
(siehe auch Blogeinträge vom 20.Aug., 30.Okt. und 28.Nov.2025)
Man erinnere sich: das Bollenhut-Mädle war so begehrt, dass es trotz 70 000-facher Vervielfältigung im ersten Anlauf nicht mehr zu haben war. Es berühre ein Herzensthema, verlautbarte die Sprecherin der Schwarzwald-Tourismus Gesellschaft und stünde für die Liebe zum Schwarzwald und seinen Traditionen. Am 30.Oktober 2025 erreichte mich dann die Meldung, dass die Playmobil-Sonderfigur eine Renaissance erfahren habe – und tatsächlich konnte ich meine Schwarzwaldmarie mit ihrem roten Bollenhut bald in die Arme bzw. Finger schließen. Und gönnte ihr dann einen Platz in der illustren Gesellschaft der Herren Goethe und Bach, auch Wolfgang Amadeus hat sich inzwischen dort eingefunden (ich liebe ungewöhnliche Kombinationen) – und als ich irgendwann einmal zufällig an der Schwarzwaldmädel-Postkarte vorbeilief, musste die natürlich das Ensemble ergänzen (auf dem Regal, das meine Bücher etc. zu Schreiben und Schrift versammelt).
Ende März wurde ich in mehreren Medien gewahr, dass die rührige Tourismus Gesellschaft keine Ruhe gegeben und sich einen neuen Coup ausgedacht hatte. Die „Unterm Strich“- Kolumne der Badischen Zeitung titelte am 27.März „Wo die Liebe hinfällt“ und malte in den ersten Sätzen ein Schwarzwaldidyll: „Es war einmal im Schwarzwald, irgendwo bei Baiersbronn. Da sitzt ein junges Mädchen in hübscher Tracht an einem sprudelnden Bach, eine lauschige Lichtung inmitten grünen Tanns, das Eichhörnchen huscht vorbei, der Buchfink trällert seine Kaskaden, die Buschwindröschen recken sich der Frühlingssonne entgegen. Da kommt ein junger Mann daher,…“ (Artikel von Dominik Bloedner). Auch auf Instagram überschlugen sich die Meldungen, der offizielle Account der Baiersbronn-Touristik hatte unter der glasklaren Frage „Marie me?“ den perfekten Partner für das Bollenhut-Mädle gesucht und eine Abstimmung gestartet. Drei Kandidaten wurden in die Auswahl geschickt und mit entsprechenden Playmobil-Sonderfiguren hinterlegt: 1. Valentin, ein blonder charmanter Sunnyboy mit Brille (aber schwarzwaldmäßig angepasst), 2. Jakob, lässig mit braunem Schopf (ebenfalls in Schwarzwald-Outfit) und 3. Hannes, der klassische Schwarzwaldjunge. Die Abstimmung der Community habe ich leider komplett verpasst, mit deren Ergebnis bin ich aber sehr zufrieden, denn the winner is: Hannes, der klassische, bodenständige Schwarzwaldjunge. Baiersbronn Touristik erläuterte zum Geschehen: „Für maximale Authentizität wurden die Trachten der Figuren gemeinsam mit Trachtenexperten aus dem Kinzigtal entwickelt: Marie trägt künftig den traditionellen schwarzen Bollenhut der verheirateten Frauen, Hannes‘ Tracht ist ebenfalls originalgetreu gestaltet.“ Ab Mitte 2026 soll das neue Set „Marie & Hannes“ erhältlich sein bei Baiersbronn Touristik und an anderen ausgewählten Orten im Schwarzwald. Da bin ich ja nun gespannt, ob der Run auf die verheiratete Marie in anderem Gewand und mit schwarzem Bollenhut, ohne Schwarzwälder Kirschtorte, dafür aber mit ihrem Hannes, genau so groß sein wird wie auf das Mädle mit den roten Bollen! Und: werde ich endlich einmal wieder nach Baiersbronn fahren und dort meine Großeltern besuchen, die mir zuletzt so schön von ihrem Balkon zuwinkten? (oh, ich muss, glaube ich, noch an meinen Zeitformen arbeiten! ) Mein Buchkalender meint jedenfalls „vielversprechend“, denn er wollte sich für dieses Jahr partout nicht im gewohnten schwarzen Outfit finden lassen, sondern kleidete sich in „NatureLine“- Grün mit Waldsilhouette (naja, auf den Bären kann ich verzichten).

