Septemberluft 2

(Septemberluft 1 siehe Blogeintrag vom 18.September 2025)

Nein, ich meine nicht die Septemberluft aus dem Gedicht Die kleine Passion von Gottfried Keller (1819-1890), ich meine das Wort, das ich in den frühen Siebzigerjahren zum ersten Mal einsog, nachdem es der italienische Familienfreund ausgeatmet hatte.

Sie ist wieder da, die Septemberluft und weht Mücklein aufs Buch, Erinnerungen in Herz und Hirn, Wolken über die Himmel, Frische in den Morgen, Winzer in die Reben, Wärme in den Mittag.

Tag 245 ist heute, sagt mein Kalender, 120 bleiben noch für dieses Jahr, T 245-120, so steht es geschrieben, Sonnenaufgang 6:36, Sonnenuntergang 20:06 und gestern, T 244-121, war der Sonnenaufgang nur eine Minute früher, der Sonnenuntergang aber ganze drei Minuten später.

Septemberluft und Sonnenuntergänge färben die Himmel rosig oder feurig. Septemberluft und Cirrus oder Cumulus verlangen weiße Fläche vom klaren Blau.  

Von wundersamen Wolken weiß eine Doku-Serie der Arte-Mediathek. Von Wegen und Wolken, vom Säumen des Himmels erzählen Texte und Bilder der Ausgabe 283 von die horen.

In ältester Zeit waren die Horen Gottheiten des himmlischen Wolkenwassers, später als Töchter des Zeus göttliche Wächterinnen der Jahreszeiten, solche des Blühens (Thallo), des Wachsens (Auxo) und der Früchte (Karpo). Hinzu kamen noch Dike (Gerechtigkeit), Eunomia (Ordnung) und Eirene (Frieden). Septemberluft, Zeit der Karpo.

Über Himmelsland

wandern gleichmütig Wolken.

Noch zögert der Herbst.

(Die erwähnte Ausgabe der Zeitschrift für Literatur, Kunst und Kritik aus dem Wallstein-Verlag: Den Himmel säumen. Von Wegen und Wolken. Zusammengestellt von Andreas Erb und Christof Hamann. die horen. 66.Jahrgang. Ausgabe 283.)