…so würde er inzwischen seinen Titel lieber nennen, sagt Dr. Andreas Loos gestern Abend in der denk-bar, anstelle von Die Kunst gut zu hoffen. Mir gefällt beides, auf jeden Fall aber gehört das Handwerk untrennbar zur Kunst. Aus persönlich schwierigem Erleben gespeist, setzt sich der Theologe Loos (20 Jahre lang Dozent für Systematische Theologie am Theolog.Seminar St.Chrischona, seit 2022 bei fokustheologie.ch und reflab.ch in Zürich) intensiv mit Begriff und Inhalt von Hoffnung auseinander und lädt zum Nach- und Umdenken ein. Weg von Hoffnungszwang, Verzweckung, Triumphalismus hin zu den unerwarteten, unverfügbaren, unerdachten, unbedachten Möglichkeiten, mit denen Hoffnung uns ständig umspielt, die sie uns zuspielt. Im Schnelldurchgang streift er die Hoffnungsskepsis in der Antike, Hoffnung ist das große Übel, das bewusst in der Büchse der Pandora bleibt, die Stoiker lehren die Abkehr vom Begehren für ein Leben ohne solcherart Hoffnung und ohne Furcht. Aber: Menschsein ohne Hoffnung ist nicht möglich (siehe auch Victoria McGeer, Princeton University The Art of Good Hope), die Hoffnung ist Handlungsermächtigerin. Dabei beinhaltet „gutes Hoffen“ die ehrliche Auseinandersetzung mit Leid und Verzweiflung, die Lockerung einer Fixierung auf ein bestimmtes Hoffnungsgut, Loos zitiert aus Dorothee Sölles Buch Leiden, dass in der Passionsgeschichte Jesu eine entscheidende Wendung vollzogen wird: die Wende von der Bitte, verschont zu bleiben hin zum verzweifelt klaren Bewusstsein, es nicht zu werden. Im Buch der französischen Philosophin Corine Pelluchon mit dem wundervollen Titel Die Durchquerung des Unmöglichen wird auch der Unterschied zwischen espérance und espoir beleuchtet. Nicht der Mensch findet die Hoffnung, sondern die Hoffnung sucht und findet den Menschen; er kann ihr aber helfen, dass er gefunden wird, zum Beispiel, indem er einen entsprechenden Raum schafft oder aufsucht, indem er im Zustand der Neugier bleibt. Hoffnung ist Sinn und Geschmack dafür, was an Gutem möglich ist. Für (christliche) Hoffnung ist Zukunft nicht nur ein in der Zeitachse Vergangenheit-Gegenwart-Zukunft folgendes Futurum, sondern ein Adventum. Gott kommt entgegen aus dem Reich seiner Möglichkeiten, die uns in unsere Gegenwart gespielt werden, so dass eine solche Zukunft von der Vergangenheit befreit sein kann.
Hingezogene Hoffnung macht das Herz krank, heißt es in Sprüche 13 Vers 12, aber ein eingetroffener Wunsch ist ein Baum des Lebens.
(Artikel von Andreas Loos: Hoffen bei Nebel, in: Aufatmen, Ausgabe 3/2026 August, SCM Bundes-Verlag, Witten)
(Corine Pelluchon: Die Durchquerung des Unmöglichen. Hoffnung in Zeiten der Klimakatastrophe. C.H.Beck 2023)

