Endlich hast du die Krippe wieder aufgebaut, entfährt es dem groß gewordenen Jemand, als er zu Anfang der Adventszeit ins Wohnzimmer schneit, und es klingt, als habe er sich jede einzelne Sekunde des vergangenen Jahres nach dem Auftauchen des Stalls und der Figuren gesehnt. Er verharrt einen Moment in andächtiger Entfernung, nimmt alles genau in Augenschein, bemerkt schließlich kritisch die Position eines Schafes. Warum es da stehe, bei einem der Könige, bemängelt er, es gehöre doch zu den Hirten. Mit der Erklärung der nonna zu Platz-, Balance- und sonstigen Gründen gibt er sich nicht zufrieden, sondern eilt nun zügig gen Bethlehem, greift entschlossen das Schaf, setzt es an die rechte Stelle und betrachtet sein Werk mit Wohlgefallen.
Hirten und Herde sind vereint, dass manche Versammelten ein bisschen wackeln, was macht das schon – das Kind liegt in Windeln gewickelt auf seinem roten Kissen, Maria und Josef betrachten es froh, Ochs und Esel blinzeln herüber, die Weisen bringen die Gaben, der Kamelführer lehnt in heller Djellaba an seinem großen Tier, ein paar Steine fixieren das über Kartons gezogene Leintuch, die Kerze ist sicher im orientalisch anmutenden Glas untergebracht und alle können in den Bachchoral einstimmen, dessen Text von Paul Gerhardt stammt: Ich steh an deiner Krippen hier, o Jesu, du mein Leben, ich komme, bring und schenke dir, was du mir hast gegeben…
Dass die Figuren bereits in meiner Kindheit Blessuren hatten, sehe ich auf dem alten Foto, die Krippe begleitet mich nämlich schon seit meinem allerersten Weihnachtsfest, im Elternhaus stand sie immer unter dem Baum, der es -nach dem Umzug in den Schwarzwald noch vor meinem zweiten Weihnachtsfest- nicht weit hatte von seinem Standort im Wald in unsere Weihnachtsstube.

