Sagen Sie mal, liebe Frau A., haben Sie nicht mal wieder gekocht? -Hmmm, doch, zum Beispiel mit den italienischen Farben.- Sie haben Farben gekocht? – Aber nein, ich bin doch kein alter Färber, huuu – ich muss ja gendern, also – ich bin doch keine alte Färberin. Ich habe mit Farben gekocht, Sie verstehen? – Helfen Sie mir bitte ein bisschen nach, wie geht das? – Also, man nehme finocchio, Fenchel, dazu dann Karotten in die gusseiserne Pfanne, ich muss zugeben, die sind lediglich kräftig orange, deswegen mische man noch ein paar aromatische Tomaten darunter, auch wenn sie nicht in die Jahreszeit passen. Beim Präparieren übrigens in Wuchsrichtung des Gemüses schneiden, bitte. – Ja, und das Grün? – Das Grün liefern Fenchelkraut und glatte Petersilie. Alles ein wenig anrösten in Olivenöl und dann darin dünsten. – Streuen Sie denn diesmal gar nicht? – Ach, Sie wissen doch, ich kann das Streuen nicht lassen! – Warten Sie, ich ahne, es ist Chili in irgendeiner Form, oder? – Nein, diesmal, lieber Herr Spürnase, liegen Sie falsch, es sind Fenchelsamen. – Oh, aha, ich merke, Sie lieben die Abwechslung. – Da gebe ich Ihnen recht, ich liebe die Abwechslung, aber genauso liebe ich die Beständigkeit. – Soso, darüber muss ich erst noch nachdenken. – Ja, tun Sie das ruhig und nehmen Sie sich ausreichend Zeit, ich liebe Nachdenken. – Was Sie alles lieben! – Ja, nicht wahr! Ich staune manchmal selbst. – Sie staunen? Das ist gut, das sollte man sich bewahren. – Sie haben mein volles Einverständnis. – Aber jetzt mal raus mit der Sprache, was haben Sie sonst noch gemacht, so in der Weihnachtszeit und in den ersten Tagen des neuen Jahres? – Sie sind aber auch gar nicht neugierig, lieber Herr Spürnase, was? Aber egal, ich liebe auch Neugier und Wohnung gucken und so, zumindest… – aber lassen wir das. – Also? – Also, ich stelle fest, man sollte nicht an einem 7.Januar in die Stadt radeln, auch wenn man das nur kurz vorhat und dringend etwas zur Post bringen muss, zu einer Post übrigens, die nicht mehr existiert, sondern in einem Kaufhaus untergebracht ist (das allerdings noch kunterbunte Waren darbietet wie früher, z.B. auch neue Minen für Jetstream-Stifte) – es sind nämlich offenbar alle auf so etwas wie Einkaufs-Entzug und müssen sich jetzt unbedingt tummeln und ihrer Sucht frönen und einparken und ausparken mit ihren SUVs und hin- und herwuseln und Kassen belegen etcetera pp. – Ja, und was sollte man Ihrer Meinung nach stattdessen machen?– Oh, das weiß ich ganz genau. Man sollte zum Beispiel fortfahren mit dem Umräumen der Bücherregale, damit endlich die Stapel neue Heimaten finden und nicht mehr überall herum liegen müssen und damit es Platz gibt für neue Bücher, auch solche, die erst noch geschrieben werden. Oder man sollte weiter spazieren gehen am Hügel, auch wenn es ein bisschen frostig ist, man entdeckt dabei nämlich so schöne Dinge wie- schauen Sie nur:

Oder man sollte weiter drüber nachdenken, ob man den Stapel saisonale Bücher jetzt sofort verräumt, obwohl man kaum dahinein geschaut hat, oder ob man ihn noch eine Weile liegen lässt. – Sie haben gar nicht darin gelesen? – Naja, es gibt in dem Stapel welche, da schaue ich zu gewissen Zeiten immer hinein. – Aha, welche sind denn das und warum? – Tja, lieber Herr Spürnase, haben Sie da nicht eine Ahndung? Dann lasse ich es Ihnen als Rätsel, schließlich kann ich Ihnen nicht alles auf die Zunge legen – auch wenn es vielleicht schmackhaft wäre – womit wir endlich wieder beim Kochen angelangt sind! – Puuuh, ja dann, alla prossima!

