Siri und Navid

Die Eine auf der Leinwand, der Andere im Literaturhaus. Die Eine groß. Der Andere klein. Beide sehr präsent. Nicht laut.

Siri ist eine Variante von Sigrid, lese ich bei Wikipedia, Sigrid wiederum leitet sich aus einem altnordischen Wort für Sieg ab, erweitert schöner Sieg (NB.: ein solcher war dem SC Freiburg gestern nicht gegönnt) oder schöne Siegerin .

Navid ist ein persischer männlicher Vorname mit der Bedeutung Versprechen, gute Nachricht.

Navid Kermani ist am 27.November 1967 in Siegen, Westfalen geboren und dort als Sohn eines Arztes aufgewachsen. Mit drei älteren Brüdern. Lebt und schreibt im Eigelsteinviertel, Köln.

Siri Hustvedt ist am 19.Februar 1955 in Northfield, Minnesota geboren und dort als Tochter eines Professors für norwegische und amerikanische Geschichte aufgewachsen. Mit drei jüngeren Schwestern. Lebt und schreibt in Brooklyn, New York City.

Im Dunkel des Kinos kritzele ich einige wenige Sätze mit, die Siri sagt: in der Bücherei hatte ich Flügel, Buch um Buch emporgehoben zu der Riesin, die ich sein wollte, und dann schreibt man und schreibt und schreibt und dann wird man allmählich besser, life is a fluid movement, kein statisches Gebilde. Sie sagt viele zentrale, auch schöne Sätze im 110 Minuten langen Film der Regisseurin Sabine Lidl Dance Around the Self, der im Februar 2026 auf der Berlinale Weltpremiere hatte. Auch Paul Auster (schon gezeichnet von der tödlichen Krankheit) sagt Zentrales und Schönes. Die Tochter Sophie, deren Ehemann, die drei Schwestern. Ein Film über und im Leben und Schreiben von Siri. Bis hin zum aktuellen Buch Ghost Stories. Ein intimer Film. In den roten Kinosesseln kaum zwei Handvoll ZuschauerInnen am Abend des 19.Mai. Man wünscht dem Film wesentlich mehr!

Das Basler Literaturhaus ist am Abend des 20.Mai restlos ausverkauft. Sommer 24 ist das am 17.Februar 2026 erschienene Buch (bezeichnet als Roman), um das sich das Gespräch mit dem Moderator Thomas Strässle dreht und aus dem Navid Kermani liest. Der Arbeitstitel Sommer 24 avancierte zum Buchtitel. Der Sommer 24 war für Kermani stärker als sonst mit Ereignissen verbunden. Ob es außer dem Zeitraum auch sonst eine Verbindung zwischen den im Buch erzählten Ereignissen gäbe, fragt der Moderator. Antwort: Genau aus dieser Frage heraus sei der Roman entstanden. Thomas Strässle ist ein Schweizer Literaturwissenschaftler, Autor und Flötist. Mir scheint, die beiden auf der Bühne an den zwei kleinen runden schwarzen Tischen (bestückt jeweils mit Wasserkaraffe und Wasserglas) fremdeln ein bisschen und rangeln oder ringen um Fragen und Antworten. Vielleicht wirken aber auch Auflösung und Verunsicherung, Grundthemen des Buches, in gewisser Weise ansteckend. Strässles Hemdkragen scheint zu drücken, obwohl der oberste Knopf nicht geschlossen ist, seine Finger wandern wiederholt dorthin, Kermanis hingegen auf den eigenen Kopf, in dem er auch mit dem eigenen Text ringt, er hat seinen Lektor gebeten, ein paar Sätze in der nächsten Auflage zu streichen (sie legen den Text und dessen Besprechungen unnötig in eine Richtung fest). Bestimmt drin bleibt ein Satz des Erzählers, der festhält, dass ihm seine Fantasie genauso echt ist wie das wirkliche Geschehen. Quellen des Schreibens, führt Navid Kermani auf eine so nicht gestellte Frage aus, seien das Leben, das Erlebte und andere Bücher, wir leben ja mit diesen Büchern, sind ständig mit ihnen im Austausch.

Siri Hustvedt – Dance Around the Self – Wikipedia https://share.google/ONFJyiZuDpc2mJDsr

Instagram Account von Siri Hustvedt:    @sirihustvedt

www.navidkermani.de