Im alten Garten

Wie alt der Gingko im Iselin-Weber-Park ist, will ich wissen. Und stoße auf einen Artikel  von Silvia Hofmann „Historische Gärten in Riehen“, der 1988 im Jahrbuch z’Rieche erschienen ist. Klosterzinspflichtige Höfe und Rebgüter seien die großen Landgüter ursprünglich gewesen, ist dort zu lesen, die im 16.Jahrhundert einer neuen Nutzung zugeführt wurden als Sommerfrischen und Lusthäuser der Basler Oberschicht. Aus dem Jahr 1786 existiert ein Plan, der die barocken Gartenanlagen von Glöcklihof und Iselin-Weber-Gut zeigt mit einer Einteilung des Gartens in einen Zier- und einen Nutzteil. Im 19.Jahrhundert schließlich wendet man sich von formaler Strenge ab und gestaltet einen der Natur nachgeahmten englischen Park. Das Iselin-Weber-Gut hatte bereits vor 1820 eine englische Anlage. Riesige Baustellen waren die Riehener Landgüter offenbar in der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts mit großen Erdbewegungen, Pflanzarbeiten und baulichen Veränderungen, gleichzeitig im Berowergut und im Iselin-Weber-Gut. Wobei verwandschaftliche Verhältnisse die Besitzer verbanden. Vermutlich zwischen 1826 und 1835 zeichnete auf dem Höhepunkt seines Könnens der Gärtnermeister und Gartengestalter Jean-François Caillat d.Ä. den undatierten Gartenplan des Iselin-Weber-Guts mit großem Detailreichtum und als Novum mit einer Beschreibung des Wasserleitungssystems. In der kolorierten Tuschzeichnung haben die Bäume eine Sonnen- und eine Schattenseite, die Farben reichen bei den Nadelbäumen von hellem Blaugrün bis zu kräftigem Tannengrün, bei den Laubbäumen von gelblichem Hellgrün bis zu sattem Dunkelgrün. Der Weiher erhielt klares Hellblau und die Blütenfarben der Blumeninselbeete eine differenzierte Farbgebung mit Blau-, Gelb- und Rottönen. Die Legende des Plans ist in französischer Sprache verfasst (Caillat stammte aus dem Waadtland). Zum 1988 noch nicht öffentlich zugänglichen Iselin-Weber-Park heißt es im Artikel: „Hinter dem imposanten Gittertor zur Baselstrasse hin verbirgt sich etwas Besonderes: eine der schönsten Gartenanlagen in Riehen überhaupt. Ihre Ausdehnung (…) ist zwar respektabel, doch wirkt der Park in all seinen Aspekten intim,… Evoziert werden diese Empfindungen in erster Linie durch die geschickte Anordnung der Baumgruppen und Solitäre, die, wie es der Gartenarchitekt Caillat Vater ja beabsichtigt hat, das Auge hierhin und dahin führen und es immer wieder neue Perspektiven entdecken lassen.“ Und wie alt ist nun der Gingko-Baum, der die drei Stockwerke des von Peter Zumthor neu geschaffenen Wyss-Baus überragt? Baumreste des zweiten Basler Botanischen Gartens fanden offenbar in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts Einzug in den Iselin-Weber-Park, darunter auch der Gingko biloba, dessen Alter zum Zeitpunkt des Artikels auf 100 bis 120 Jahre geschätzt wurde.

Jenes Baumes Blatt,

altem Garten anvertraut,

trägt noch immer Grün.

(Dreizeiler frei nach Zeilen der ersten Strophe des von Johann Wolfgang v. Goethe 1815 verfassten Gedichtes Ging(k)o biloba)

(Marie Luise Kaschnitz schrieb Der alte Garten. Ein Märchen. Der Klappentext auf der Buchrückseite meiner alten Suhrkamp Taschenbuch-Ausgabe von 1977: „Ein Buch, das nie aufhört Märchen zu sein, und das sich doch auch ganz anders lesen lässt. Dem Menschen wird eindringlich klargemacht, dass die Welt, in der er lebt, ihm nicht einfach zur Verfügung stehen kann, dass sie nicht nach seinem Gutdünken manipulierbar ist.“)