Wolkendienst

  1. Im bei S.Fischer 2016 erschienenen Buch Wolkendienst. Figuren des Flüchtigen schreibt der Autor Klaus Reichert, dass kein Komponist den Wolken enger verwandt sei als György Ligeti, da es bei ihm keine hierarchischen Beziehungen gäbe und statt melodischen Bildungen Flächen und Texturen, „Aggregatzustände“. Hat das nicht Anklänge an etwas, das ich am Vortag hörte im Gespräch zwischen Joss Reinicke (Dirigent des Motettenchores Lörrach) und Elisabeth Fußeder (geb.2000, Komponistin des Auftragwerkes „Walignis“ zum 100.Jubiläum des Chores). Im Buch folgen kurze Tages-Notate aus venezianischen Tagebüchern des Autors, die sich u.a. den beobachteten Wolkenformationen widmen.
  2. Auf Ferdinand Hodlers Gemälde Le Grammont après la pluie (1917, Rudolf Staechelin Collection, Fondation Beyeler) legt sich ein blendend weißes Wolkenband auf und hinter blau scheinende Bergreihen. Am Vortag war das gleiche Phänomen über die gesamte Breite hiesigen Hügel- und Bergpanoramas zu beobachten. Die im Herbstlicht tiefblau naherückenden Vogesen, ein langgezogener Wattebausch trennt sie in ungetrübtem Weiß vom Himmel.
  3. Auf René Magrittes Gemälde Les idées claires (1958, Reuben Collection, Wyss-Bau der Fondation Beyeler) gelingt es einem schweren Felsbrocken mit gleicher Leichtigkeit über dem Meer zu schweben wie es die flauschige Wolke vermag. Mir gelingt es nicht, das Gemälde ohne Spiegelung zu fotografieren, nun schweben auch die Bäume des Iselin-Weber-Parks über der Meeresfläche.
  4. Auf der Dachterrasse des Wyss-Baus bieten die Stühle der Sonne heute nicht ihre Rücken für Schattengemälde dar, in Reih und Glied warten sie auf Besucher der Sitzflächen (nur einer schert aus). Über ihnen besetzen Schäfchenwolken (Altocumulus) das Himmelsblau und melden den Wetterwechsel.
  5. In Von Wegen und Wolken. Den Himmel säumen (Nr.283 von die horen. Zeitschrift für Literatur, Kunst und Kritik, zs.gestellt von Andreas Erb und Christof Hamann, 2021) lerne ich auf S. 98 durch Alain Claude Sulzer erstmals den Wolkensonderling Malojaschlange kennen und auf S.124 entdecke ich das ohne Majuskeln geschriebene, sechsstrophige  Gedicht wolken von Angelika Overath, es beginnt so: wandelbarer als das wasser …

(noch mehr Wolken auf meinem Instagram- Account @achfrie58)