Papst Urban VIII. hat sie verwandelt. Die Pferdebremsen oder Viehfliegen. Sie sollten nicht mehr auf dem Wappen der alten Adelsfamilie brummen, der Maffeo Barberini (1568-1644) entstammte. Der ursprüngliche Name des toskanischen Geschlechts, Tafani (Pferdebremsen), hatte die Insekten aufs Wappenschild gelockt. Vom Stammsitz Barberino Val d’Elsa hatten die Aufstrebenden bereits den neuen Familiennamen Barberini hergeleitet, nun sorgte Maffeo mit dem Gestaltwandel der Insekten für die bald überall sichtbare programmatische Ausrichtung: drei goldene Bienen fliegen in den blauen Himmel des päpstlichen Wappenschilds von Urban VIII. (Pontifikat 1623-1644) und versinnbildlichen Fleiß, Sparsamkeit, Süße und auch Wehrhaftigkeit. „Mit welcher dolcezza der Schönheit beschenkst Du uns und die Stadt“, soll ein zeitgenössischer Dichter den Barberini-Papst gepriesen haben, der ungeheuer viele Bauten und Kunstwerke in Rom beauftragte, dafür das Kolosseum als Steinbruch freigab und auch weiteres Material recyceln ließ: die Bronzeverkleidung des Pantheons – allerdings nicht für den Bernini-Baldachin, der das Petrusgrab überdacht, sondern für Kanonen der Engelsburg. Auch nach Castel Gandolfo flogen Urbans Bienen, bauten dort die Sommerresidenz aus und begründeten eine Bienenzucht, die bis heute aus den Bienenstöcken der Fattoria Pontifica Honig fließen lässt. In ihren Römischen Betrachtungen widmet Marie Luise Kaschnitz eine den Goldenen Bienen, die im Festsaal-Deckengemälde des Palazzo Barberini vom stürmischen Wind himmelan und der Ewigkeit zugetrieben werden („…treibt ein stürmischer Wind goldene Bienen himmelan“…. „Unabhängig schon von Person und Sippe, entschwebten die Bienen, riesige, goldene Fabeltiere, den gewittrigen Wolken und rissen eine Welt der Schatten auf ihrem stürmischen Fluge der Ewigkeit zu.“) Urban VIII. war auch der Auftraggeber dieses Deckenfreskos (Triumph der göttlichen Vorsehung e.a.) von Pietro Berrettini (1596 ?-1669), das ich leider nicht sehen konnte, da die Galleria Nazionale d’Arte Antica ausnahmsweise mittwochs geschlossen und nur die Sonderausstellung Bernini geöffnet hatte. Gian Lorenzo Bernini (1598-1680) war bereits früh von seinem „Mäzen“ Urban VIII. entdeckt und gefördert worden (fast ausschließlich schuf er Werke für die Familie Barberini) und so blicken einen in der mostra auf dem Quirinal nicht nur seine durchdringenden Augen an (Selbstbildnis als junger Mann, um 1623, sonst Galleria Borghese), sondern in vielfacher Ausfertigung diejenigen, meist etwas nachdenklichen, des Barberini-Papstes. Lebendig steht er vor einem, Berninis Meisterschaft lässt Jahrhunderte und Leblosigkeit steifen Büstenmaterials (Marmor, Porphyr, Bronze) dahinschmelzen.
Feli, Claudio und Pepe, die drei Bienen aus dem alten Steinwappen der Familie Barberini werden im Film Barberbieni oder Paulines Abenteuer im Vatikan durch die Tränen der erschütterten Zehnjährigen zum Leben erweckt und eilen der Tochter des Kommandanten der päpstlichen Schweizergarde zu Hilfe (Uraufführung des Zeichentrickfilms 2008 im Theatersaal der Kaserne der Schweizergarde).
Und wenn sie nicht gestorben sind, …. – dann gestalten sie noch heute, die Bienen der Barberini!
(Das von Gian Lorenzo Bernini geschaffene Grabmal Urbans VIII. befindet sich im Petersdom unmittelbar rechts von der Cathedra Petri. Das römische Volk, das unter dem Schwelgen des Barberini-Papstes zu leiden hatte, soll bei der Nachricht seines Ablebens am 29.Juli 1644 in stürmischen Jubel ausgebrochen sein.)
(Marie Luise Kaschnitz: Engelsbrücke. Römische Betrachtungen. dtv 2.Aufl.1976 – schenkte mir die Mutter zur Heiligen Nacht 1977 in Rom. Ich führe es immer aufs Neue mit, wenn ich nach Rom reise.)

