
Auch das vierte Adventswochenende war in Worte und Musik getaucht.
Um die Lörracher Bonifatiuskirche hat man ein „Weihnachtsdorf“ gebaut und das Kirchentor weit gemacht. Locken draußen Grillflammen, glühende Waffeleisen und Würzwein, ziehen Kerzenschein, Weihnachtsillumination und Waldboten nach drinnen. Dort wartet „Jazzy Christmas“, Susanne Hagen (Keyboard, Stimme) und Traute Mittlmeier (Saxofone) füllen den Raum mit amerikanischen Klängen, von Filmmusik (The Preacher‘s Wife) über Diana Kralls Christmas Compilation bis zu „Breath of Heaven“ (Mary‘s Song). Wenn es nach Diana Krall klingt, ist das richtig so, sagt die Interpretin, und dass Jazz helfe, nicht alles so ernst zu nehmen. Es ist spielerischer Ernst, mit dem sich die Musikerinnen in ihre Darbietung werfen, intonieren, improvisieren, vorlegen, antworten, crescendieren, zurücknehmen. Nicht nur im hohen Kirchenraum schwingt die Resonanz.
Die Basler Weihnacht füllt Barfüsser- und Münsterplatz mit Buden, die ganze Stadt mit festlichem Lichterglanz und die dreischiffige Emporenbasilika des Basler Münsters mit dem Adventskonzert der Basler Münsterkantorei, begleitet vom Sinfonischen Orchester Schweiz und der Knabenkantorei Basel. Unter mittelalterlich anmutenden Radleuchtern und zwischen hohen Buntsandsteinwänden werden Menschenscharen still und dann aus vibrierenden Tiefen „per aspera ad astra“ geholt durch Lili Boulangers (1893-1918) Vertonung des 130.Psalms „Du fond de l’abîme“, die jung verstorbene Komponistin wusste, worum sie fleht. „So steigt Boulanger beim Ausruf je crie vers toi im Männerchor vom tiefen fes-Moll über 12 Quinten nach oben und lässt einen dreistimmigen, hellen Frauenchor in G-Dur den Gottesnamen Jahwe, Adonai (…) erklingen“ heißt es im Programmheft. Die Altistin Marion Eckstein (Professorin für Gesang an der HMDK Stuttgart) folgt mit ihrer Stimme den komponierten Bewegungen aus Tiefen hinauf in Himmel. „Wie ein warmes Gewand umhüllt uns anschließend das Adagio aus der Orgelsinfonie von Camille Saint-Saëns“ meint das Programmheft, den Organisten Freddie James (u.a. Professor für Orgel an der Hochschule Luzern) sehe ich aus dem Chorraum in der Ferne hoch oben an der großen Münsterorgel und ich stimme dem Satz des Programmheftes zu wie auch weiteren genannten Beschreibungen von Saint-Saëns (1835-1921) Musik: typisch französisch, Klarheit und Übersichtlichkeit, Eleganz der melodischen Linien, verhaltene Expressivität. Zu „Une cantate de Noël“ von Arthur Honegger (1892-1955) läuft die Knabenkantorei ein, in schwarzen Hosen und roten Pullovern passt sie sich ein ins Bild der Choristen, die schwarzgewandet aus roten Notenmappen singen. Mit Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir lässt auch Honegger sein Weihnachtsstück beginnen, dann folgen wunderbar ineinander verschränkte Melodie- und Textschnipsel verschiedener bekannter Weihnachtslieder und der Bariton (Gregory Feldmann, derzeit Opernhaus Zürich und Metropolitan Opera New York) übernimmt den Part der Engel: Fürchtet euch nicht, denn ich verkündige euch große Freude,… – und schließlich vereinen sich Chor, Knabenchor und Bariton zu Ehrerbietung und Lobgesang: Gloria in excelsis Deo… (Lk.2,17), Laudate Dominum omnes gentes… (Ps.117) und Gloria Patri et Filio et Spirito Sancto, sicut erat in principio et nunc et semper et in saecula saeculorum. Amen (Kleine Doxologie aus der lateinischen Messe). Ich bleibe lange im Nachhall.
Basler Muenster https://share.google/hWbQcSaTyWLf8Y4XQ

(Lichtsensation im Basler Münster)
