O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit war eines der Weihnachtslieder, das allerorten gesungen wurde. Inzwischen hat man das Singen der Weihnachtslieder schon wieder verlassen, obwohl die Weihnachtszeit noch andauert, zumindest bis Epiphanias am 6.Januar, wenn nicht sogar bis zum 2.Februar, Mariä Lichtmess (40.Tag der Weihnachtszeit). Fröhlich mag ja noch angehen – auch wenn es häufig mit spaßig verwechselt wird, aber selig und gnadenbringend sind doch oft fremde Vokabeln geworden, mit deren Gehalt viele nichts mehr anfangen können. Mit der Betonung durch Verdopplung folgt in dem Lied – dessen Melodie einer Legende zufolge auf ein sizilianisches Marienlied zurückgehen soll und dessen erste Strophe Johannes Daniel Falk (1768-1826, evang. Schriftsteller und Kirchenlieddichter) in Johann Gottfried Herders Sammlung Stimmen der Völker in Liedern fand (die beiden anderen Strophen verfasste Johann Heinrich Holzschuher aus Wunsiedel) – der Imperativ Freue, freue dich… ! Wie wäre es, wenn wir diesen Imperativ mitnehmen ins eben begonnene 2026, ohne dabei den Blick zu verlieren auf alles, was fern und nah geschieht, was besorgt und durcheinanderbringt. Freue, freue dich !
Ich freue mich beispielsweise immer aufs Neue an einem alten schmalen Kalender mit Schwarzweißfotos italienischer Orte. Ich habe ihn seit 2013 nicht von Wänden genommen, sondern blättere nur immer wieder die Seiten, wenn ein Monat vorüber ist. Wie jedes Mal reise ich daher, wenn der Januar den Dezember ablöst, von Venedig nach Rom. Ich stehe nicht mehr auf feuchtglänzendem Pflaster des Markusplatzes und blicke auf entzündete Laternen und die Säule, die den Markuslöwen trägt, dessen langer Schwanz seltsam frei in Lüften schwingt, sondern ich gehe auf den Pflasterrauten des Ponte Sant‘ Angelo direkt auf das Hadrian-Mausoleum zu, besser bekannt als Engelsburg, und schaue dabei ebenfalls auf einen Geflügelten, auf die Bronzestatue des Erzengels Michael, die der flämische Bildhauer und Architekt Peter Anton von Verschaffelt (1710 Gent-1793 Mannheim, römischer Name Pietro Fiamingo) im Jahr 1748 als Ersatz für die beschädigte des italienischen Bildhauers und Baumeisters Raffaello da Montelupo schuf.

(Foto: Am Schlüsselberg in Basel findet sich ein 1470 entstandenes Relief des Markuslöwen als Hauszeichen am Haus zum Venedig, das einem Kaufmann mit Geschäftsbeziehungen zu Venedig gehörte. Von 1805 bis 1808 befand sich in diesem Haus der Betsaal der dritten jüdischen Gemeinde Basels, von 1824 bis 1891 war es Logenhaus der Freimaurer „Zur Freundschaft und Beständigkeit“, 1955 wurde es als Nebengebäude des Museums an der Augustinergasse umgebaut. Wie in vielen Darstellungen hält der Löwe mit seiner Pfote ein aufgeschlagenes Buch, in welchem man folgende Worte lesen kann: PAX TIBI MARCE EVANGELISTA MEUS – Friede sei mit dir, Markus, mein Evangelist)
(Wie in den vergangenen Tagen versucht, habe ich vor, kürzere Beiträge und sog. Reels künftig auf meinen Instagram Account @achfrie58 zu stellen, anderes weiterhin hier zu bloggen)
