Gibt es das? Man wohnt nur 15 Kilometer entfernt und war noch nie da? An diesem herrlichen Ort, der einem eine Zeitreise schenkt? Jetzt aber, jetzt ist man da: im Kommunalen Kino Kandern. Ach was, Kino – das Wort reicht nicht! Lichtspielhaus, Filmtheater – schon besser! Und in welche Zeit sackt man, schon beim Eintreten, noch bevor man in den weichen Samt salbeigrüner Sessel sinkt? Und auf die lachsrosa gepolsterte Wandverkleidung blickt? Richtig – es sind die 50er Jahre! Der historische Projektor (35mm-Kinofilmprojektor der Eugen Bauer GmbH, sagt die KI-Recherche) empfängt einem gleich rechts neben dem Eingang hinter dem smaragdgrünen Cocktailsessel, der gerne seine weißen Paspeln präsentiert und mit schräggestellten Beinen mit denen des Nierentischs füßelt. Auch taubenblaue Sessel mit knopfgesteppter Rückenlehne laden ein – aber wo bleibt die Barmusik am Flügel? Ach so, man will ja gleich einen Film sehen, da werden einem auch Takte aus dem Ständchen von Franz Schubert und aus Solveigs Lied von Edvard Grieg bannen. Zuvor aber noch ein Gang zu den Toiletten. Solche Türen kennt man doch noch aus Kindertagen, das quadratisch strukturierte, kaum transparente Ornamentglas, die langen angewinkelten Stangengriffe?! Dann hinein in den Saal und hinein in den Film, den Kopf an den salbeigrünen Samt von Sitz 11 Reihe 7 gelehnt. Man wird laut lachen, leise weinen, so wie der Großvater bibbernd turnt: „ich turne innerlich“. Auch der Film ist eine (Zeit-)Reise und ein „Gedankenbesuch“, wie der Schriftsteller und Schauspieler Joachim Meyerhoff (geb.1967) selbst zum Schreiben über seine Großeltern (die Schauspielerin Inge Birkmann, 1915-2004, der Philosoph Hermann Krings, 1913-2004) sagt. Den autobiografisch grundierten Roman aus dem Jahr 2015, auf dem der Film basiert, hat man leider noch nicht gelesen, überhaupt noch nichts gelesen von Joachim Meyerhoff – ach, diese Lücken … (→Lektüre nachholen!). Die Zeit des Abspanns reicht nicht, um aus der 136 Minuten dauernden Filmreise und dem intensiven Spiel von Senta Berger, Michael Wittenborn, Bruno Alexander und vielen weiteren (bekannten) Darstellerinnen und Darstellern aufzutauchen.

