
(St.Sebastianus-Kapelle auf dem Heister, 21.März 2026)
(Gespräch mit einer Kapelle I und II siehe Blogeintrag vom 11.Oktober 2025)
Ich steige hinauf zu dir, Kapelle, ich sehe dich wieder.
Zwischen deinen Baumgesellen duckst du dich in die Mulde, mit dem Rot der Vordachpfosten und dem Weiß deiner Fachwerkwände greifst du das Rund der Schilder auf, die jenen den Weg Richtung Schönstein wehren, die nicht zu Fuß gehen.
Mich aber lässt du näher kommen, ich stehe auf dem Grasteppich, der dem trockenen Braun des Herbstlaubs ein Frühjahrsgrün entgegenhält, dann laufe ich dir entgegen, rechts verkündet eine Bronzetafel auf bemoostem Stein, wem dein Patronat gilt.
Du bist still heute, Kapelle. Hast du deiner großen Schwester den Vortritt gelassen? Oder blickst du auf die Baumgesellen und erinnerst dich an den Buchenwald, der dich vor Zeiten umgab, la hêtre, es ist die Buche, die dem Heister den Namen gab.
Von deiner Schwester bin ich zu dir gekommen, wie es die Brandprozession tat beim großen Feuer im Jahr 1788, und wie dich nun immer aufs Neue die Prozession zu St. Johanni erreicht und die zur Feier des Fronleichnamtages.
Dann beten auch deine Baumgesellen mit, lassen ihre Blätter murmeln und singen, heute aber schweigen sie, horchen dem Klang nach, der endlich die Schwester wieder erfüllte, ehrfürchtig fächern sie die kahlen Äste auf und halten sie dem Himmel entgegen,
dein Schieferdach jedoch, Kapelle, und der Glockenturm schicken ihre Bewegung gegenläufig hinauf, sie verjüngen sich Richtung der Wolkenformationen, die schon den Abend einläuten, die Glocke aber bleibt still und ich kann ihre Inschrift nur ahnen:
Campanae sonitu, Jesu, depellito nubes atque atri caeli fulgura grando migrent, Durch den Klang der Glocke vertreibe, Jesu, die Wolken, und die Blitze des schwarzen Himmels und das Hagelwetter sollen wegziehen.
Der Himmel hat auch das Schweigen der Glocke erhört, das Schwarz lässt er dem Schiefer und den Eichenbalken, an denen hoch über Schönstein ein hölzerner Christus seine Passion vollendet und das schmerzerfüllte Gesicht unter die Dornenkrone und das INRI fügt.
Du hältst ihn über die Weite der Landschaft, Kapelle, und ich nehme seine Geschichte mit, als ich dein Sechseck verlasse und meinen Fußweg fortsetze hinab zur Stelle, wo der Elbbach willig sein Wasser der Sieg schenkt.
(Quellenangabe: www.schuetzenbruderschaft-schoenstein.de und Flyer der St.Sebastianus- Heisterkapelle zu Schönstein/Sieg „Droben stehet die Kapelle, schauet still ins Tal hinab…“)

