Herbstanfang

…so steht es für heute gedruckt in den Kalendern. Die zweite Tagundnachtgleiche des Jahres. Die Sonne wendet sich der Südhalbkugel zu, bis zur Wintersonnwende wird sie nun jeden Tag flacher und flacher bei uns ankommen.

Nach dem großen Sommer sind wir vom frühen Dunkeln überrascht und erblicken erstaunt erste Herbstzeitlose, sie haben das trockene Erdreich durchbrochen. Noch tanzen zitronengelbe Falter über die zarten Blüten und Sportler joggen in kurzen Hosen über den Hügel. Kaum ein Nebel wagt sich hervor, allenfalls läuft leichter Wind durch Blätter und Gräser.

Werden wir wie  Jill Barklem in Brombeerhag im Herbst sagen: Es war ein wunderschöner Herbst? Werden wir dem allzeit vergnügten Tabakraucher von Johann Peter Hebel Im Herbst beipflichten und sprechen: Chönnt denn d’Welt no besser si?/Mit sim Trübel, mit sim Wi/stärkt der Herbst mi lustig Bluet,/und mi Pfifli schmeckt so guet (Könnt‘ die Welt denn besser sein?/Mit den Trauben und dem Wein/stärkt der Herbst mein lustig Blut,/und mein Pfeiflein schmeckt so gut)?

Die Schatten länger.

Ein Wind läuft durch die Gräser.

Der Abend noch licht.

(Jill Barklem: Brombeerhag im Herbst. Aus dem Englischen von Ilse Walter. Annette Betz-Verlag, Wien-München 1981)

(Das Jahreszeitengedicht Der allzeit vergnügte Tabakraucher von Johann Peter Hebel in Alemannische Gedichte. Reclams Universalbibliothek Nr.8294, Philipp Reclam jun.,Ditzingen 2007)