Hermann Hesse in Riegel 4 etcetera

Eine gute und inspirierende Zeit – das wünscht die Kunsthalle Messmer auch beim Besuch gewisser Örtlichkeiten und da spricht nicht der Nobelpreisträger, Maler und Dichter Hermann Hesse, sondern Johann Wolfgang von Goethe, der ebenfalls mit allerlei Professionen aufwarten konnte, er spricht über Unaussprechliches.  Die „Kunst als Vermittlerin“, Hesse bedient sich ihrer mit Feder und Pinsel, in einem Brief an Franz Ginzkey schreibt er 1921: „Das Produzieren mit Feder und Pinsel ist für mich der Wein, dessen Rausch das Leben so weit wärmt und hübsch macht, dass es zu tragen ist“.  Zur Malerei gelangte Hesse über den Austausch und auch (in depressiver Krisenzeit) über  psychoanalytische Arbeit mit C.G.Jung, wie ich in der Ausstellung erfahre. Habe ich Demian (1919), in dem diese Erlebnisse literarisch verarbeitet wurden, früher gelesen? Ich schaue nach in meiner alten, noch vorhandenen Suhrkamp-Jubiläumsausgabe zum hundertsten Geburtstag von Hermann Hesse, der dritte Band, und ja, da habe ich doch auch gleich am Anfang schon Anstreichungen gemacht, mit Bleistift, und durch den Band hindurch, der nach Demian, der Geschichte von Emil Sinclairs Jugend auch Wanderung enthält, Untertitel Aufzeichnungen. Und da begegnen mir im blau marmorierten Büchlein weitere Texte wieder, die sich in der Kunsthalle Messmer an den Wänden finden, auch das Rote Haus ist da, die Magie und der Klang der Farben, die Malerfreude  „…Grün klingt auf aus neugeborener Quelle…“ Nicht nur Farben klingen bei Hesse, auch „aus der Kindheit her/ weht ein Klang mir nach“, wie es in einem Gedicht heißt, das zu jenen gehört, die samt Aquarell-Illustrationen an die ungarische Sängerin Ilona Durigo (1881-1943) gerichtet waren. Finde ich die gezeigten Gedichte auch in jenen schmalen Hesse-Gedicht-Büchern, die ich immer einmal wieder in Antiquariaten mitgenommen habe? Ja, das Septembergedicht ist enthalten im Insel-Bücherei-Band Nr.454 Vom Baum des Lebens, in den jemand schon am 24.X.36 einen Erwerb- oder Lektüre-Vermerk geschrieben hat „in den Aargauer Ferien!“ Und Der Klang finde ich in Der Blütenzweig. Eine Auswahl  aus den Gedichten von Hermann Hesse, Fretz&Wasmuth Verlag Zürich 1945, dort bildet die erste Zeile auch den Titel (Weihnacht 1956 hat eine Monika den Band ihrer lieben Maritha herzlichst gewidmet). Bäume und Blütenzweige sehe ich auch auf den Exponaten, ein ganzer Saaltext befasst sich mit  „Der Baum bei Hermann Hesse“ und ein weiterer mit „Hermann Hesse als Gärtner“. Werde ich davon noch erzählen? Mal sehen. Jetzt bin ich aber nach Stufen und der Fotovergrößerung, die Hermann Hesse im Jahr 1951 mit seiner Enkelin Sibylle zeigt auf dem Pflaster einer Gasse in Curio/TI (Hermann Hesse im Schatten vor einer Toreinfahrt, Sibylle auf der Gasse in einem Lichtstreifen; Fotoarchiv Martin Hesse) an der Plexiglasschranke angekommen, die mich aus der Ausstellung entlässt, und merke, dass ich eine Stärkung benötige. Gab es nicht in der Nähe den hübschen Biergarten? In dem man unter großen Kastanien auf einfachen klappbaren Holzgartenstühlen sitzen konnte? Ja! Dort dreht sich ein kleines Mühlrad, kein Rauschen erklingt, nur ein sanftes Plätschern unterstreicht die Stille, die auch die wenigen Gäste an den vielen Tischen dämpft. Gewisse Örtlichkeiten sind präzise ausgewiesen „Über die Brücke, dann rechts & dann links“, dem kühlen sauren Weißweinschorle steht also nichts im Weg. Als ich allerdings frage, was nun der dritte große Schriftstellende, der mir an diesem Tag begegnet, was also Jean Paul auf dem Servierbrett des Riegeler Marktflammkuchens zu suchen hat, weiß der schmale, dunkelhaarige Kellner keine Antwort, obwohl er doch den Gästen am Nachbartisch genau erklären konnte, wieso um alles in der Welt die Fürstenberg-Brauerei die Tafel mit dem WC-Wegweiser aufstellt im Riegeler Biergarten.