Malheur oder Mikrodrama 4

(Mikrodrama 1,2 und 3 siehe Blog vom 16.04., 20.04. und 12.05.2026)

Noch nicht, antworte ich dem forschen Vertretungsoberarzt, der mit den Worten Sie sind Frau Bayer auf mich zustürmt und mir dann so ins Gewebe pfetzt, dass ich ihm davonspringe, was sonst gar nicht meine Art ist, heiße ich wie ich wolle. Frau Bayer, die vom Türbett, also die rechte, wird ganz still und bereitet sich schon einmal vor, damit nicht auch sie hüpfen muss, das nämlich kann sie nicht mehr so gut, sie ist schon Ü80, aber noch immer bester Dinge. Nur ausgerechnet heute sprang der Kaffee aus der Tasse und die rechte Frau Bayer musste noch einmal das fertig gepackte Köfferchen öffnen, ein frisches Shirt herausziehen und das kaffeegenässte verstauen, also weitere Malheure müssen diese Bettkante heute wirklich nicht mehr visitieren. Inzwischen bin ich dem Vertretungsoberarzt ergeben, schließlich bin ich ja froh, dass ich nicht wieder mein mageres Pfund Literaturkenntnisse in die Waagschale werfen muss, nur um ein schlichtes „s“ zu entfernen, das sich irgendwie immer in namentliche Anreden schleicht, und nur, um nach meinem Pfundswurf dann die Verwirrung zu sehen, die meinem Wir sind nicht bei Tod in Venedig und Ich heiße nicht Gustav folgt. Ein kurzer Blick auf das Bändchen, das man mir wie einem neugeborenen Kindlein ums Handgelenk geschlungen hat, bestätigt mir den Namen ohne „s“, und auch sonst stimmt alles bis hin zum Barcode, mit dem schon die ganze Person eingescannt wurde samt Blutdruck (105/78), Puls (92, warum so schnell?) und Sauerstoffsättigung (95, das passt). Auch kann der Vertretungsoberarzt ja nicht wissen, dass, solange die rechte Frau Bayer sich im Stationsbad von der Kaffeenässe befreite, ich selbige Befreiung dem Boden vor der Bettkante antat, die tristgrauen Tücher aus dem Einmalhandtuchspender haben sich jedenfalls über die Farbänderung gefreut, mein Gewebe aber anscheinend nicht über die Verschiebung, und deshalb war es jetzt auf der Hut, vielmehr Flucht vor dem Herrn nicht im weißen Kittel, sondern im frischen hellblauen OP-Dress. Der Klügere gibt nach, habe ich mal gelesen, und so ergeben wir uns, das Gewebe und ich, und das klappt ganz gut und der junge Vertretungsoberarzt ist schließlich auch ein ganz kompetenter und trifft rasch die Entscheidungen, zack eins und zack zwei, und schon weiß jeder, was zu tun und was zu lassen ist und dann ist er auch schon bei der rechten Frau Bayer und schafft, bevor er die Tür öffnet, um mit seinem Gefolge davonzueilen, noch ein Ich wünsche Ihnen alles Gute. Erst als Frau Bayer vom Türbett, also die rechte, mit Das wünsche ich mir auch antwortet, stutzt der Forsche, hält inne, muss tatsächlich lachen und sagt: das ist gut, das muss ich mir merken