
Du bist meine dritte Wahl. Andere wählten rascher und haben schon die Jakobsmuschel genommen und auch die zweite, eine gebrochene, unsymmetrische. Nun nehme ich dich, weil auch du asymmetrisch bist. Eine Seite deiner Herzmuschelschale holt weit aus und beschreibt einen schönen Bogen, die andere schafft den Bogen nicht, wirkt abgeschnitten und hat doch einen heilen Rand, der in Wellenlinien verläuft wie auf der ausholenden Seite. Am unteren Rand fehlt dir ein Stück, es ist ausgebrochen. Deine Oberfläche hat Furchen und Riefen, Rippen erheben sich wie Doppelstrahlen und fächern sich von deinem Kopf aus auf, zum Teil sind sie von kleinen Stacheln besetzt. Deine Farben sind die des Sandes. In verschiedenen Schattierungen folgen sie von hellbeige bis hellbraun dem Verlauf deines Außenrandes und kreuzen die erhabenen Doppelstrahlen. Auf der abgeschnittenen Seite ist die Farbe noch dunkler, braun, wie ein alter Bluterguss, darauf Schorf. In deinem Inneren ist das, was außen erhaben ist, eingesenkt, ein Perspektivwechsel, die Fläche ist glatt, die Fingerkuppen gleiten leicht darüber, die Kuppe meines Daumens passt sich genau ein in die Mulde deines Kopfwirbels. Du riechst nach eingetrocknetem Meer, nicht mehr salzig, eher bitter, kräftig. Halte ich dich ans Ohr, höre ich wie als Kind das Rauschen der Meereswellen, ich weiß aber, dass es ein Widerhall ist, der sich in deinem Inneren verfängt.
dritte wahl
symétrique – asymétrique
du erinnerst worte
der Rand gebrochen
der Bogen nicht vollendet
dunkler bluterguss

