
Eine Besonderheit am Hügel sind die Wildtulpen, auch Weinberg-Tulpen genannt, womit schon klar ist, warum sie sich am Tüllinger wohl fühlen. Tulipa sylvestris liebt ein Leben zwischen den Reben, in Streuobstwiesen, auf kalk- und lehmhaltigen Böden. Im Sonnenlicht breitet sie dezent duftend ihr zipfliges Perigon aus und lockt Insekten an. Unter der Erde hat sie ihr Überdauerungsorgan, die Zwiebel, versteckt, während ihre Laubblätter schlank, glatt und spitz den Stiel begleiten. Man munkelt, die Römer brachten sie mit, auf jeden Fall aber stammt sie, wie die anderen raren Schönen des Hügels, Dolden-Milchstern, Trauben-Hyazinthe und Weinberg-Lauch, aus dem Mittelmeerraum. Sie ist geschützt und die Weinbauern nehmen Rücksicht, sie warten mit dem Grasschnitt, bis die Tulpe ihr kurzes Leben wieder zurückzieht, meist strahlen die Blütensterne nur zwei Wochen. Dieses Jahr neigen die gelben Grazien schon früh ihre länglichen Köpfchen dem Licht des Südens entgegen.
Tüllinger Tulpen
wagen das kurze Leben.
Gelber Frühlingsrausch.

(Fotos vom 23.März 2026)
