Spinnentiere – Arachnida

Gliederfüßer sind es (Arthropoda) mit über 110.000 bekannten Arten, sie haben vier Paar Laufbeine, das ist, was sie als Spinnentiere von den Insekten unterscheidet. Da zählen wir doch gleich mal nach, ob das Spinnentier im Iselin-Weber-Park auch vier Paar Laufbeine hat. Hat es, Louise Bourgeois (1911-2010) hat ihre Maman (Bronzeguss 1999) korrekt damit versehen, auch wenn sich die vier Paar Beine hier nur durch Perspektiven und Spiegelungen bewegen, ansonsten aber fest in der Lichtung verankert sind. Wie die Maman-Geschwister in Bilbao und an verschiedensten anderen Orten der Welt. Mit über neun Metern Höhe und mehr als zehn Metern Tiefe ist Maman die größte Skulptur aus der Spinnenserie von Louise Bourgeois, in ihrem Bauchbeutel beherbergt sie Marmoreier. Die Künstlerin schuf das Werk als Hommage an ihre Mutter Joséphine Bourgeois, die in Paris Tapisserien restaurierte. Das Kind Louise war zugegen, wenn alle Fäden in der Hand und das Gewebe dauernd aufmerksam im Blick gehalten wurde, wenn flinkes Flicken und ständig neue Verknüpfungen geschicktes Agieren erforderten. Den Tod der Mutter empfand die 20-jährige Louise als großen Verlust.  „Die wichtigste Person in meinem Leben war meine Mutter“ schrieb Bourgeois 1995 in Ode à ma Mère und überzog die mère in diesem Text mit vielen Eigenschaften, die ihr in einer araignée, einer Webspinne, repräsentiert schienen. Die Spinne verknüpft die Widersprüche von Schutz und Zerbrechlichkeit, von Stärke und Verletzlichkeit. Ob auch der griechisch-römische Arachne-Mythos um Geschick und Verdammnis des Webens in Bourgeois‘ Spinnentiere eingeflossen ist? Im Iselin-Weber-Park bot die Gliederfüßerin wohl eine gefragte Bühne für Gestalten des Beyeler-Balls am Abend des 31.Oktober, wie auf dem Instagram-Account des Museums bemerkt werden kann.

(Fotos: 28.Oktober 2026)