Menschenfreund und großer Dichter

…titelt die Badische Zeitung heute zum 200. Todestag von Johann Peter Hebel (10.Mai 1760 in Basel – 22.Sept.1826 in Schwetzingen, aufgewachsen in Hausen im Wiesental und in Basel, verwaist im Alter von 13 Jahren) und lässt Autorinnen, Theaterleute und Alemannisch-Experten über ihre liebsten Hebeltexte zu Wort kommen (Gerd Heinz, Annette Pehnt, Uli Führe, Theresia Walser). Der Wasserträger wird genannt, Unverhofftes Wiedersehen (mehrfach) und die Alemannischen Gedichte, die Uli Führe zu Liedern verarbeitete.

Bei einer Veranstaltung des Hebelbunds Lörrach habe ich einmal mehrere Schriften mitgenommen über Gespräche oder Vorträge beim „Schatzkästlein“, darunter die des am 16.Mai 1992 gehaltenen Festvortrages Johann Peter Hebel in der östlichen und postmodernen Sicht von Prof. Yasumitsu Kinoshita, Kyoto, die so beginnt: „Meine Damen und Herren, liebe Hebelfreundinnen und -freunde! Es ist für mich eine große Freude und Ehre, aber zugleich, scheint’s mir, fast ein unglaubliches, verwegenes Vornehmen, dass ich, ein Japaner, mir erlaube, vor Ihnen, den christlichen Deutschen, über Johann Peter Hebel, Ihren geistigen Ahnherrn und Schutzgeist zu reden.“ Der japanische Germanist (geb.1947) war 1992 mit dem Hebeldank ausgezeichnet worden, er hatte einige Werke Hebels ins Japanische übersetzt (während seines Germanistikstudiums hatte er sich zunächst überwiegend mit Leben und Werk Goethes auseinandergesetzt). Seinen Dank für die Auszeichnung beschließt er mit einer Würdigung seiner Mutter, einer Würdigung der Mütter allgemein: „ich möchte diese Ehre und Freude mit meiner verstorbenen Mutter teilen, weil ich ihr zu verdanken habe, was ich bin, so wie auch Johann Peter Hebel seiner Mutter zeitlebens in Dankbarkeit gedacht hat. Ich gestehe hier, dass ich mich bei der Übersetzung der Erzählung ‚Die gute Mutter‘ an meine liebe, verstorbene Mutter erinnert habe. Ja, die Mutter ist, so glaube ich, der Urquell der Liebe und des Friedens.“

Und ich gestehe, dass ich erst begonnen habe, mich mehr mit Johann Peter Hebel zu befassen, obwohl er immer präsent war, unter anderem deswegen, weil ich bis zu meinem zwölften Lebensjahr in einer Hebelstraße gewohnt habe, bevor mein Zuhause dann bis zum neunzehnten Lebensjahr in einer Goethestraße lag.

Ein Hebeldenkmal steht zentral im Lörracher Hebelpark, es ist ein überlebensgroßes, naturalistisch gestaltetes Standbild des Schriftstellers, evangelischen Geistlichen und Lehrers. Vor der Basler Peterskirche ist Hebel als Büste aufgestellt, „gestiftet von Verehrern Hebels in Basel 1899“. Dort hat man im Gedenkjahr eine auffällige orangefarbene Konstruktion aus Rohren und Trichtern aufgebaut, unter dem Motto „Hebel spricht“ ertönen auf Knopfdruck Hebels Texte (aber nur Mo- Sa von 8-22 Uhr und So von 10-18 Uhr). Zudem beleuchten auf ebenfalls knalligem Orange Tafeln sein Leben und Wirken, ein „Hebel-ABC“ kümmert sich von A bis Z um seine Themen. Da gibt es doch tatsächlich auch etwas zum Ypsilon: dass nämlich Hebel in seiner Kalendergeschichte Kannitverstan einen Schauplatz mit dem ungewöhnlichen Namen Ypsilon einführt.

Das Biotop von Hebels Geschichten sei nicht nur das Wiesental, sondern die Weltkugel, meint der Schweizer Schriftsteller, Kabarettist und Liedermacher Franz Hohler und Johann Wolfgang von Goethe empfahl : „Einen solchen Dichter muss man im Original lesen! Dann muss man halt diese Sprache lernen!“

(Allen, die des Alemannischen nicht mächtig sind, kann man zum Beispiel die Reclam-Ausgabe der Alemannischen Gedichte ans Herz legen, sie enthält neben dem Originaltext eine 1969 revidierte hochdeutsche Übertragung von Richard Gäng; Reclams Universalbibliothek Nr.8294, wahrscheinlich nur noch antiquarisch zu erwerben).

Und nun habe ich schon Vorfreude auf die Lesung mit Arnold Stadler (geb.1954, Hebelpreisträger 2010) in der Reihe „Literarische Begegnungen“ des Hebelbunds Lörrach am 27.September im Dreiländermuseum Lörrach!