Das Archiv der Gefühle

Am 13.Januar 2026 habe ich im Literaturhaus Basel einen Abend mit Peter Stamm und Annette Pehnt erlebt unter der Überschrift „Schreiben & Weglassen“.  Beiden AutorInnen begegnete ich an diesem Abend das erste Mal persönlich und auch mit ihren Werken habe ich mich in Zusammenhang mit dem Abend erstmals befasst, obwohl ich über beide schon des Öfteren gelesen hatte (siehe auch Blogeintrag vom 14.Januar). In der Badischen Zeitung vom 6.März 2026 erschien die Meldung, dass die in Freiburg lebende Annette Pehnt den diesjährigen Johann-Peter-Hebel-Preis des Landes Baden-Württemberg für ihr literarisches Werk erhält. Alle zwei Jahre wird dieser Preis am Geburtstag Hebels, also am 10.Mai in Hausen im Wiesental verliehen. „Einen Vulkan besteigen“, die zuletzt von Pehnt erschienenen sprachlich radikal reduzierten Erzählungen hatte ich rund um den Abend im Januar gelesen, sozusagen häppchenweise, immer einmal wieder zwei bis maximal drei dieser Geschichten hintereinander. Peter Stamm bin ich noch immer nicht aufs ganz dünne Eis gefolgt (Auf ganz dünnem Eis. Erzählungen. S.Fischer-V., 2025), aber ich habe seinen Roman Das Archiv der Gefühle gelesen und das mit großer Lesefreude. Die Idee, die Art, was wie erzählt wird (zum Beispiel der Entschluss, Akten anzulegen über „Die Geräusche des Wassers und Die Geräusche der Vögel im Flug“, wobei der Stapel der auf diese Weise beschrifteten Mappen zwar wächst, aber leer bleibt, s.S.45), die schnörkellose Sprache, die sehr viel Inhalt transportiert. Auch der Romananfang hatte es mir gleich angetan „Früher am Tag hat es ein wenig geregnet, jetzt ist der Himmel nur noch teilweise bewölkt mit kleinen, kräftigen Wolken,…“, und der Schluss ist wunderbar, aber den kann ich hier nicht auch noch verraten, nur so viel sei gesagt: ein paar Berge kommen darin vor, klare Luft, genaues Schauen und eine Ferne.

Ich habe die Angewohnheit, als Lesezeichen für meine Lektüren (immer mehrere zur gleichen Zeit) Postkarten zu verwenden, sie dienen mir auch als Lineal für Bleistift-Markierungen. Dabei ist es mir nicht egal, welche Postkarte ich in das jeweilige Buch lege, sie muss (auf wahrscheinlich nur für mich selbst nachvollziehbare Weise) zum Buch passen, und so kam zum Archiv der Gefühle die Karte mit Maria, also Angelina Jolie in der Rolle der Maria Callas, eine Werbekarte, die ich einmal im Kino mitgenommen habe, ohne dass ich bisher den Film über die letzten Lebenstage der Callas in Paris gesehen hätte.

(Peter Stamm: Das Archiv der Gefühle. S.Fischer-V., Frankfurt 2021)