Reihe 18, Platz 18, der sizilianische (jedoch in der Schweiz lebende) Cantautore Pippo Pollina ist mit seinem Quartetto Acustico am 17.Mai im Lörracher Burghof. Das erste Mal auf diesem palcoscenico, wie er sagen wird, und er freut sich über die zahlreich erschienene Zuhörerschaft. Obgleich er auch einmal einem einzigen Zuhörer ein zweistündiges Konzert gesungen habe, in einem Raum so groß wie der hiesige, erzählt er, in Grenoble sei das gewesen. Man glaubt, was er erzählt, der persönliche Kontakt mit seinem Publikum ist ihm wichtig, auf den Stühlen liegt denn auch ein Kontaktformular an die „liebe(n) Musikfreunde“, das man ausfüllen und am CD-Stand abgeben kann, um den Newsletter zu erhalten, „Fühlt euch umarmt, Pippo“. „Ist das heute euer erstes Konzert von Pippo“ lautet darauf eine Frage, Kästchen zum Ankreuzen für Ja oder Nein, ich müsste das Ja ankreuzen. Ich erlebe also erstmals, wie er den Saal betritt durch den Publikumsraum, von ganz hinten, den Seitengang vor, braune Schuhe, schwarze Hose, schwarzes Hemd, graue Jacke, die Akustikgitarre umgehängt, spielend, singend, einfach so, unplugged, ohne Mikro. Auf der Bühne wird sich das dann ändern, es bleibt aber sehr unmittelbar, auch wenn er an den Flügel wechselt oder ein reines Percussion-Stück einfügt. Die mit reichlich Konzerten und Aufführungsorten ausgestattete Tour 2026 stellt sich unter das Motto La vita è bella così com’è, vorgestellt wird aber das neue Album (es ist das 25.), das Fra guerra e pace, Zwischen Krieg und Frieden, heißt. Zu dieser Spannung befragt, antwortet Pollina, dass er mit dem Motto „Das Leben ist schön, so wie es ist“ die hoffnungsvolle Seite zeigen, Hoffnung und Licht projizieren wolle (Interview von Katrin Fehr, Badische Zeitung 12.Mai 2026 „Künstler sind in Krisenzeiten wichtig“). Auf der Burghof-Bühne erzählt Pippo Pollina auf Deutsch mit italienischen (seltener auch französischen) Einsprengseln auch zu den Hintergründen und Entstehungsgeschichten der Lieder, er habe immer Menschen bewundert, die sich für die Idee der Freiheit einsetzen, deshalb gehöre auf sein neues Album auch eine Hommage an Die Weiße Rose (Geschwister Scholl). Ein Abend auch für Reflexionen sei es, sagt er im BZ-Interview, und dass seine Heimat seine Erinnerungen seien, dass Inspiration aus der Realität komme, aus persönlichen Erfahrungen. Das spürt man im Burghof auch, als er von Jugendtagen in einem Landhaus der Insel erzählt, sehr langsame Tage in großer Hitze, an denen nichts geschah, ein träges Verrinnen der Minuten, ein Warten ohne zu wissen, auf was, nichts, außer vielleicht dem Rhythmus der Zikaden, dann irgendwann doch ein Klang, ein Klang, der schließlich zur Melodie wird. Noch heute würde er aus diesen Tagen schöpfen. Und dann hört auch das Lörracher Publikum einen sehr besonderen Klang, ein Lied aus dem früheren Album Racconti brevi, seit 20 Jahren würde es bei keinem Auftritt fehlen, nun aber erstmals wieder im Originalklang ertönen, geprägt von der Lyra pontica, ein hier selten gespieltes dreisaitiges Musikinstrument, das mit dem Bogen gestrichen wird. Die Cellistin Cecile Grüebler musste sich der Lyra annehmen (erzählt Pollina) und sie tut das virtuos, der eigenwillige, kraftvolle Klang singt von der Gleichzeitigkeit von Sehnsucht und Erfüllung und verkörpert für mich das gesamte Chiaroscuro des Abends.
Heute, am 18.Mai, hat er Geburtstag, der Cantautore, das erfährt man vor der einzigen Zugabe, als das Quartetto Acustico ihm ein kleines Ständchen spielt. Daher ist auch heute Konzertpause, bevor morgen ein Auftritt im Bonner Pantheon folgt. Zum großen Gala-Abend zur Feier seines 65.Geburtstages am 18.Mai 2028 um 20 Uhr im Volkshaus Zürich lädt der in Palermo geborene Pollina schon jetzt mit Flyern ein, die auf den Stühlen bereit liegen.

