Interview im Kochdunst 2

(Text vom 8.Februar 2026)

Sagen Sie mal, liebe Frau A., mir kam zu Ohren, dass sie wieder Vegetarier zu Besuch hatten oder wie lautet das jetzt, wenn man wirklich alle einschließen will, ich meine, nicht nur m, w und d? – Na, ich hoffe, es heißt nicht Vegetierende. Und ich staune, was Ihnen immer alles so zu Ohren kommt.- Tja, ich halte halt die Ohren offen, und auch die Augen sind nicht im Modus eyes wide shut. Also? – Also was?-  Ja, was haben Sie in ihre Kochtöpfe geschmissen, ohoh, Entschuldigung, ich meine natürlich, welchen Ingredienzien haben Sie einen gebührenden Auftritt verschafft? –  Jetzt bin ich aber froh, dass Sie die Formulierung geändert haben, ich merke, wir lernen dazu. Wie schön, ich liebe nämlich Lernen. – Sie lieben Lernen? Wir hatten‘ s ja schon davon, ich staune, was Sie alles lieben.  –  Dann staunen Sie mal weiterhin, bleiben Sie ruhig dabei, ich liebe nämlich auch das Staunen. Kinder können das so gut, ein wahrer Genuss, da mit zu staunen. Staunen, staunen, staunen – hm, je öfter ich das Wort schreibe, äh sage, desto komischer kommt mir das vor, naja, der Schweizer A.v.Haller hatte es im 18.Jahrhundert in die Literatursprache eingeführt, „stünen“ war eigentlich das in Gedanken versunkene Vor-Sich-Hin-Blicken, aber wir wissen ja zum Glück, wie wir‘s jetzt meinen. Lernen lieb ich übrigens nur als Freelancer, huch, Freelancerin, also nur, wenn ich mich grad einfach so mit Sachen beschäftigen kann, die mich begeistern, gepaukt hab ich wahrlich schon genug. – Okay, wenn Sie meinen, aber nun haften Sie doch bitte nicht wieder an Nebenschauplätzen, sondern heben endlich die Topfdeckel. – Jaja, gemach, gemach und bitte Vorsicht, der Dampf ist noch heiß, verbrennen Sie sich nicht!- Danke, ich weiß Ihre Umsicht zu schätzen, aber ich halte nicht nur immer Augen und Ohren offen, sondern auch ausreichend Abstand. – Ah, na dann. Also, wir sind ja gerade im Italienfieber, wegen Winterolympiade und ohnehin auch so, deswegen gibt es einen Risotto, zum Beispiel mit Bio- Carnaroli Reis. – Perfetto, liebe Frau A. Das haben Sie sich gut ausgedacht. Und wen schicken Sie mit den rundlichen Reiskörnchen auf den Laufsteg?  –  Hm, ich dachte, wir bleiben im grünen Bereich. – Grün finde ich gut, hat irgendwie was mit Garten zu tun. – Meinen Sie? May be. Jedenfalls, schauen Sie, hab ich einen großen Zucchetto genommen, ihn gewürfelt und ein wenig in Olivenöl angedünstet. Dazu hab ich dann die Brokkoli-Röschen gegeben, die ich zuvor in Gemüsebrühe kurz al dente gegart habe. – Kalos, äh gut und auch schön, aber wo bleibt denn der Reis? – Der köchelt hier schon vor sich hin in seiner Brühe, nachdem die Körner sich erst in einer Olivenöl-Butter- Mischung etwas warmlaufen durften mit einer großen Zehe (frischen Knoblauchs, meine ich) – eine Schalotte mogelte sich noch dazwischen – bevor ich alle Teilnehmenden mit frisch gepresstem Zitronensaft und einem kräftigen Schluck trockenem Weißwein gestärkt habe für ihren weiteren Auftritt. Ein bisschen Schminke war noch nötig: Kräutersalz, weißer Pfeffer, gemahlener Koriander, für hübsche Locken schließlich Lauchzwiebelröllchen. Das grüne Gemüse hab ich erst zum Schluss ins Rennen geschickt, damit es nicht vorzeitig schlapp macht. Oder mal im Klartext: ich hab es erst unter den Risottoreis gehoben, als der schon unter Nach – und – Nach – Zugabe von Gemüsebrühe seine cremig-sämige Konsistenz erreicht hatte. – Hm, ja, I see with eyes wide open, zudem gelangt auch etwas in meine Nase und von da weiter nach oben. Dennoch fehlt mir was. -Du lieber Himmel, es soll Ihnen doch an nichts mangeln, lieber Herr Spürnase! Sie wissen doch: auf grünen Auen, am bereiteten Tisch et cetera! Was fehlt denn?  – Ja, also von wegen Italienfieber: es ist das Rot, das Rot fehlt zur Tricolore! – Ma certo!!! Wir streuen!!! Ein paar Chiliflocken hinein und dann toppen wir das Ganze mit dem Grün der glatten Petersilie und mit den roten Gespinsten der Chilistrings!! – Aaaaah, sono contento. – Benissimo, wenn Sie das sind, dann bin ich’s auch, contenta, meine ich. Und jetzt: buon appetito, im grünen Bereich, zu dem wir unbedingt auch die Servietten zählen.