Schwarzwald im Augustinermuseum

„Was bleibt übrig, wenn man die Schwarzwald-Klischees weglässt“ – fragt das Augustinermuseum im Bereich „Schwarzwald“, der am 10.Oktober neu eröffnet wurde. Bollenhut, Kirschtorte und Kuckucksuhr kennt fast jeder, in den Museumsräumen sollen aber alle Schwarzwald-Facetten beleuchtet werden, von Ideenreichtum über Tradition bis hin zum Überlebenskampf. Und so begegnen einem nicht nur Gemälde, Glas, Keramik und unterschiedliche Bestandteile der Trachten, sondern auch das Los der Hütekinder, die Arbeit der Köhler und die schweren Krätzen, also jene hölzernen Tragegestelle, in denen die gefertigten Uhren, Glas- und Keramikgegenstände auf dem Rücken weite Strecken zu Fuß transportiert wurden. Man erfährt etwas über den Bau der Schwarzwaldbahn und auf einem Gemälde von Georg Michael Zimmermann (1864-1938) erreicht eine Dampflok gerade die Ravennabrücke der Höllentalbahn. Ravennabrücke und Ravennaschlucht waren in der Kindheit Faszinosa, ich dachte dabei aber immer an die italienische Stadt, zumal man mir erzählt hatte, dass viele Arbeiter aus Italien beim Bau der Schwarzwaldbahn 1865-1873 eingesetzt worden waren, und der Name manch einer Familie in unserem Dorf auf damals im Schwarzwald Gebliebene zurückzuführen sei. Es ist aber der Bach, der Ravenna heißt, wohl nach dem französischen Wort für Schlucht „ravin“ oder nach dem keltischen „rova“ für Erdschlipf, Riss, Sturz oder nach einem Besitzernamen „Rappen“, der mit der Bezeichnung für Bach zu Ravenna verschliffen wurde. Wie dem auch sei, das Ravennaviadukt ist noch immer eine Attraktion und die Tickets für den alljährlichen Weihnachtsmarkt unter der beleuchteten Brücke sind dieses Jahr bereits ausverkauft. Verkauft haben die Schwarzwälder immer weit über die Region hinaus, die Uhren wurden weltweit gehandelt und ihr Aussehen immer auch dem Zeitgeist angepasst. In der Ausstellung bewegt eine „Augenwenderin“ im Sekundentakt die dunklen Augen hin und her, während sie die Uhr vor blauem Bustier und hellgelber Schürze ihrer Tracht trägt. Und auf einem Gemälde von Nikolaus Ganter (1809-1886) erfüllt die vom Uhrenträger in der Krätze getragene Uhr ihren funktionellen Zweck als Bilderuhr, ein Zungenspielwerk befähigt sie dazu. „Was verbindest Du mit dem Schwarzwald?“ werden kleine und große BesucherInnen gefragt und mit Metallklemmen befestigte handgeschriebene Zettel geben Auskunft.

(Foto 1: Wilhelm Hasemann, 1850-1913: Im Herrgottswinkel, Ölfarbe auf textilem Träger. Fotos vom 30.Oktober 2026. )