I
Goethe
der Unvermeidliche
selbst in Sent
wir nähern uns schreibend
demütig
II
Goethe
mein Begleiter
in jungen Jahren
geschwinder Ritt nach Sessenheim
Friederike
III
Goethe
kein Weimar
incognito in Rom
alle Sinne wieder offen
Faustina
(zum Einstieg in Senter Lektüren von Goethes Lyrik fabrizieren wir Elfchen, Schreibschule Sent 2.Okt.26)
Nachdem ich die Casa di Goethe in der Via del Corso 18 in Rom endlich besucht habe, als 16-Jährige einmal im Weimarer Gartenhaus war und als Teenagerin in einer Goethestraße wohnte, sollte ich nun doch bald einmal auch Sessenheim (von Goethe Sesenheim geschrieben) aufsuchen, das – etwa 40 km nordöstlich von Straßburg – eigentlich rasch zu erreichen ist. Vom 2.April 1770 bis zum 14.August 1771 hat Goethe, der in Straßburg Jura studierte, sich auch immer wieder in Sessenheim aufgehalten und die dortige 19-jährige Pfarrerstochter Friederike Brion besucht. Ich bin tatsächlich nach ihr benannt, wie die Eltern erzählten, und nicht nach der Großmutter väterlicherseits, die in der Familie nur als Frieda bekannt war. Ein paar Erinnerungsstücke hat man in Sessenheim zusammengetragen und ausgestellt, ein Goethe-Memorial errichtet mit Büstenkopf und Huldigungs-Inschrift und einen Goethe-Wanderpfad ausgewiesen, der wohl auch über den Goethe-Hügel (anderer Name: Friederiken-Ruh) führt. Die Grabplatten von Friederikes Eltern sind an der südlichen Außenwand der evangelischen Kirche zu sehen, während Friederike selbst in Meißenheim bei Lahr beerdigt ist, wo sie – die zeitlebens unverheiratet blieb und lange im Elternhaus wohnte – zuletzt mit ihrer Schwester lebte und im Alter von 61 Jahren am 3.April 1813 starb. Das Sessenheimer Pfarrhaus hat Goethe auch in einer Rötelzeichnung skizziert. Bekannte, von Goethe mehrfach selbst überarbeitete Gedichte, stehen in Zusammenhang mit der Friederiken-Beziehung: Mailied, Heidenröslein, Willkommen und Abschied. Hat man mit Sehen, Hören, Lesen, Wandern noch nicht genug von Johann Wolfgang und Friederike Elisabeth, dann kann man sich den Sessenheim-Aufenthalt auch noch so richtig einverleiben – mit einer Gourmandise de Goethe: ein wahrer Bäcker-Meister kreierte den Gaumenschmaus aus Mandeln, Haselnüssen, in Fleur de Bière eingelegten Pflaumen und einem Überzug aus Marzipan.

