Ein Ostermorgen

Der See ist eine ebene Fläche, die sich an den Horizont verliert. Keine Grenze zwischen Himmel und Erde. Das Grab ist offen. Strahlend über dem Dunst das Gewand des Engels, der Firn der Alpengipfel. Der Stein ist weggerollt, zerbrochen in ferne Felsbrocken auf dem Wasser. Sie erheben sich, steigen auf, kommen näher, kreisen über der Ruhe. Flügelschlag, ein Ruf. Fürchtet euch nicht! Von gegenüber antworten die Glocken. Seid gegrüßt! Zurückgekehrt nistet der Klang im Schilf. Bis er die Tautropfen liegen lässt, leinene Tücher, auf Kieselsteinen getrocknet wie die Tränen der Frauen. Kein Weinen mehr, kein Suchen. Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Durch grüne Auen spricht ein Bach vom Wasser des Lebens, kristallen fließt Glanz in die Stille des Sees, am Ufer ahnen noch kahle Bäume kommendes Übermaß und der frische Morgen salbt die Luft mit Wohlgeruch.

Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit.