Whispering Things lautet der Titel der aktuellen Ausstellung im Vitra Design Museum, eine Retrospektive des Schaffens der niederländischen Designerin Hella Jongerius. Geboren 1963 und noch sehr lebendig, haderte sie erst mit dem Vorhaben einer Retrospektive, aber inzwischen gab sie ihr Placet und liebt es, „all diese Jahrzehnte zu sehen“. Das Programmheft des Museums beschwört den „forschungsbasierten Gestaltungsansatz“ von Hella Jongerius, „ihr vielschichtiges Denken, ihre Leidenschaft für handwerkliche Prozesse und ihre intensive Auseinandersetzung mit Materialität und der Symbolik der Dinge“. Ich habe die Ausstellung, die noch bis zum 6.September zu sehen ist, gestern besucht, gegenüber den sommerwarmen Außentemperaturen schien das Klima der Räume kühl. Nicht so das Gezeigte! Bei den Exponaten blühten nicht allein die Farben, sondern auch Fantasie, Ideen, Materialien, Techniken, Diskurse. „Die Dinge des Alltags erzählen Geschichten. Sie spiegeln unsere Sicht auf die Welt“ heißt es in einem Saaltext, und man bestaunt Jongerius‘ virtuosen Umgang mit unterschiedlichsten Formen und Materialien in ihren Arbeiten für Vitra, Ikea, KLM, Camper, Maharam. Da ruhen glasierte Keramiktiere auf Porzellanschalen und betrachten still die Umgebung, da ziert Hohlnadelstickerei einen Paravent aus Filz, da versammeln sich Handmodelle verschiedenster Materialien in einem Rahmen oder hängen als eine Art Mobile von der Decke, da bilden 282 unterschiedlich gefärbte Vasen (Coloured Vases, Third Series, 2010) in zehn kreisrund angeordneten Etagen einen großen Kegel. Hella Jongerius liebt nicht nur Farben, mit denen sie sich intensiv praktisch und wissenschaftlich auseinandersetzt, sondern auch Archive, die sie immer wieder aufsucht und denen sie Ideen und Materialien entnimmt. Ihr eigenes Designstudio – Archiv hat sie 2024 dem Vitra Design Museum übergeben. Inzwischen arbeitet Jongerius nicht mehr als Auftrags-Designerin, sondern als freie Künstlerin, davon zeugen im Obergeschoss auch Tiergestalten aus Keramik, die zum Teil als wasserspeiende Skulpturen im neuen Teich fungieren sollen, der derzeit gerade neben dem Museum angelegt wird, die Erdarbeiten sind hinter dem weißen Bauzaun in Gange. Im Obergeschoss findet sich auch eine Reminiszenz an den Froschkönig (würde ich sagen), ein großer Frosch (mit ebensolchem Hinterteil) ist untrennbar und gewaltig verbunden mit einem Walnussholztisch, sein linker Schwimmfuß liegt dem Tisch auf, der rechte verharrt noch neben dem Tischbein auf dem Boden. Jongerius stelle sich vor, dass ein riesiger Frosch „höflich darum bittet, an unserem Gespräch teilzunehmen“, heißt es im Erläuterungstext.
Vor dem gegenüberliegenden Vitra-Haus mit Café ergehen sich nicht nur die bunten, eingehegten Elefanten in der milden Frühlingsluft, es haben sich allerlei Menschen auf den bereitgestellten Sitzmöglichkeiten bei den Kirschbäumen eingefunden, manche lesen.
Welch Farbüberfluss!
Keusches Weiß kitzelt die Stirn
beim Kirschblütenfest.

„Die Hände sind klüger als der Kopf“ – Designerin Hella Jongerius https://share.google/mtN1Nyv7VtgfQC7Vs
(Hella Jongerius – Whispering Things. Vitra Design Museum, Weil am Rhein, noch bis 06.09.2026)
