Am See las ich Martin Walser (1927-2023), die Novelle Ein fliehendes Pferd und die Wort- und Bildmeditationen in Heimatlob, Ein Bodensee-Buch von André Ficus und Martin Walser. André Ficus (1919-1999) aquarellierte seine See- und Seh-Eindrücke auf Japan-Papier, kurze lyrische Prosatexte von Walser korrespondieren mit den zarten Gemälden, zur Bildmeditation Lied im April zum Beispiel eine klingende Naturnotiz. Einen Text widmet Walser im Subtitel dem IX.Kapitel von Seuses Leben, die Überschrift lautet Von den Worten Sursum corda. Und der Text folgt der Ausrichtung, dem Hinauf der Herzen zu Gott im Verein mit aller Schönheit der Schöpfung.
Heinrich Seuse (1295-1366), der Dominikaner und Mystiker, wirkte in Konstanz und Ulm, in der Schweiz und am Oberrhein. Nach mehrjährigem Studium in Philosophie und Theologie wurde er zum Studium Generale seines Ordens nach Köln geschickt und gehörte dort zum engen Schülerkreis von Meister Eckhart (1260-1328). Seuse wurde bereits zu seinen Lebzeiten wie ein Heiliger verehrt und wurde 1831 von Papst Gregor XVI. per viam cultus selig gesprochen. Bis zu seinem Tod war Seuse vielfältig literarisch tätig, wobei er auf unterschiedlichste Quellen zurückgriff und die verschiedensten Stilmittel und Erzählformen benutzte. Wikipedia verrät mir auch, dass Seuse auf eine breite Leserschaft zielte, dass er durch zahlreiche Wortneuschöpfungen die deutsche Sprache bereicherte und dass er immer wieder sein Schreiben selbst reflektierte – zum Beispiel auch in einer häufig zitierten Stelle über das Grundproblem, wie mit bildlicher Sprechweise das Bildlose zur Sprache kommen könne.
Weder kommentiert noch illustriert seien die Meditationen in Heimatlob, heißt es im Klappentext des Inseltaschenbuchs Nr.645. Das ist so – und dennoch oder gerade deswegen führen sie einen intensiven Dialog.
In mein IT-Buch hatte ich einen Artikel der Badischen Zeitung (von Bettina Schulte) zu Martin Walsers Tod eingelegt, vom Samstag, den 29.Juli 2023, die Überschrift lautet: „Der schreibende Mann“.
Der liturgische Ruf Sursum corda! wurde von verschiedenen Komponisten vertont. Und wie lautet die Antwort? – Habemus ad Dominum, wir haben sie beim Herrn.
(Martin Walser: Ein fliehendes Pferd. Novelle. Suhrkamp Taschenbuch 1.Aufl.1980)
(Heimatlob. Ein Bodensee-Buch von André Ficus und Martin Walser. Insel Taschenbuch 645, 1.Aufl.1982)

