Erster Sonntag im Advent

Der zum Beginn des neuen Kirchenjahres im Herrnhuter Losungsbüchlein vorgeschlagene Psalm ist Psalm 24, einer von gesamt 73 Psalmen, die mit David in Verbindung gebracht werden, dem Hirtenjungen und König.

Ich zitiere die Verse 1 und 2 sowie die Bekräftigung der Verse 7 und 8 im neunten und zehnten Vers, zunächst nach der Elberfelder Übersetzung:

Des HERRN ist die Erde und ihre Fülle, die Welt und die darauf wohnen. Denn er, er hat sie gegründet über Meeren und über Strömen sie festgestellt.

Erhebt, ihr Tore, eure Häupter und erhebt euch, ihr ewigen Pforten, dass der König der Herrlichkeit einziehe. Wer ist er, dieser König der Herrlichkeit? Der HERR der Heerscharen, er ist der König der Herrlichkeit.

In der Luther-Übersetzung lautet das dann so:

Die Erde ist des HERRN und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen. Denn er hat ihn über den Meeren gegründet und über den Wassern bereitet.

Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe! Wer ist der König der Ehre? Es ist der HERR Zebaoth; er ist der König der Ehre.

Das bekannte Adventslied Macht hoch die Tür, die Tor macht weit greift die Stelle aus Psalm 24 auf.

Bei den achten Herbstfreuden

Bevor meteorologischer Winter und Adventszeit beginnen, schaue ich zurück auf die achten Herbstfreuden, die Retraite am Thuner See.

Gegen 16:10 Uhr am Tag des Hl. Martin von Tours erreiche ich den Schlossweg 3, das Licht neigt sich bereits dem Abend entgegen und ummantelt Landschaft und Anwesen mit mildem Leuchten: das Goldgelb des Gingko-Baumes zur Rechten, die Nadelbäume zur Linken, das satt aufsitzende Haupthaus vor mir, dessen tief gezogenes Zeltdach ein Zwilling des Berges ist, der auf der anderen Seeseite nicht bedrohlich, sondern wie ein Beschützer regiert. Das hat er schon getan, als das vom Augustinerkloster Interlaken errichtete Rebhaus ihm gegenüber 1133 erstmals urkundlich erwähnt und das daraus erwachsene Rebgut Ralligen im Jahr 1465 als Lehen dem Thuner Schultheiß Peter Schopfer überlassen wurde. Weinbau wird 560 Jahre später nicht mehr betrieben, einzelne Rebranken zieren die Gebäude, von Früchten der Obstbäume und aus Gemüsegärten werde ich kosten, Palmen auf der Sonnenterrasse und übers Gelände verteilte Zypressen sind Zeugen von günstigem Klima, haben einen Tessiner Anklang und versetzen mich in den Süden. Noch nie war ich hier, obwohl ich die evangelische Kommunität, die das ab Ende des 19.Jahrhunderts bis zum zweiten Weltkrieg als Koch- und Haushaltungsschule geführte Schloss vor bald 50 Jahren erwarb, schon ebenso lang, ja sogar ein paar Jahre mehr kenne. Am 24.März 1972 schwärmt die 13-Jährige in ihrem neuen Tagebuch: „Heute war der letzte Abend und der allerallerschönste. Die Woche mit den Christusträgern war ja so toll, so temperamentvoll mit den schönen Songs. Und der Bruder D., den mag ich so schrecklich, er ist wirklich ein einmaliger Mensch. Und auch Saarländer und er hat auch einen Jugendkreis geleitet. Und er redet so toll und überzeugend…“  –  Saarländer und Jugendkreisleiter waren dabei die Parallele zu meinem Vater. Am Martinitag 2025 werde ich Bruder D. wiedersehen, nachdem man mich zu meinem Zimmer gebracht hat, ich sehe ihn auf dem Foto in einem Jubiläumsband, der auf dem Tisch liegt. Der junge Bruder, der mich zum Zimmer bringt, führt mich am Haupthaus und an blauen Kisten mit erdbefleckten Zwiebeln vorbei, das Zimmer entpuppt sich als ganzes Holzhäuschen, wie geschaffen für die stillen Tage, eine einfache und doch komfortable Kajüte mit allem, was ich brauche. Ich trete ans hohe Fenster, es lässt sich zu einem kleinen Balkon hin öffnen, das Licht fällt schon, vertieft dabei aber sein gelbes Leuchten über dem zunehmenden Dunkel der Hügel, der See nimmt es auf und hält es noch lange, ehe eine blaue Dämmerung Bäume und Berge in einen Scherenschnitt verwandelt und der Niesen sich schließlich nicht mehr abgrenzen will vom Himmel, selbst seine dünne Schneehaube ist nicht mehr auszumachen, nur eine einsame Laterne schwebt irgendwo hoch oben über nachtschwarzem Wasser. Ein leises Plätschern lässt noch den steinernen Brunnentrog erahnen, der sich unterhalb des Balkons an die Mauerbrüstung der Terrasse lehnt, aber das Herbstlaub auf dem Sechseck der Holzbank, die den dicken Stamm einer gestutzten Winterlinde umfängt, sehe ich nicht mehr. Ich laufe zum Haupthaus, aus dessen Fenstern goldgelbes Licht fließt, auf dem Gutsgelände weiter oben erhellt ein Herrnhuter Stern den Giebel eines Chalets. Im holzgetäfelten Refektorium versammelt man sich nicht mehr zu den Mahlzeiten (das geschieht in einem einfacheren Speisesaal), auf rotsamtenen Sitzflächen der Stühle liegen Liederbücher, das tiefbraune Leder einer alten Couchgarnitur zeigt stolz Narben und Falten, die randständigen Nieten leihen sich Glanz vom Kerzenlicht. Jemand sitzt mit dem Smartphone hier, WLAN gibt es nur im Haupthaus zu bestimmten Zeiten des Tages. Später knackt und knistert ein Feuer, es wärmt einen hohen Raum mit weiß verschlemmten Wänden und wirft flackerndes Licht aufs asketische, aber rote Gewand Johannes des Täufers, der vor dichtem Baumgrün und Bergzügen am Horizont aus seiner rechten Hohlhand Wasser auf Jesu Haupt fließen lässt.

(Fortsetzung folgt)

Vermischte Meldungen

Ingrid van Bergen ist tot, ploppt es heute auf dem Smartphone auf und sofort stehe ich in der Sammelumkleide der Alemannenhalle in Mönchweiler. Wie das?

Ich bin der Schauspielerin dort begegnet, in den 1970er Jahren. Die etwa 3000 Einwohner zählende Ortsgemeinde hatte ein regelmäßiges Kulturprogramm installiert (wie wurde das bloß finanziert?) und so kamen ab und an mit Tourneetheatern sogar bekanntere DarstellerInnen auf die Bühne der 1965 fertig gestellten Mehrzweckhalle, die auch Schülern und Schülerinnen und dem Turnverein als Sporthalle diente und daher mit einem entsprechenden Fußboden und den Umkleideräumen ausgestattet war. Der Bürgermeister, mein Vater, empfing jeweils die angereiste Truppe, ich durfte ihn zu den Begrüßungen begleiten. Als Theater- und Filmbegeisterte (ohne dass ich mich besonders gut ausgekannt oder viel Gelegenheit zum Theater- und Kinobesuch gehabt hätte) waren das für mich sehr besondere Begegnungsmomente und natürlich habe ich mir Autogramme geben lassen in die Programmhefte (leider nicht mehr vorhanden).  Kurze Zeit nach dem Gastspiel in der Alemannenhalle meldeten alle damaligen Medien, dass die 1931 geborene Ingrid van Bergen in einer Villa am Starnberger See ihren jüngeren Geliebten durch Revolverschüsse getötet hatte (2 Kugeln trafen), ihre beiden Töchter (von zwei vorigen Ehemännern) waren damals noch im Teenageralter (wie ich).  Ich erinnere mich gut an die Fassungslosigkeit und das leichte Grauen, das uns befiel, hatten wir die Schauspielerin doch in der Sportumkleide als freundlich zugewandt erlebt.

Die Alemannenhalle wurde vor einigen Jahren komplett neu strukturiert, lese ich im Netz und sehe, dass der federnde Boden nun nicht mehr grau trägt, sondern eine kräftige Farbe, die Bodenmarkierungen für die verschiedenen Sportarten sind aber wieder vorhanden. Und Veranstaltungen verschiedenster Art finden dort weiterhin statt, am bevorstehenden Wochenende zum Beispiel ein Weihnachtsmarkt.  Spielt noch der Musikverein bei anderen Zusammenkünften in der Halle? Sitzt man weiterhin auf den hellen, stapelbaren Holzstühlen mit hoher, biegsamer Rückenlehne an langen Tischen, an denen auch bewirtet wurde?

Übers Sehen im Schwarzwald lautet die Meldung in der Rubrik Regio-Literatur der Badischen Zeitung vorigen Freitag zum im badischen Landwirtschaftsverlag erschienenen Erstlingsroman eines in den 80er Jahren auf einem Schwarzwaldhof Aufgewachsenen, der Buchtitel „Was ich sehen kann“ erinnert mich allerdings sehr an den eines anderen wohlbekannten Romans.

Die Schwarzwaldmarie (siehe auch Blogeinträge vom 20.August und 30.Oktober 2025) hat sich eingefunden und in die illustre Gesellschaft der Herren Goethe und Bach begeben (den Mozart hab´ ich doch auch noch, ich muss ihn umsiedeln, mit seinem roten Originalgewand ergänzt er ja den Bollenhut wunderbar).

Himmlische Musik

In der schweizerischen „Eisenbahnerstadt“ Olten gibt es heute Abend eine musikalische Lesung mit Manfred Koch und Martin Lehmann zu Rainer Maria Rilke, einführende Worte spricht Angelika Overath (alle drei sind mir aus den Kursen der Schreibschule Sent bekannt). Ein langer Ausflug zum Büroaufsteller verhindert mein Erscheinen. Wenigstens hatte il sole heute ein Einsehen und erhellte den herbstlichen Himmel.

Der Mond wieder halb.

Tags erscheinen die Sonnen.

Himmlische Musik.

(Manfred Koch: Rilke. Dichter der Angst. Eine Biographie. Verlag C.H.Beck, München 2025)

Hört der Engel helle Lieder

Im Chor haben wir die Proben zur Johannespassion (Konzert am 29.März 2026 als erstes von zwei Jubiläumskonzerten zu 100 Jahre Motettenchor Lörrach; das zweite Konzert am 18.Oktober 2026 u.a. mit einer Auftragskomposition) kurz unterbrochen für die Vorbereitung auf ein weihnachtliches Einstimmen am dritten Adventssonntag. Das titelgebende „Hört der Engel helle Lieder klingen weit das Feld entlang…“ (eigentlich eine französische Weise „Les Anges dans nos campagnes“) wird vielleicht als Mitsing- Zugabe ertönen, das vielfältig zusammengestellte Programm enthält nicht nur englische Carols, sondern auch Bachs „Ich steh an deiner Krippen hier, o Jesulein, mein Leben“, Praetorius‘ „Es ist ein Ros entsprungen“, das von unserem Dirigenten Joss Reinicke vertonte Rilke-Gedicht „Es treibt der Wind im Winterwalde die Flockenherde wie ein Hirt…“ und andere. (Evangelische Kirche Hofen, Sonntag 14.Dezember 2025, 17 Uhr)

Und eine weitere Singfreude breitet sich am Horizont aus: der Süddeutsche Ärztechor plant ein Benefizkonzert in Rom am 30.Mai 2026 in der Nationalkirche der Portugiesen, der Chiesa Sant’Antonio dei Portoghesi (oder Sant’Antonio in Campo Marzio; Via dei Portoghesi 2). Unbedingt will ich da dabei sein, zumal ab dem Pfingstmontag in Rom geprobt wird.

Welch schöne Aussichten!

(die Hoffnung hebt sich wie ein Lied und jubelt – heißt es in einer Liedstrophe, die heute im Herrnhuter Losungsbüchlein abgedruckt ist)

Ein Herbstinterview

Liebe Frau A., was brauchen Sie denn in diesen grauen Tagen, in denen das Wetter nicht die einzige Misshelligkeit darstellt?

Ganz einfach, ich brauche einen Hauch Italien.

Hm, wie bewerkstelligen Sie denn das, wenn Sie gerade nicht die Koffer packen und Richtung Süden entfleuchen können?

Oh, erstmal sag‘ ich Ihnen grazie mille für solche Wortschönheiten wie Misshelligkeit und entfleuchen- da leuchtet der Tag doch schon recht südlich.

Soso, das kommt mir jetzt eher spanisch vor, das sind doch eigentlich missliebige Wendungen. Was machen Sie denn sonst noch?

Ich koche.

Sie kochen? Sind Sie denn Köchin?

Keineswegs. Aber ich finde die Zutaten so apart und das Einverleiben auch.

Das Einverleiben? Sie meinen, Sie speisen gerne?

Das auch, certo, sehr gern sogar! Aber mehr noch, ich will auch die Farben und Formen, die Aromen und Düfte inkorporieren, Sie verstehen?

Äh, ja, also, ich bemühe mich mitzukommen.

Na sehen Sie, ist doch ein Anfang. Immer gut, wenn man sich aufmacht.

Capito, aber was haben Sie denn nun heute in Ihren Koffer gepackt, äh, ich meine, in Ihren Kochtopf geschmissen?

Also, ich muss doch schon sehr bitten, ich schmeiße nicht! Das würde ja die Ingredienzien beleidigen und so etwas bringe ich nicht übers Herz. Allenfalls streue ich und zwar zum Schluss die hauchdünnen Chili- Strings über die Mezzelune.

Sie haben Schlutzkrapfen gemacht?

Wenn Sie die Halbmondförmigen so nennen wollen, ja. Die frischen Halbmonde haben mich irgendwo angelacht, zumal sie mit ein wenig Herbst gefüllt waren, mit Kürbis nämlich, dazu mit Salbei und Mascarpone.

Aha, und dann?

Dann hab‘ ich sie mitgenommen und ihnen ein kurzes Bad in Gemüsebrühe gegönnt, bevor ich sie in Olivenöl gewärmt habe. Dort hab‘ ich sie aber nicht alleine gelassen, sondern ihnen ein paar feine Lauchzwiebelröllchen und in dünnste Scheiben geriebene Zucchetti als Begleitung gegeben.

Und obendrauf das feurige Rot der Chili-Strings?

Giusto, richtig, wie ein Gespinst. Ich merke schon, Sie reisen mit!

Das war’s jetzt?

Nicht ganz, ein bisschen Grün hat mir noch gefehlt, Blattpetersilie bot sich an, dem Mangel abzuhelfen.

Ah, die Tricolore, ich begreife passo per passo.

Freut mich zu hören. Dann können Sie vielleicht jetzt auch schon erahnen, welches Getränk die Speise komplettiert hat?

Warten Sie, ich überlege, sprachen Sie nicht neulich davon, dass Ihnen der Lugana fehlt?

Ecco, tatsächlich, Sie haben es gefunden, ein Gläschen Lugana, imbottigliato da Cantine di Verona!

Das Hagebuttenlied oder Herbstfreuden 9

So eine Kälte!

Dort hinter Regenfäden

Hagebuttenrot!

Beim Anblick der Hagebutten fällt mir das alte Kinderlied ein, der Germanist, Dichter, Sammler und Herausgeber alter Schriften August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874) schrieb es, die Melodie stammt vom Niederrhein. Ich habe es schon im Kindergarten gesungen. Ist es dort immer noch en vogue? Ich werde nachfragen beim Purzel und beim groß gewordenen Jemand. Im großen Liederbuch, das 204 deutsche Volks- und Kinderlieder sowie 156 bunte Bilder von Tomi Ungerer versammelt, ist es auch enthalten, jedoch fehlt die dritte Strophe, die des Rätsels Lösung enthält und gemäß Hoffmann von Fallerlebens Anweisung nicht mehr zu singen, sondern zu sprechen ist:

Ein Männlein steht im Walde/ganz still und stumm,/es hat von lauter Purpur ein Mäntlein um./Sagt, wer mag das Männlein sein,/das da steht im Wald allein/mit dem purpurroten Mäntelein?

Das Männlein steht im Walde/auf einem Bein,/und hat auf seinem Haupte schwarz Käpplein klein./Sagt, wer mag das Männlein sein,/das da steht im Wald allein/mit dem kleinen schwarzen Käppelein?

Das Männlein dort auf einem Bein,/mit seinem roten Mäntelein/und seinem schwarzen Käppelein,/kann nur die Hagebutte sein.

(Haben wir nicht als Kinder auch die Hagebutten ausgepuhlt, und uns gegenseitig mit dem Juckpulver bedacht? In meiner Erinnerung spüre ich, dass jemand von hinten etwas unter den Halsausschnitt meines Pullovers reibt, und dann…. Uuuhh, fies!)

(Das große Liederbuch, 204 deutsche Volks- und Kinderlieder, gesammelt von Anne Diekmann, unter Mitwirkung von Willi Gohl, mit 156 bunten Bildern von Tomi Ungerer; Lizenzausgabe mit Genehmigung der Diogenes Verlag AG, Zürich, copyright 1975 Diogenes-V.)

Ewigkeitssonntag

Aus dem Lukasevangelium stammt der Vers, der im Herrnhuter Losungsbüchlein der Kalenderwoche 48 zugeordnet ist (Kap.12,Vers 35):

Eure Lenden sollen umgürtet und eure Lampen brennend sein!

Der alttestamentliche Tagesvers ist Vers 6 aus Kap.49 Prophet Jesaja:

So mache ich dich zum Licht der Nationen, dass mein Heil reiche bis an die Enden der Erde.

(zitiert nach der Elberfelder Übersetzung 2006)

Der letzte Sonntag des Kirchenjahres, der sog. Toten- oder Ewigkeitssonntag ist von König Friedrich Wilhelm III. von Preußen im Jahr 1816 als „allgemeines Kirchenfest zur Erinnerung an die Verstorbenen“ eingesetzt worden, u.a. deswegen, weil es zuvor ein Totengedenken im evangelischen Kirchenjahr nicht gab.

Gestern hatte ich die Freude, in besonderer Weise verstorbener Familienvorfahren zu gedenken: jemand erzählte prägende Erinnerungsbilder.

(Aurora, heute 7:36 Uhr)

Rast auf der Flucht nach Ägypten

Die Szene aus Rilkes Gedichtzyklus Das Marienleben war der Abendanschluss an den frostigen „Weihnachtszauber“ des Kindergartens. …und sie wurden vor sich selber bange/nur das Kind war namenlos getrost…..er verneigte sich. Derselbe Baum,/ dessen Kränze toten Pharaonen/für das Ewige die Stirnen schonen,/neigte sich. Er fühlte neue Kronen/blühen. Und sie saßen wie im Traum.

In diesem Jahr häufen sich allerlei Gedenktage, die man vielfältig würdigt, so auch der 150.Geburtstag des in Prag am 4.Dezember 1875 geborenen Rainer Maria Rilke. Mit welcher Musik die Rezitationen garniert sein würden, war der Ankündigung auf Plakaten und im VHS- Programm nicht zu entnehmen. Umso erfreuter lauschte ich (im dafür nicht unbedingt geeigneten Raum) dem ganz eigenen Wohlklang der aus Buchsbaumholz gefertigten und mit wenig Mechanik versehenen historischen Klarinette und dem ihrer Verwandten (Diskant-Chalumeau, Kynseker-Flöte), die Christian Leitherer virtuos und mit inniger Zuwendung zu spielen versteht. Leitherer gehört zu den wenigen europäischen Spezialisten für historisches Klarinettenspiel und ist in verschiedenen nationalen und internationalen Formationen tätig. Dass er in meiner nächsten Nähe wohnt, hatte ich nicht gewusst. Die Instrumente zu fotografieren, hat er mir im Anschluss an die Veranstaltung gestattet.

Mein (schmaler) Insel-Bücherei- Band Nr. 43 Das Marienleben gehört zum 91.-100.Tausend des Drucks der Offizin Haag-Drugulin AG in Leipzig und ist in Frakturschrift gedruckt, auf der ersten Seite versehen mit dem Namensschriftzug eines längst verstorbenen Onkels (blaue Tinte).