Blütentelefon oder Frühlingsfreuden 10

Im Markgräflerland gibt es ein Blütentelefon. Jedenfalls im Frühling. Beziehungsweise zu den Zeiten, die den Frühling herbei ahnen bis zum Zeitpunkt, an dem die Vollblüte der Obstbäume erreicht ist. Die Webseite des Blütentelefons (jedes Jahr von etwa 75000 Interessierten besucht) meint, dass wir mit der Vollblüte am 11.April wieder ein ganz besonders schönes Naturschauspiel haben erleben dürfen. Das Blütentelefon wird nun erst im Februar 2027 erneut aktiv, aber eine Tour durchs Eggener Tal empfehle sich auch derzeit, da die Apfelbäume und spätere Kirschsorten noch Blüten tragen würden. Die Daten auf der Webseite zeigen mir, dass ich wie beinahe jedes Jahr einer Täuschung unterliege mit meiner Meinung, dass die Blüten diesmal besonders früh dran gewesen sind. Es gab durchaus Jahre, in denen die Vollblüte noch früher erreicht wurde, 2011 z.B. am 4.April und 2014 am 6.April. Aber spätere gab’s auch (bin beruhigt, so ganz falsch ist mein Empfinden doch nicht): Vollblüte 2006 am 22.April und 2013 am 28.April.

Ich will aber nicht nur eine schnöde, wenn auch hübsch mit Blüten hinterlegte Webseite konsultieren, sondern mit den Blüten telefonieren! Ich konsultiere also meinen Hügel. Die Tüllinger Tulpen haben ihr kurzes, aber intensives oberirdisches Leben bereits beendet, und kaum habe ich auf dem Höhenweg die Sonnenerscheinungen der Löwenzahnreihen wahrgenommen, haben die gelben Strahler schon ihre wundersame Verwandlung durchlaufen und stehen nun mit weißgrauen Häuptern als aufrechte Skulpturen zwischen den Reben. Von den Quittenbäumen hat es dicke Flocken geschneit, nur die Apfelblüten sitzen rosageädert noch fest an den Ästen und kosten ihr Frühlingsdasein aus.

I

Ein Gang am Hügel,

die Vollblüte vorüber.

Da lacht nah ein Kind.

II

Zwischen den Reben

mutige Pusteblumen,

ganz auf sich gestellt.

(Fotos 19.-21.April 2026)