlich wieder ‚heim‘. Hier suchten wir die Liegewiese, die im Prospekt angezeigt war. Nun, Liegewiese ist etwas übertrieben, es ist ein kleiner Platz mit mehr Steinen als Gras, aber mit einem schönen grünen Holztisch und dazugehöriger Bank, einem Sandplatz, zwei Umkleidekabinen, ein paar guten Bäumen, auf die man ein Stück weit hinaufklettern kann (besonders wichtig für D.!), und eben am See. Wir setzten uns gemütlich ein Weilchen auf die Bank, doch war es hier nicht sehr warm, weil trotz Sonnenschein ein ziemlich kalter Wind ging, was hier am Gardasee für diese Jahreszeit ungewöhnlich ist. Wir fassten einen Entschluss, über den ich mich sehr freute: wir beschlossen, nach Verona zu fahren. Um halb vier ungefähr machten wir uns auf den Weg, und auf der Autobahn waren wir ziemlich schnell in Verona angelangt. Wir fuhren in die herrliche alte Stadt hinein und parkten das Auto auf einen Platz vor der Kirche Sant‘ Anastasia. Nun gingen wir zu Fuß durch die alten Straßen und Gassen, es war wunderschön. Wie freute ich mich! Mama und ich konnten auch gut einer unserer Lieblingsbeschäftigungen nachgehen, nämlich: Leute beobachten! Unser Ziel war, die alte Arena von Verona zu sehen. Doch zuerst stärkten wir uns in einem Café an einer Piazza, die von schönen alten Häusern umstellt war, mit Cappuccino und Tee. …“

(NB.: der damals verschriftlichte Wunsch, zu einer Freilichtvorstellung im Sommer wiederzukommen, ist mir erhalten geblieben )