Ein Radstopp

Bei sonntäglicher Ausfahrt stoppen wir unser E-Bike. Waaas sehen wir da? Die Schnägge-Straußi wird zerrupft??? Gerüste vorm, halbgare Plastikplanen am und kaum noch Schnecken ums Haus? Eins komma fünf Meter Abstand sollen wir halten, doch trauen wir uns näher ran und wünschen der hölzernen Klinkenschnecke, dass sie ihr glückliches Lächeln behält, obwohl trockene Laubhaufen sie missachten und ungeniert neben ihr in die Weinlaube spazieren. Weiße Kabelschlangen rollen sich zusammen und platzieren graue Köpfe da, wo einst freundlich gedeckte Tische Gäste willkommen hießen  – und nun können wir gar nicht mehr endlich einmal das Land z’Morge genießen, was wir noch nie gemacht haben! Hätten wir nicht liebend gerne einmal am sonntäglichen Frühstücksbrunch die Kinderträume gegessen und dazu ein Glas spritzigen Sekt getrunken- selbst wenn wir so gar keine Bruncher sind? Auch Antipasti und sogar Tomate-Mozzarella hätten wir dann nicht verachtet! Und vielleicht hätten wir außer zum Caprese- auch zum Wurstsalat (Elsässer-Art?) gegriffen? Bestimmt hätten wir sogar das in Betracht gezogen – je nach Uhr- und Jahreszeit, und auf jeden Fall bitte Elsässer Art, dazu ein knusprigfrisches Bauernbrot. Nun bleibt uns nichts als den sonnengegilbten Fotos im Schaukasten die Frühstücksüppigkeit zu glauben und die Brüsseler Spitze des großen weißen Schmetterlings zu bewundern, der das Muster im Schatten doppelt. Gar nicht vergilbt sind die Blüten des punktierten Gilbweiderich, die mit gelber Leuchtkraft das Abschiedsszenario Lügen strafen und uns sonn(en)täglich aufmuntern.

Es weicht die Schnägge.

Kein Weinlaubenkindertraum.

Gilbweiderich glüht.

(siehe auch Blogeintrag vom 3.März 2025 „Sunndigsmenü“)