Nachklang Johannespassion

Was ist das wohl, wenn wildfremde Menschen nach dem Konzert auf einen zukommen und innig danken, weil sie an der schwarzen Kleidung erkennen, dass man im Chor mitgewirkt hat? Wenn langjährige Chormitglieder, die inzwischen zu den Zuhörenden gehören, sagen, sie fahren jetzt nach Hause und weinen dort? Wenn alle Musizierenden erst einmal wieder auftauchen und zu sich kommen müssen?

Dann war es ihnen offenbar gegeben, die musikalische Sprache, in die Johann Sebastian Bach vor 300 Jahren das Passionsgeschehen kleidete, zu einem Klingen zu bringen, das in Resonanzräume wirkte, deren Dimensionen im wahrsten Wortsinn wundervoll waren.

Geduldige, genaue, einfalls- und abwechslungsreiche Vorbereitung des Chores durch den Dirigenten Joss Reinicke, die hochtalentierten, so präzise wie ausdrucksstark agierenden jungen MusikerInnen (Solisten und BaroqueLAB Frankfurt) und die ab der ersten gemeinsamen Probe am Freitagabend konzentriert und begeistert ineinandergreifende Zusammenarbeit haben das ermöglicht – und doch kam noch etwas hinzu, über das man besser schweigen als sprechen kann.

Schweigen füllte auch die Kirche, bis der Nachhall des Fortissimo „Ich will dich preisen ewiglich“ nur noch in den Menschen zu hören war. Vollkommene STILLE antwortete lang dem musikalisch Erzählten. Bis sich schließlich in der restlos ausverkauften Bonifatiuskirche frenetischer Beifall Bahn brach.

(Foto: auf dem Weg zur Freitagabendprobe)