Am Thuner See hat es geschneit, wie ich auf in social media geteilten Bildern sehen kann, es herrscht kein „Martinisommer“ mehr. Zwischendurch überfliege ich regionale Tageszeitungen, die ich während der „Stillen Tage“ verpasst habe. Und stoße beim Donnerstag, 13. November auf eine Ausreißerkuh, die ihr Leben noch nicht beendet haben wollte und daher vom Weg zum Schlachthof abgewichen ist. Sie zog es vor, für Wochen solo durch den Wald zu streifen, bis sie neue Gefährten und Gefährtinnen erkor, mit denen ihr offenbar wohl war, denn – nachdem sie einen Zaun durchbrochen und sich auf fremder Weide inmitten einer Schafherde niedergelegt hatte, blieb sie dort und ließ sich nicht vertreiben. Kuh und Schafe konnten sich gut riechen (meldeten Nüstern und Zeitung) und lebten einträchtig miteinander bis ….
Tja, wie geht die Geschichte weiter?
So viel sei verraten: die Kuh mit dem Namen eines fliegenden Insekts musste zwar das Bundesland wechseln, aber ein Schlachthof bleibt hinter allen Bergen, Kuh M. genießt weiter Grünfutter und Leben und solo ist sie auch nicht mehr!
(kurze Netzrecherche zeigt, dass Kuh M. bereits zum Filmstar avanciert ist: Filmreife Flucht: Kuh entkommt Schlachthof – Video | hessenschau.de https://share.google/N1ZuekLr85zTi0y5D )
(in der Schreibschule Sent am 13.April 2025, etwas überarbeitet)
Es ist ein Regentag. Mariana hat Langeweile. Sie schaut aus dem Fenster des Kinderzimmers. Niemand ist draußen außer den Regentropfen, die in eine Pfütze springen. Mariana beobachtet, wie im Wasser Kreise entstehen, die nach außen laufen. Ob das auch passiert, wenn sie in die Pfütze springt? Plötzlich will sie unbedingt nach draußen und das probieren. Sie rennt in den Flur, wo sind bloß die Gummistiefel? Mariana kickt ungeduldig die roten Lackschuhe und den bunten Rucksack zur Seite, aus dem die Vesperbox und ein angebissener Apfel kullern. Da sind ja die Gummistiefel! Mariana bückt sich und will sie unter der Schuhbank hervorziehen, da bemerkt sie noch etwas in der Ecke, ganz voll Staub, was kann das sein? Sie streckt den Arm aus und greift etwas Weiches: ihr altes Kuscheltier, der braune Elefant! Wie er ihr gefehlt hatte! Mariana pustet die Flusen weg und drückt das dunkle Plüschtier an sich. Soll sie Tuffi mit nach draußen nehmen? Dann ist sie nicht so allein! Im Haus ist es ganz still, die Mama liegt im Bett, sie braucht viel Ruhe, hat der Papa gesagt, bevor er zur Arbeit ging, die Mama hat Gürtelrose. So ein komisches Wort, Mariana hat es erst kürzlich gelernt. Sie hat es lernen müssen, weil die Mama nämlich krank ist. Zuerst hat Mariana sich gewundert, dass eine Rose krank machen kann. Und was ein Gürtel mit einer Rose zu tun hat, hat sie sowieso nicht verstanden. Dann war ihr eingefallen, dass sie einmal mit ihrer Freundin Gela Gänseblümchen gepflückt und zu einem Kranz geflochten hat, aber das war ja dann ein Haarreif und kein Gürtel. Schließlich hat die Mama Mariana die vielen Bläschen gezeigt, die in einem Streifen vom Rücken bis zum Bauch ziehen und Mariana hat verstanden, warum es Gürtel heißt. Aber Rose? Sie weiß nicht. In letzter Zeit sind viele neue Worte in ihren Kopf geraten, sie schwirren dort herum wie seltsame Wesen und manchmal rutscht Mariana dann durch ein Abflußrohr auf dem Schrottplatz und nicht hinter Gela durch die gelbe Tunnelrutsche auf dem Spielplatz oder der Violinschlüssel hängt zu hoch und Mariana kriegt ihn nicht zu fassen, dabei gefällt ihr doch seine Farbe so gut, besser noch als pink und rosa. Wenn doch nur die Mama wieder gesund wäre! Dann gehen sie nämlich zusammen in die Bibliothek, das hat die Mama versprochen, dort gibt es Bücher mit Bildern zu den komischen Worten, die wollen sie mitnehmen und anschauen, dann wird das Schwirren weniger und die Langeweile auch. Aber jetzt, rasch rein in die Gummistiefel, raus vor die Tür und in die Pfütze springen! Los, Tuffi, komm!
Und noch eine Hörempfehlung (Gespräch mit der Schriftstellerin Mariana Leky) : Der Sonntagsbrunch: Promis im Gespräch · Mariana Leky: „Bei jedem Buch steht man wieder bei Null, am Anfang“ · Podcast in der ARD Audiothek https://share.google/ruuFteeL4urQMiSNP
Der Buß- und Bettag ist ein evangelischer Feiertag und im Herrnhuter Losungsbüchlein als solcher ausgewiesen und mit einem Extra-Spruch versehen. Aber wer erinnert sich überhaupt noch daran, was es mit ihm auf sich hat?
Fragt man Wikipedia, erfährt man von der wechselvollen Geschichte des Tages. Immer wieder wurden als Reaktion auf aktuelle Nöte und Gefahren Buß- und Bettage angesetzt, die zu Umkehr und Gebet aufrufen sollten (warum sind es so oft nur Nöte und Gefahren, die zu solchen Aufrufen führen?). Seit dem Ende des 19.Jahrhunderts wird der Tag immer auf den letzten Mittwoch vor dem sogenannten Ewigkeitssonntag datiert, also dem letzten Sonntag des Kirchenjahres, und fällt daher in diesem Jahr auf den 19.November. Hin und her ging es mit dem Buß- und Bettag, es gab ihn auch im Plural, 1878 zum Beispiel waren es in 28 deutschen Landen gesamt 47 Bußtage an 24 unterschiedlichen Tagen. Ab 1990 war der Buß- und Bettag ein deutschlandweiter Feiertag, nachdem er nach der Wiedervereinigung auch von allen östlichen Bundesländern übernommen worden war. Und warum gibt es ihn seit 1995 nur noch in Sachsen? Weil im Jahr 1994 beschlossen wurde, den Buß- und Bettag als arbeitsfreien Feiertag ab 1995 zu streichen, um der Mehrbelastung der Arbeitgeber durch die Beiträge zur neu eingeführten Pflegeversicherung durch Mehrarbeit der Arbeitnehmer entgegenzuwirken (wobei in Baden-Württemberg zunächst stattdessen die Abschaffung des Pfingstmontages diskutiert worden war; in Sachsen zahlen die Arbeitnehmer als Ausgleich einen etwas erhöhten Beitrag zur Pflegeversicherung). Aufgrund der Feiertagsgesetze gibt es Sonderregelungen allgemein und im Besonderen, zum Beispiel in Bayern und in Berlin: in Bayern ist der Tag offenbar unterrichtsfrei, für die Lehrpersonen aber nicht dienstfrei, denn es werden Pädagogische Tage abgehalten mit Themen zu Erziehung und Bildung, in Berlin besteht wohl für evangelische Schüler keine Verpflichtung zum Schulbesuch (ist das noch so, wie es in Wikipedia beschrieben ist? – der Artikel wurde tatsächlich vor zwei Tagen aktualisiert). Festgesetzte Bußtage oder -zeiten gab es auch bereits in der Antike, zum Beispiel die „feriae piaculares“ in Rom, die in Krisen- und Kriegszeiten ausgerufen wurden.
Ich erinnere mich, dass an der Schule meiner Nachkommen der Buß- und Bettag als Tag der Besinnung gewürdigt wurde.
Ich sammle Mülleimer oder Mülleimer sammeln mich, so ganz genau weiß ich das nicht. Jedenfalls stehen sie überall herum, wo ich auch bin, und haben eine Meinung. Zu diesem und jenem. Nicht nur zu Symphonien. Oder Philharmonien. Die ich nur von außen hören und sehen konnte. So dass mir Hören und Sehen nicht verging. Irgendwann will ich die mal einstecken, so richtig in mich hinein. Oder besser: mich in sie hinein stecken. Zum Hören und Sehen. Und Riechen und Schmecken und Tasten. Also nicht in die Mülleimer, die haben’s ja ohnehin schon mit mir. Nee, aus- und einbaufähig sind Symphonien und Philharmonien, etymologisch und sonst wie. Sonst wie oder vielleicht sonst noch was? Ah ja, stimmt: Gleichgewicht und Bewegung! Da staunt ihr, Mülleimer, nicht wahr? Ha, so dynamisch seid ihr nicht! Eher festgefahren. Naja, dann bringt euch wenigstens nichts so schnell aus dem Gleichgewicht. Nicht mal Christian. Der hat sich nämlich gemeldet. Wenn auch nur kurz:
Jetzt war es doch passiert. Christian hatte es ja gewusst. Das kam davon, wenn man einen Seidenschlafanzug mit nach Hause nahm. Dabei war er doch jetzt gar nicht zu Hause. Das wars. Besser vielleicht, er wäre da geblieben, also zu Hause. Hätte sich ins Bett gelegt zum weißgepaspelten Schwarzen, das machten sie jetzt nämlich so, der Schlafanzug lag rechts, Christian links. Dann konnte er den kühlen Stoff berühren, wenn ihm danach war, mit seiner rechten Hand, der guten. Dem Schlafanzug gefiel das. Hatte er mal gesagt, jetzt war er eher still, ein stiller Genießer. Dass er genoss, verriet er mit einem kaum merklichen Blinzeln seiner vier Knöpfe. Christian liebte das Zwinkern des schimmernden Schwarzen, er konnte es nun sogar im Dunkeln sehen und war sicher, dass es nicht bloß ein Blinken war. Nicht nur nächtlich, nein auch täglich beglückwünschte er sich: wie gut, dass ich damals den Schlafanzug zurück gegrüßt, die letzten Schritte beschleunigt und die Türklinke zum feinen Herrengeschäft in die Hand genommen habe!
Nun aber war Christian nicht zu Hause, sondern unterwegs. Seit der Schlafanzug das erste Mal mit ihm gesprochen hatte, ging Christian samt seiner angegrauten Haare viele Wege, nicht nur den ins Herrengeschäft. Wege, die er vage erinnerte. Wege, die er lange nicht betreten hatte. Wege, die er einmal fantasiert hatte. Manchmal ging er langsam und tastend, etwas unbeholfen, wie das so seine Art war, manchmal auch schnell und sicher. Und da war es nun passiert: jetzt sprachen sogar die Mülleimer mit ihm! Hatte er’s doch gewusst! Aber, was war das? Christian horchte in sich hinein und – noch ein klitzeklein wenig erstaunt – stellte er fest: mir ist nicht mehr mulmig! Salvete, Mülleimer, einen guten und schönen Tag euch! Ihr seid da und ich bin es auch, tatsächlich ganz und gar.
Seit vielen Jahren versuche ich, in Buchkalendern festzuhalten, was der Tag beinhaltet hat, ganz nüchtern, in Stichworten, auch das Wetter kommt hinein, zum Beispiel morgens trüb, dann hellt es auf, bis ~18°C oder morgens Nebelband über dem Rhein, sonst überw. sonnig, bis ~ 14°C. Ich habe so meine Vorstellungen, wie der Kalender auszusehen hat, in den ich schreibe, ich habe mich an Außen- und Innengestaltung gewöhnt. Vor allem muss er unbedingt eine ganze Seite pro Tag bereithalten, auch für die Samstage und Sonntage, zu Beginn der Zeilen soll die Uhrzeit gedruckt sein, zumindest die vollen Stunden. Ein Bändchen ist gut, mit dem man beim Aufschlagen schnell bei den aktuellen Tagen landet. Eine einseitige Monatsübersicht zu Beginn jeden Monats, ein paar für Notizen vorgesehene Seiten. „Mein“ Kalender ist gar nicht mehr so einfach zu finden oder er hat die gewünschte Innengestaltung, aber zeigt sich außen bunt und nicht im bevorzugten Schwarz. Für 2026 bin ich noch auf der Suche und dabei vielen Kalendern begegnet, aber nicht „meinem“. Zum Hineinschreiben nehme ich einen Stift mit feiner schwarzer Mine, keinen Kugelschreiber. Da ich seit einigen Jahren auch Eintrittskarten, Flyer, Quittungen o.ä. zwischen die Seiten lege, wird das Kalenderbuch mit einem Gummi zusammengehalten. Das ist zugegebenermaßen nicht besonders ästhetisch, aber bisher bin ich meinem System treu geblieben. Für unterwegs übrigens gibt es schmalere Kalender mit einer Doppelseite pro Woche, ich muss also gedrängter schreiben.
Natürlich kommen weitere Kalender hinzu, die ich aber nicht be – schreibe, da sind zum Beispiel der „Büroaufsteller“ (den ich immer noch besuche), ein von einer Freundin gestalteter mit auch handschriftlichen Exzerpten aus einem Buch über das Schreiben (-lernen und -lehren) und andere.
Gottes unsichtbares Wesen – das ist seine ewige Kraft und Gottheit – wird seit der Schöpfung der Welt, wenn man es mit Vernunft wahrnimmt, an seinen Werken ersehen.
So ist der Vers 20 aus dem ersten Römerbrief heute im Herrnhuter Losungsbüchlein als sog. Lehrtext wiedergegeben. In der Elberfelder Übersetzung lautet er so:
Denn sein unsichtbares (Wesen), sowohl seine ewige Kraft als auch seine Göttlichkeit, wird seit Erschaffung der Welt in dem Gemachten wahrgenommen und geschaut.
Die Interlinearübersetzung übersetzt den griechischen Text so:
Denn das Unsichtbare an ihm, seit Schöpfung der Welt an den Schöpfungswerken erkannt werdend, wird wahrgenommen, und – seine ewige Macht und Gottheit …. (im griechischen Wort für erkannt werdend steckt hier „noos“: Sinn, Einsicht, Verstand, Vernunft, Gesinnung etc.)
Und da heute der 9.November ist, schaue ich auch in eine „Übersetzung des Neuen Testamentes, die seiner jüdischen Herkunft Rechnung trägt“ von David H. Stern (Das jüdische Neue Testament, Hänssler-V. 1994):
Seit der Erschaffung des Universums waren seine unsichtbaren Eigenschaften – seine ewige Macht wie auch sein göttliches Wesen – allezeit deutlich zu erkennen, denn man kann sie aus dem, was er gemacht hat, verstehen.
Ein Zitat des Schriftstellers Fjodor M.Dostojewskij (11.Nov.1821-9.Febr.1881) lässt das Herrnhuter Losungsbüchlein dem Lehrtext folgen:
Liebet die ganze Schöpfung Gottes! Sowohl den ganzen Erdball, wie auch das kleinste Sandkorn. Jedes Blättchen liebet, und jeden Sonnenstrahl! Liebet alle Dinge! Wenn ihr das tut, so werden sich euch in ihnen die Geheimnisse Gottes offenbaren.