…. wohl wahr! Auf jeden Fall läuft und läuft das große, bemooste Mühlrad und dreht seine Runden durch den Dalbebach. Einmal aber stand es still, denn der Wellbaum musste erneuert werden, das eineinhalb Tonnen schwere und 4,3 Meter lange hölzerne Herzstück, die verlängerte Radachse, die die Energie vom Mühlrad ins Mühleninnere auf das Stampfwerk überträgt, damit die Papierherstellung in der Basler Papiermühle wieder so laufen kann wie im 15.Jahrhundert, denn die alte Galizianmühle ist nicht nur Museum, sondern auch Papiermanufaktur. Zwei hölzerne Hammer werden durch die Maschinerie bewegt und zerstampfen rhythmisch alte Lumpen zu einem Zellulosebrei, aus dem dann das Papier geschöpft wird. Eichenholz wird benötigt für den Wellbaum, und zwar mindestens 300 Jahre altes, und es war in 2022 sehr schwierig, überhaupt einen entsprechenden Baum aufzutreiben, auch deshalb, weil Frankreich für den Wiederaufbau von Notre-Dame rund 30.000 Eichenstämme aufgekauft hatte. Schließlich aber war man in einem Schweizer Wald fündig geworden und Mühlrad und Stampfwerk konnten wieder anlaufen. Und sie laufen und laufen, sehr zur Freude eines groß gewordenen Jemand und eines Nicht-mehr-Purzel! Die auch gleich selbst Papier schöpfen, mit Gänsekiel und Federn Buchstaben malen, verschiedene Sachen drucken, Eidechsen in Kartonstreifen prägen, auf Schreibmaschinen Tasten drücken und zuschauen, wie die Typenhebel durch das Farbband die Zeichen aufs Papier bringen und der Papierträgerwagen sich dabei mit der Walze um einen Schreibschritt weiter bewegt (großes Faszinosum!).

Alles selbst Hergestellte darf mitgenommen werden, dazu auch der Mini-Umschlag, für dessen rotes Siegel jeder aus vielerlei Motiven auswählen konnte, bevor das Tropfen des Siegelwachses und das Eindrücken des Siegelstempels zu beobachten waren. Was es sonst noch alles zu sehen und zu lesen gibt zu Papier, Schrift, Druck und Buch, das erlebt man am Besten selbst im schönen alten Gebäude, beim Dalbedyych im St.Alban-Tal, unweit des Rheins, inmitten enger Gässchen mit aneinander geschmiegten Fachwerkhäusern und bei der alten Stadtmauer. Ist man hier wirklich im heutigen Großbasel? Erheben sich tatsächlich schräg gegenüber die weißen Roche-Türme?

(Siehe auch Blogeintrag vom 24.Juli 2025)
(Informationen zum Wechsel des Wellbaums entnommen aus BaZ- Artikel von Simon Erlanger, 21.06.2022)
