Mikrodrama 2

(Mikrodrama 1 siehe Blogeintrag vom 16.April 2026)

In ihrer Rubrik „Dreiland“ meldet die Badische Zeitung heute kurz, dass im Basler Zoo, genannt Zolli, bald wieder Elefanten leben werden. Und zwar die Elefantenkuh Tika (geb.13.Juli 2007) samt ihrer beiden Töchter namens Kimana und Mali. Die drei Elefantendamen ziehen um, bisher lebten sie nämlich im Grünen Zoo Wuppertal. Tika gelte als aufgeweckt und verspielt, verrät mir die Internetrecherche. Da hoffe ich mal, dass es den Damen im Zolli auch gefallen wird, man tut wohl wirklich alles, um ihnen den Empfang so angenehm wie möglich zu machen. Seit März war der Zolli elefantenlos, nachdem man die zwei Elefantenkühe Maya und Rosy nach Frankreich outsourcen musste, weil sie sich seit dem Tod der Leitkuh Heri im Juni 2025 ungut ins Gehege kamen. Offenbar sollen sie nun in La France mit anderen Verhaltensweisen infiziert werden, die Eine im Zoologischen Garten Safari de Peaugres und die Andere im Zoo d’Amnéville.

Also probieren wir mal ein Mikrodrama für Kinder und solche, die es werden wollen:

Schau mal, Mama, aufgeregt deutet Lenchen aus dem Zugfenster, da ist ein Elefant. Ach, mein Lenchen mit seiner Fantasie, denkt die Frau Mama liebevoll, wie sollte denn ein Elefant da sein auf den Wiesen zwischen H. und Sch. Sie wendet sich Lenchen zu, deren Augen noch immer am Zugfenster kleben: Das war bestimmt eine Kuh, Lenchen, oder ein Pferd, da guck, da ist auch eine große Pferdekoppel. Klein-Lena aber lässt sich nicht davon abbringen, sie hat ganz bestimmt einen Elefanten gesehen, und zwar einen wirklich großen, schließlich weiß sie doch genau, wie Kühe aussehen und Pferde kennt sie zur Genüge, die kann man doch keinesfalls mit Elefanten verwechseln. Die Frau Mama vertieft sich wieder in ihr Buch, Lenchen schaut weiter aus dem Fenster. Mama, Mama, da ist wieder einer und dort auch, jetzt schau doch, schau!, ihre Stimme überschlägt sich fast. Nicht nur die Frau Mama, auch die anderen Fahrgäste blicken nun auf und nach draußen. Und trauen ihren Augen nicht, denn tatsächlich, auf den sommergrünen Wiesen tummeln sich Elefanten, und je weiter der Zug durch die Landschaft rattert, desto mehr werden es, große und kleine, alte Bullen mit riesigen Stoßzähnen, Elefantenkühe mit tapsigen Kälbern, asiatische Elefanten mit kleinen Ohren und afrikanische, die sich mit ihren enormen Ohren Kühlung zufächeln. Lenchen, das ist ja – ja ganz unglaublich ist das, das gibt’s doch nicht, der Mama ist das Buch aus den Händen gefallen und auch die anderen Fahrgäste sind ganz aus dem Häuschen und fahren sich über die Augen, alle sind aufgesprungen und hängen an den Fenstern, Taschen, Handys und Bücher sind auf den Boden gekullert, alle reden wild durcheinander, die Worte schwirren nur so durch die Gegend. Klein-Lena ist begeistert, sie liebt Elefanten, und nun sieht sie nicht nur die paar im Zoogehege, sondern ganze Herden draußen auf den Wiesen! Wenn man doch hinaus könnte! Kaum hat sie das gedacht, quietscht es, der Zug bremst, ein Stück weiter vorne blockieren drei Elefanten mit ihren Säulenbeinen die Gleisstrecke. Mama, wo sind wir?Gleich in W., aber jetzt stehn wir ja, die Mama ist noch immer perplex und bringt kaum ein Wort über die Lippen. Macht nichts, ruft Lenchen, guck, der Zugführer macht die Türen auf, schnell, Mama, komm, wir steigen aus! Klein-Lena greift energisch nach der Hand der Mama und zieht diese in den Gang Richtung Tür. Es ist schon fast kein Durchkommen mehr, alle drängen nach draußen in die flirrende Sommerluft, zu den Elefanten. Oh, schau, Mama, schau, dort im Fluss! Die Mama schaut und tatsächlich, es ist ein traumhaftes Bild: im sonnenglitzernden Wasser vergnügen sich die grauen Tiere, als wären sie hier zuhause, sie baden und tauchen die Rüssel ein, saugen Wasser an und spritzen es nach Herzenslust über sich und hoch in die Lüfte. Lenchen juchzt und kennt kein Halten mehr, sie rennt durchs hohe Wiesengras zum Fluss, die Frau Mama hinterher, es ist ansteckend, alle Fahrgäste, die eben noch ungläubig neben dem Gleisbett verharrten, setzen sich in Bewegung und laufen dem Fluss entgegen, nichts wie hin zum Wasser und zu den herrlichen Dickhäutern, das gibt ein Fest!

(nach einer Idee vom 30.August 2023.  Und wenn sie nicht gestorben sind,…)

(Foto: Haus zum Elefanten, Konstanz,4.Apr.2026)