
Ach, ich sehe, der Himmel hat sich auch beteiligt am Laternen-Spiel oder warum sonst hätte er frühmorgens so erröten sollen (ich schwöre: die Sonne war es nicht!)? Dabei war der „magische Moment“ schon vorüber, als gemäß Lichtlöschplan (steht wirklich so geschrieben) in der gesamten Basler Innenstadt, also im Klein- und im Großbasel, alle Lichter erloschen waren, damit Schlag 4 Uhr sämtliche Cliquen gleichzeitig pfeifend und trommelnd ein- und denselben Marsch „Morgestraich“ anstimmen und mit Kopf- und Zuglaternen „Vorwärts- Maaarsch“ gehen und leuchten können. Und ich war zwar nahe, aber wieder nicht direkt vor Ort – immerhin empfing mich beim Büroaufstellerausflug Franz Marcs Gemälde „Der Traum“ und zur Himmelslaterne gabs ein frühlingshaftes Pfeifkonzert der „Vögelheit“ (erstaunliche Wortschöpfung des Purzels, der seinem Purzelsein entwächst). Einmal aber habe ich den magischen Moment mitgelebt in der Menge der Zuschauer und sogar einen Platz ergattert zur obligatorischen Stärkung mit Mehlsuppe am sehr frühen Morgen, das ist allerdings Jahrzehnte her, aus der knapp eine Stunde entfernten Studienstadt war ich angereist. Ein Basler Mädchen durfte erst heiraten, wenn es Mehlsuppe kochen konnte, sagt mir Wikipedia, die Mehlsuppentradition der Region reicht bis zu den Römern zurück, die die einfache Speise bereits in ihrer Kolonie Augusta Raurica (Colonia Augusta Rauricorum; 10 km östlich von Basel, am Rhein) zubereiteten.
(Rezepte für Basler Mehlsuppe finden sich von verschiedenen Anbietern, mit oder ohne Film, im Internet)

